Thursday, April 23, 2026

Mehrwert für Manager

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Künstliche Intelligenz verändert unser Leben in rasantem Tempo. Wie sieht die unternehmerische Praxis dazu aus? Welchen Nutzen bringt KI den Menschen im Arbeitsalltag wirklich? Das war die Enquete KI im April 2026 in Wien.

Fotos: Milena Krobath, Video: Gerhard Popp


Künstliche Intelligenz prägt bereits heute Arbeitswelten, Geschäftsmodelle und gesellschaftliche Prozesse – doch wie lässt sich ihr Potenzial konkret nutzen, und welche Hürden gilt es zu überwinden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer interaktiven Veranstaltung des Report Verlag am 14. April im Palais Eschenbach, die rund 150 Fachleute und Anwender*innen aus Wirtschaft und Verwaltung versammelte. In parallelen Workshops wurden konkrete Anwendungsfälle erarbeitet, Strategien diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Wie gelingt es, KI als integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie zu verankern? Ein Ansatz ist auf jeden Fall, KI-Projekte nicht als reine Technologiemaßnahmen zu sehen, sondern organisatorische und prozessuale Veränderungen zu planen und umzusetzen.

Auf großes Interesse stießen parallele Workshop-Runden mit Thomas Schweiger und Thorben Schmidt (Nagarro) zu KI im Businessalltag, mit der Diskussion rechtlicher Fragen in der Praxis von Projektumsetzungen mit Oliver Burton (NAVAX) und Lukas Riedler (ATB.LAW) und das Thema Prompt-Engineering mit Zsolt Baranyai und Svenja Schröder (msg Plaut). Einen inhaltsdichten Überblick über Erfolgsfaktoren und Use-Cases für Industrie und Gewerbe gab im Hauptteil der Veranstaltung Markus Manz (SCCH). Auf eine Lösung für effizientes Dokumentenmanagement auf KI-Basis ist Alexander Kunst (Österreichische Post) eingegangen.

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Eine abschließende Gesprächsrunde mit Svenja Schröder, Günter Stessl (BRZ), Christian Inzko (Land Kärnten), Ross King (AIT), René Heinzl (BitXFox) und Klemens Himpele (Stadt Wien) zeigte: Nachhaltig wertschöpfende KI-Anwendungen entstehen dort, wo klare Ziele definiert sind, die Datenqualität stimmt und die Menschen von Anfang an mitgenommen werden. Denn KI wirkt als Werkzeug nur dann, wenn Unternehmen bereit sind, sich auch organisatorisch zu verändern.

E-Paper mit Empfehlungen und Tipps: https://online.fliphtml5.com/jlgle/enquete_KI_2026_epaper/

Fotos (Milena Krobath)https://www.flickr.com/photos/award2008/albums/72177720333138831/

Video (Gerhard Popp): https://www.report.at/officetalk/video-das-war-die-enquete-ki

 

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Markus Manz, CEO Software Competence Center Hagenberg (SCCH)

»Das Software Competence Center Hagenberg arbeitet mit 130 Forschenden – diese kommen aus über 20 Nationen - gegenwärtig mit rund 30 Großunternehmen an Prognosemodellen, Projekten für Datenqualität und in der Softwareforschung zusammen. Wir forschen seit mehr als 20 Jahren am Einsatz von Machine Learning im Bereich Predictive Maintenance (Vorausschauende Instandhaltung). Damit sind schon sehr gute Optimierungen von Anlagen und Produktionsprozessen möglich. Während klassische datenbasierte Instandhaltung bereits etabliert ist, fehlt generativer KI auf der Produktionsebene noch der Durchbruch – hier sind absolut sichere und reproduzierbare Ergebnisse für die Betriebe unverzichtbar.

Ich rate Unternehmen, sich zunächst kleineren Projekten zu widmen, um mit überschaubarem Aufwand schnelle Erfolge zu erzielen und Vertrauen aufzubauen. Das kann vielleicht zuerst nur eine Maschine sein, von der aus dann später eine Lösung für den gesamten Betrieb gebaut wird. Die besten Ergebnisse, die dann auch in der Industrie skaliert werden können, sind in der Regel ein Mix an unterschiedlichen Methoden und Technologien. Das können auch klassische Verfahren sein, die ohne KI laufen, die beispielsweise in der produktionsnahen Fehlererkennung gezielt durch KI-gestützte Bildanalysen ergänzt werden. In Zukunft werden auch Agentensysteme eine große Rolle spielen, die nach und nach selbstständig Entscheidungen treffen werden.

Beispiele für datenbasierte Optimierungen sind die digitale Vorfeldversorgung der Lufthansa Group Taste & More am Flughafen in Frankfurt: Gemeinsam mit ventopay entwickelten wir eine Lösung, die Crew-Bestellungen, Routenplanung und Benachrichtigungen vollautomatisch und in Echtzeit steuert was die Effizienz am Boden massiv steigert. Oder ein Wissensmanagement für die Feuerwehr auf Basis von Knowledge-Graphen für das Landesfeuerwehrkommando Oberösterreich. Mit den Bundesforsten haben wir eine automatisierte Rotwild-Zählung über Wildtierkameras umgesetzt. Aktuell forschen wir an KI-Modellen, die Pheromone auf Molekülebene vergleichen, um effektivere Lockstoffe für Borkenkäferfallen zu entwickeln. Aber die Bandbreite an Lösungen ist groß. Nicht immer muss KI das richtige Werkzeug für eine Problemstellung sein

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Alexander Kunst, VP Products, Strategy & Communications Business Solutions Österreichische Post AG

»Unserer aktuellen Digitalisierungsstudie zufolge verfolgt nur die Hälfte der Unternehmen in Österreich eine KI-Strategie. Auch große Unternehmen tun sich mitunter schwer, Mehrwert aus KI zu ziehen. Die Österreichische Post steht mit einem eigenen KI-Kompetenzcenter Unternehmenskund*innen zur Seite. Wir bieten im Bereich skalierender oder hochvolumiger Dokumentenprozesse Automatisierungslösungen und integrieren diese in die Workflow-Prozesse. Der Bedarf ist da: Unternehmen bekommen bis zu mehrere tausend Rechnungen, Verträge und andere Schriftstücke täglich. KI kann diesen Aufwand sehr gut reduzieren und dazu beitragen, dass Entscheidungen in Unternehmen schneller getroffen werden können.

