Dienstag, Jänner 31, 2023

Wie kann man BIM Unternehmen ‚schmackhaft‘ machen? Woran scheitert es gerade? Und welche neuen Wege lassen sich mit der Software beschreiten? Genau um diese Fragen (und mehr) drehen sich die aktuellen, BIM-zentrierten Projekte. Eine Auswahl. 

BIM im KMU-Bereich

In seiner Master-Arbeit für den berufsbegleitenden Master of Science Building Information Modeling, der von der BAUAkademie BWZ OÖ in Kooperation mit der Universität für Weiterbildung durchgeführt wird, untersucht Daniel Fink von Ebner Bau ein mögliches Stadt-Land-Gefälle beim Einsatz von BIM.

Er untersuchte in seiner empirischen Forschungsarbeit, welchen Mehrwert die Anwendung von BIM in einem KMU-Betrieb bei der Planung von Einfamilienhäusern hat und befragte dazu auch Auftraggeber sowie beteiligte ausführende Unternehmen, um die Nutzung von und das Potenzial für BIM zu ermitteln. Eine der Kernaussagen ist, dass die BIM-Durchsetzung im ländlichen Raum noch zaghaft erfolgt: der Wissensstand und Fortschritt von Betrieben im Bezirk Vöcklabruck ist noch nicht sehr hoch.

In seiner Masterarbeit beschäftigte sich Daniel Fink mit dem Thema »Einflüsse von Building Information Modeling auf ein regional agierendes Bau- und Holzbau-Unternehmen am Beispiel eines Einfamilienhausprojektes«. (Bild: Daniel Ebner)

Eine Umfrage unter den eigenen Mitarbeiter*innen zeigte klar eine Stimmung für die Digitalisierung, wobei die größte Hürde in der Implementierung und Nutzung digitaler Hilfsmittel liegt. Auftraggeberseitig besteht eine starke Bereitschaft, mehr Zeit und Geld in Planung mit BIM zu investieren, weil damit der Projektablauf und die Gesamtkosten besser abgegrenzt werden können. Speziell auch die besseren Visualisierungen seien ein Mehrwert für Bauherren. Die Möglichkeiten des digitalen Austausches mit anderen Baufirmen und Planern wird als großer Vorteil – gerade im KMU- Bereich – gesehen, dazu fehle es aber noch an allgemeinem Wissen über die BIM-Methodik auf dieser Ebene. »Um das volle Potenzial von BIM ausschöpfen zu können, braucht es einen strukturierten Change-Prozess. Im Moment scheitert es im KMU-Bereich noch an einigen Stellen an fehlendem Wissen. Um BIM im Unternehmen voranzutreiben, müssen wir reibungslose digitale Workflows schaffen«, fasst  Fink seine Lessons Learned am Ende des zweijährigen Studiums zusammen.

Blaupause für nachhaltiges Bauen

Häuser bauen und dabei Klima und Ressourcen schonen – wie das zusammenpasst, zeigt das auf Bau und Immobilien spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE mit seinem neuen Firmengebäude am Hauptsitz in Stuttgart-Vaihingen.

Als »Demonstrationsobjekt für potenzielle Nachahmer« hat Drees & Sommer die neue Firmenzentrale in Stuttgart geplant. (Bild: Jürgen Pollak)

Als unternehmensinternes Projekt bot das 2021 finalisierte Bauvorhaben »Obere Waldplätze 12«, kurz OWP12 genannt, die einmalige Chance, vielversprechende Zukunftstechnologien im Bauwesen selbst auszutesten und wertvolle Erkenntnisse für Kundenprojekte zu generieren: Vom Plus-Energie-Konzept bis zum »Cradle-to-Cradle«-Prinzip für mehr Nachhaltigkeit. Bei der Umsetzung setzte Drees & Sommer auf BIM. Bevor der erste Bagger anrückte, konnte man so das fertige Gebäude im digitalen Zwilling bereits vom Keller bis ins Dach hinauf erkunden. Widersprüche bei Planung oder Bauausführung wurden bereits im digitalen Modell festgestellt und behoben, bevor sie auf der Baustelle zu Zeitverzögerungen führen konnten. Außerdem wird durch BIM dokumentiert, welche Module mit welchen Stoffen an welchen Stellen im Gebäude verbaut sind. Insgesamt ergibt  sich damit ein digitales Gedächtnis, das die Grundvoraussetzung für mehr Nachhaltigkeit schafft.

