Mittwoch, Februar 28, 2024
Strahlkraft für die Fassade
Mercedes Schneider in Dornbirn in neuem Look. (Credit: Marc Lins)

Nach Corporate Identity zu bauen, kann eine Herausforderung sein. Komplexer noch, wenn nur begrenzt Gelände zur Verfügung steht. Trotzdem musste bei der Erweiterung um Performance-Center, Kundenzentrum und Reifenhotel das Autohaus Mercedes Schneider keinen einzigen Tag geschlossen werden. Eine Meisterleistung von Architekten, Ausführenden und Bauherren.

Im November 2022 wurde das neue, um 4.000 Quadratmeter erweiterte Firmengebäude von Mercedes Schneider in Dornbirn eröffnet. Eine Herausforderung für das Team des Architekturbüros Johannes Kaufmann und Partner - das Grundstück war bereits mit weiteren Betriebsgebäuden umbaut. Auch die Auflagen des Daimlerkonzerns für die Einhaltung der Corporate Identity sind sehr streng: Von der Fassade des Gebäudes über den Bodenbelag bis zur Ausrichtung des Schreibtisches im Kundenbereich - all das ist bereits vorgegeben, festgeschrieben in einem Konvolut mit mehreren hundert Seiten. „Das Korsett, in dem man sich bewegen darf, ist sehr eng. Formen, Farben, Materialitäten - alles ist vorgegeben. Ab und zu ergibt sich eine Auswahlmöglichkeit, die aber nur in gewissen Kombinationen geplant und eingebaut werden können“, erklärt der leitende Architekt Dark Schick.

Mit der Unterstützung eines Planungsbüros konnten jedoch gute Kompromisse gefunden werden. Ein besonderes Glanzstück des fertigen Komplexes: Das AMG-Performance-Center - das erste seiner Art in Vorarlberg. Im Zuge der Erweiterung wurden außerdem ein neues Kundenzentrum, ein Reifenhotel sowie Schulungsräume für die Mitarbeiter*innen, eine neue Lackieranlage und ein modernisiertes Ersatzteillager gebaut. 

Geschäftsführerin Karin Seyfried und ihr Team hatten klare Vorstellungen: „Für uns war es wichtig, dass das Gebäude zeitlos, aber gleichzeitig ausdrucksstark ist. Selbstverständlich lag ein starker Fokus auf der Umsetzung der Vorgaben seitens Mercedes Benz. Aber es ist uns gelungen, nachhaltig und hochwertig zu bauen und unsere eigene Handschrift einzubringen“, erklärt Seyfried. Das bedeute für sie vor allem, regionale Betriebe ins Projekt einzubeziehen: „Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur die richtige Wahl der Materialien, sondern auch die Wertschöpfung unserer Region zu unterstützen. Grundsätzlich ging es nicht darum, eine Corporate Identity möglichst kostengünstig umzusetzen, sondern vorgabenkonform auf eine Weise zu bauen, wie wir hier leben und arbeiten möchten.“


Mehr Fotografien des neuen Designs finden Sie auf der Webseite des Fotografen Marc Lins: https://marclins.com/


Strenges Design

Für den Entwurf der Fassade waren zwei bestehende Baukörper von Bedeutung: eine Montagehalle aus den 1960er-Jahren, ein klassisches Werkstättengebäude, sowie ein Verwaltungsgebäude aus den 1990er Jahren mit dem ehemaligen Schauraum. Hier galt es, mit der Stadt, die eine Aufstockung des Gebäudes favorisiert hätte, einen Konsens zu finden. Dazu kamen die Zielvorgaben von Mercedes Benz, die eine dunkle Alucobond-Fassade mit weißen Vordachuntersichten forderten. Den Architekten blieb da nur Spielraum bei der Anordnung der Fassadenplatten: Horizontal oder doch vertikal?

Entschieden hat man sich dann doch fürs Horizontale. „Das hatte den großen Vorteil, dass der Plattenverschnitt minimiert werden konnte, was bei diesem teuren Material doch ins Gewicht fällt“, erzählt Dark Schick. Die Vorgaben bei der Fassade kamen ihm dann aber doch ganz gelegen: „Durch die Vorgabe mit Alucobond war eine vorgehängte hinterlüftete Fassade von vornherein festgelegt. Wir setzen aber ganz grundsätzlich gerne diese Art der Fassade ein. Das hat zum einen den Grund, dass wir durch die Hinterlüftung einer möglichen anstehenden Dampfdiffusion mit Kondensatbildung vorbeugen können. Weiters kann durch die offenen Plattenstöße eindringender Schlagregen abgeleitet werden bzw. austrocknen.“

Um die Kurve

Nach wenig Spielraum im Großen legte man umso mehr Wert auf Details. „Das Wunderbare an Alucobond ist, dass man die Eckausbildungen aus einer einzigen Platte machen kann. Diese kann 90 Grad gebogen werden, aber ohne wie ein scharfkantiger Knick auszusehen. So kann die äußere Sichtseite durchlaufen - eine unserer Intention beim Entwurf. Wir sehen in dieser Gestaltung eine Assoziation zur Stromlinienförmigkeit der Automobile, zu wohlgeformten Kotflügeln und gerundeten Blechoberflächen“, sinniert der Architekt.

„Auch, wenn die Auflagen seitens Mercedes Benz eine große Herausforderung für uns waren, so können wir jetzt im Nachhinein, wo alles fertig ist, schon stolz behaupten, dass alles sehr stimmig und durchdacht ist“, resümiert Schick. Für die Realisierung der Fassade - von der Unterkonstruktion über den Dämmungsaufbau bis hin zur Anbringung der Alucobond-Platten - war das Team der ausführenden Schlosserei Böhler rund sechs Monate im Einsatz. „Bei diesem Projekt war kein einziges Element „von der Stange“. Die vielen speziellen Einzellösungen waren eine große Herausforderung für unser Team, aber wir haben sie alle gemeistert“, findet der Projektverantwortliche David Böhler.

Fassade mit Vorbildcharakter

Bei dem Projekt treten die Vorteile einer Vorgehängten Hinterlüfteten Fassade besonders hervor, findet Stefanie Federspiel, Vorständin Kommunikation des ÖFHF – dem Österreichischen Fachverband für Hinterlüftete Fassaden. „Bei Mercedes Benz Dornbirn gab es sehr strenge Vorgaben wie das Material Aluminium für die Fassade. Dank der hervorragenden Abstimmung zwischen Bauherrschaft, Architekt, Verarbeiter und Mercedes Benz konnten die Vorstellungen nicht nur gut realisiert werden, sondern unterstreicht die Vorgehängte Hinterlüftete Fassade als ideale Wahl für ein solches Bauvorhaben. Die Umsetzung ist hier mit den um die Ecke gebogenen Aluminiumpaneelen besonders attraktiv gelungen.“ 

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