Dienstag, April 16, 2024
Best Practice - Lean Construction by Sedlak
Im zweiten Bezirk in Wien entstehen mit Hilfe der Lean-Methode aus einem ehemaligen Hotel neue Eigentumswohnungen, Büros und Geschäftsflächen. (Credit: Sedlak)

Bei der Firma Sedlak ist die Lean-Methode seit einigen Jahren fixer Bestandteil des Alltags. Die Bauleitungsteams sind auf die wöchentlichen Last-Planner-Sitzungen eingespielt und schätzen die Wertsteigerung durch einen fließenden Bauablauf.

Vor drei Jahren hat Sedlak beschlossen, Lean auch in der Sanierung sowohl mit GU, Teil-GU oder nur Baumeister zu etablieren. »Gerade die anfängliche Skepsis hat uns gestärkt, diese Herausforderung anzunehmen. Auch die Kooperation und die Teilnahme der ÖBAs in den Last-Planner-Sitzungen waren uns ein großes Anliegen«, erklärt Geschäftsführer Elmar Hagmann.

Aktuell arbeitet Sedlak an einem historischem Sanierungsprojekt im zweiten Bezirk in Wien. An der Stelle eines alten Hotels, das später zu einem Hospiz und einer Schule umgewandelt wurde, entstehen aktuell 23 Eigentumswohnungen, Büros und Geschäftsflächen. Das Gebäude aus dem Jahre 1911 wurde entkernt, mit etlichen statischen Maßnahmen aufgebessert und mit Balkonen ergänzt. Zu den größten Herausforderungen des Projekts zählt die Logistik, die wöchentlich auf der Tagesordnung der Last-Planner-Sitzungen steht.

Last Planner

Bei den Last-Planner-Sitzungen ist das gesamte Baustellenteam von Sedlak inklusive Vertreter*innen der aktuellen Gewerke anwesend. Den Beginn macht eine Rückschau der letzten Woche, woraus sich der sogenannte PEA-Wert (Prozentsatz eingehaltener Zusagen) ergibt. »Dieser wird am Ende der Baustelle herangezogen, um zu erkennen, in welchen Bereichen wir bei zukünftigen Projekten weiteres Potenzial mobilisieren«, erklärt Hagmann. Nach dieser Rückschau takten alle anwesenden Gewerke selbständig ihre Aufgaben in Abstimmung mit den tangierenden Gewerken auf den Lean-Tafeln, die im Baubüro frei zugänglich sind. Komplexere Abläufe werden in Plänen visualisiert. Durch dieses Zusammenspiel entsteht ein schlanker, optimierter, kontinuierlicher Bauprozess.  

»Die Lean-Methoden sind lediglich Werkzeuge und der Erfolg ist von der Handhabung und Wertschätzung jeder einzelnen Beteiligten abhängig. Wichtig dabei ist eine offene, klare, direkte Kommunikation«, ist Hagmann überzeugt. Durch eine Sechswochenvorschau, werden künftige Hindernisse schnell erkannt, im Team zeitnah gelöst und Prozesse angepasst. 

Soft Skills

Auch klassische Tabuthemen wie »Fehlerkultur« oder »Zwischenmenschliches« werden bei Last-Planner-Sitzungen angesprochen. »Etwas das uns in den letzten Jahren in der Baubranche verloren ging, ist das Bewusstsein, dass die Steuerung eines Bauvorhabens vielfach nur über positive soziale Interaktionen zu bewerkstelligen ist«, so Hagmann. Viele Prozesse in der Baubranche sind durch Technik ersetzt worden, dabei sind es immer die Menschen, die das Bauvorhaben entstehen lassen. Ein gutes, organisiertes Zusammenspiel vieler Beteiligten spiegelt den Erfolg und die Qualität der Bauaufgabe wider.

In der heutigen schnelllebigen digitalen Gesellschaft ist Sedlak bewusst zwei Schritte zurückgegangen und hat einen analogen Lean-Prozess eingeführt, um dem »Menschsein« wieder mehr Gewicht zu geben. »Ein emotionaler Wert, den man nicht in Zahlen ausdrücken kann, sondern in der Zufriedenheit aller Projektbeteiligten«, ist Hagmann überzeugt.

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