Elementkatalog ABK-BIM-AVA 

Der Standardelementkatalog von ABK unterstützt beim BIM-Einstieg. Der Elementkatalog ABK-BIM-AVA ist nach der ÖNORM B 1801-1 Baugliederung aufgebaut und enthält rund 2.000 Elemente. Darin befinden sich über 36.000 Positionen aus den Standardisierten Leistungsbeschreibungen Hochbau-022 und Haustechnik-013 sowie der Ergänzungs-LB von ABK mit Kurztexten, Positionsnummern und Einheiten.

Die Elemente sind vielseitig kombinierbar und unterstützen sowohl bei der Erstellung von Kostenschätzungen und -berechnungen als auch bei der Ausschreibung. (Bild: ABK)

Der Katalog ist für die Bereiche Hochbau und Haustechnik in unterschiedlichen Ausgaben erhältlich und wird bereits von ABK-Anwender*innenn erfolgreich in der Praxis eingesetzt. »Der Elementkatalog reduziert den Bearbeitungsaufwand von Kostenplanern und unterstützt Ausschreiber, Planer und Bauherren bei der Arbeit in den Bereichen BIM und AVA«, so Wolfgang Rosner, ABK-Vertriebsleiter und Entwickler des Elementkataloges.

Der Elementkatalog ABK-BIM-AVA ist gerade für den Bereich AVA nicht mit vordefinierten Gesamtaufbauten versehen, sondern bietet einen flexiblen Einsatz auf Set- bzw. Schichtebene.  In Kombination mit der ABK-BIM-Software sowie der ABK-Kostenplanung mit Elementen vervollständigt der Katalog den BIM-Einstieg und ermöglicht das Arbeiten mit digitalen Gebäudemodellen. Der Ausschreiber erhält die IFC-Datei und weist den BIM-Elementen die AVA-Elemente zu. Der flexible Aufbau der ABK-BIM-Software ermöglicht es, beispielsweise nach IFC-Entitäten, Raumzuordnungen oder BIM-Materialien koordiniert zu arbeiten. Die Positionsmengen werden durch die geometrischen Daten des Gebäudemodells ermittelt, fehlende Informationen bei Bedarf ergänzt. Die Übernahme von AVA-Elementen aus dem Elementkatalog bietet dabei eine hilfreiche Unterstützung. Es entwickelt sich parallel zum Gebäudemodell eine Projekt­elementliste, aus der ein Kostenplan oder ein Leistungsverzeichnis gemäß ÖNORM A 2063 generiert wird. Die grafische Darstellung des Gebäudemodells erfolgt während der gesamten Bearbeitung im BIM-Viewer. Ein großer Vorteil, denn die visuelle Betrachtung ist immer gegeben und die Mengenermittlung für den AVA-Prozess ist stets visuell überprüfbar.

BIM für Einsteiger: kostenloses Handbuch für die Praxis

Aus einer Kooperation von Berufsvertretung, Praxis und Wissenschaft ist ein Einsteigerhandbuch zum Thema Building Information Modeling für die planende Branche entstanden.

Das BIM-Handbuch für die Praxis wird der Fachöffentlichkeit kostenfrei als E-Book zur Verfügung gestellt: www.bimhandbuch.at

Das BIM-Handbuch für die Praxis wurde auf Initiative der Bundeskammer der Ziviltechniker*innen gemeinsam mit der TU Graz als wissenschaftlicher Partner entwickelt und mit der Wirtschaftskammer (Bundesinnung Bau und Fachverband Ingenieurbüros) herausgegeben. Die inhaltliche und redaktionelle Gestaltung erfolgte in engster Abstimmung mit Expert*innen aus der Praxis. Mitgewirkt haben unter anderem die Asfinag, die ÖBB Infrastruktur, die BIG, der Österreichische Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen sowie das Land Steiermark.

Das Handbuch liefert keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen für bestimmte Frage- und Problemstellungen, vielmehr soll ein genereller und praxistauglicher Überblick über die BIM-Methode gegeben werden. Ausgangspunkt sind Fragen wie: Was kann BIM? Was nützt mir BIM? Wo steht BIM derzeit? Closed oder open BIM? Welche Spannungsfelder gibt es und welche Software ist die geeignete?

Vor- und Nachteile werden unabhängig aufgezeigt und »Zukunftsmusik« vom aktuell Machbaren differenziert. Neben Praxisbeispielen und -tipps werden auch »Reality Checks« sowie Kommentare und Zitate von Expert*innen aus den Bereichen der Planung, Ausschreibung und Vergabe sowie von großen öffentlichen Auftraggeber*innen und Jurist*innen präsentiert. Im Vordergrund steht dabei die direkte Anwendbarkeit sowie das Aufzeigen möglichst früh generierbarer Resultate (Quick-Wins). Das Verständnis für die Thematik soll erhöht und in kurzer Lesezeit ein breiter Überblick über das Thema BIM vermittelt werden. Um das Gelernte direkt im eigenen Tätigkeitsbereich anwenden zu können, verzichtet das Praxishandbuch bewusst auf die Darstellung komplexer und detailorientierter Hintergrundinformationen und theoretischer Ansätze. Auf einer projektbegleitenden Website werden nützliche Tools, Templates, Musterverträge und Videos zur Verfügung gestellt.

BIM aus einer Hand

Beim Projekt Havellandautobahn in Brandenburg entsteht ein kompletter Bauabschnitt vollständig mit BIM aus einer Hand – einschließlich der Erhaltung. Bereits die Planung erfolgte in OPEN BIM.

BIM-Modell und Realität im Vergleich, umgesetzt mit Allplan. (Bild: ARGE A10A24)

Zwischen dem Autobahndreieck Pankow und der Anschlussstelle Neuruppin wird ein größerer Abschnitt Autobahn sechs­spurig ausgebaut sowie ein Teil der A 24 grunderneuert. Ein Bauabschnitt auf der A 24 bildet gleichsam das eigentliche BIM-Pilotprojekt. Das Besondere: Es ist das erste Projekt, bei dem die Leistungen Planung, Ausführung und Erhaltung mit BIM allesamt in einer Hand (der Projektgesellschaft Havellandautobahn GmbH & Co. KG) liegen. Das Technische Büro der Wayss & Freytag Ingenieurbau AG wurde in diesem OPEN-BIM-Projekt mit der Entwurfs- und Ausführungsplanung entsprechend den Leistungsphasen 3, 4 und 5 nach HOAI für zwei Ingenieurbauwerke beauftragt.

Planungsgrundlage bildete eine Punktwolke, auf deren Basis das Bestandsmodell des bestehenden Brückenbauwerkes sowie das Geländemodell erzeugt und in der weiteren Planung berücksichtigt und integriert wurden. Da die modellbasierte Bearbeitung dem standardmäßigen Workflow im technischen Büro entspricht, konnte mithilfe von Allplan sowohl das Entwurfs- als auch das Ausführungsmodell problemlos im erforderlichen Level of Information Need (LOIN) 200 respektive 400 durchgängig in 3D modelliert werden. Das Übergabemodell für die Betriebs- und Erhaltungsphase weist einen LOIN von 500 auf.

Die Planung des Mittellängsverbaus erfolgte mithilfe von SmartParts. Dank der parametrisierten Werkzeuge konnten die Spundwände, Anker, Gurtungen und der Stahlbau im Einklang mit den verschiedenen Bauabläufen optimal – und vor allem konfliktfrei – für die Bauphasen positioniert werden. Dank der SmartParts ließen sich dabei Anpassungen und Änderungen schnell umsetzen.

Nachträgliche Änderungen am Modell wurden zudem automatisch in die Planableitung übernommen. Sämtliche Bewehrungsführungen – egal ob normal oder komplex – ließen sich mit der 3D-Bewehrungsplanung in Allplan präzise, übersichtlich und konfliktfrei entwickeln. Dank des Modells war darüber hinaus bereits die Grundlage für die Schalungsplanung gegeben, die durch den Nachunternehmer Doka für das Schalungskonzept genutzt wurde. 
Das Projekt wurde herstellerunabhängig in OPEN BIM geplant. Über die IFC-Schnittstelle konnten die Allplan-Daten über die BIM-Koordinationssoftware DESITE MD pro ausgetauscht und mit dem Terminplan aus MS Project verknüpft werden.

Titelbild: iStock

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