Mit der Plattform DAiTA bieten wir „Intelligent Document Processing“ vom Posteingang über die Datenextraktion und das Auslesen von Informationen bis hin zur Übertragung in die nachgelagerten Systeme wie SAP oder andere Buchhaltungssysteme. Damit helfen wir auch, Fehlerquellen zu reduzieren – wir eliminieren das Geschäftsrisiko durch eine bessere Datenqualität im Dokumentenlauf. Ebenfalls inkludiert ist die Dokumentation von Dokumentendaten, beispielsweise für einen ESG-Report. Ebenso Fraud-Detection: Die Software erkennt beispielsweise manipulierte Spesenrechnungen oder gefälschte Gehaltszettel, die Banken bei Kreditanträgen vorgelegt werden. Mit 91 Millionen digital verarbeiteten Dokumenten im Jahr 2025 in Österreich setzen wir eine große Menge automatisierter Workflows um. Von dieser Erfahrung und Geschwindigkeit profitieren unsere Kunden.«


Podiumsrunde mit Expert*innen und Praktiker*innen zur praktischen Umsetzung und dem Einsatz von KI und Nutzen daraus


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Svenja Schröder, Head of Requirements Engineering & AI, msg Plaut Austria

»Ich beobachte, dass die Unternehmen in Österreich aktuell sehr unterschiedlich weit fortgeschritten sind, wenn es um das Thema KI geht. Es gibt dort echte Vorreiter, die sich bereits seit zwei oder drei Jahren intensiv damit beschäftigen, während andere sich die Entwicklung erst einmal in Ruhe ansehen. Doch eines ist klar: Dieses Jahr merken wir in den Diskussionen ganz deutlich, dass es für jeden, der noch nicht angefangen hat, nun allerhöchste Eisenbahn ist. Man muss sich jetzt wirklich damit auseinandersetzen, wobei der Wissensstand natürlich stark von der Branche, dem Use Case und auch der Unternehmensgröße abhängt. Nicht jedes Unternehmen kann sich eine eigene KI-Abteilung leisten, weshalb man kritisch prüfen muss: Wo stiftet KI intern wirklich Nutzen und wo lässt man es lieber bleiben?

Ein entscheidender Punkt ist dabei die Datenlage: Man muss genau wissen, wo welche Daten liegen, ob sie gut strukturiert sind und wer die Verantwortung trägt. Man kann keinen Prozess digitalisieren oder mit KI optimieren, den man eigentlich gar nicht im Detail kennt. Unternehmen, die schon lange datengetrieben arbeiten, wie etwa Banken, sind hier oft einen Schritt weiter, müssen sich aber auch intensiver um die Regulierung kümmern. Ganz zentral ist für mich zudem das Change-Management. Man darf bei der digitalen Transformation durch KI die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht vergessen. Es gilt, Ängste adäquat zu adressieren, niemanden zurückzulassen und einen nutzerzentrierten Ansatz zu verfolgen. Man muss mutig sein, denn am meisten sparen kann man bei den Kerngeschäftsprozessen, etwa in den Finanzen oder beim Rechnungslauf. Beim Coden stößt KI hingegen noch an Grenzen; ein rein KI-generierter Code ist oft nicht gut genug, um diesen für Unternehmenskunden auszurollen. Wenn wir Projekte umsetzen, ist Risikomanagement enorm wichtig. Ich empfehle, sich damit zu beschäftigen.«

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Günter Stessl, Leiter der Abteilung AI BRZ

»Bei den guten Anwendungsbeispielen sehe ich zwei wesentliche Kategorien. Die eine ist der Einsatz von generativer KI, der immer mehr in den Vordergrund rückt und einen sehr arbeitsplatzbezogenen Mehrwert bietet. Im Bundesrechenzentrum verbinden wir das bereits mit einer Kompetenzbildungsinitiative, um Aufgaben im täglichen Arbeitsablauf besser zu unterstützen. Die andere Seite betrifft sehr spezifische Aufgabenstellungen. Man darf hier nicht immer nur an die Technik denken, sondern primär an das Problem, das man lösen möchte. Wir arbeiten in Workshops eng mit den Fachbereichswissenden zusammen, um Use-Cases zu identifizieren, die oft sogar dazu führen, dass man Prozesse oder die ganze Organisation verändern muss. Die Technik ist nur der Enabler für ein Businessproblem. Manchmal finden wir in den Workshops sogar viel einfachere Lösungen als mit dem Einsatz von KI.

In der österreichischen Verwaltung mit vielen dokumentengetriebenen Organisationen gibt es reichlich Potenzial für KI. Ein Beispiel sind die Bodenschätzbücher im Grundbuchsinformationssystem, die bis 2027 digitalisiert werden müssen. Statt massiv Personal einzusetzen, wird KI genutzt, was wirtschaftlich um mehrere Faktoren die bessere Lösung ist. Auch in der Betrugsbekämpfung hilft KI enorm, etwa bei der Übersetzung beschlagnahmter Dokumente aus fremden Sprachen. Auf diese Weise kann viel schneller geprüft werden, ob ein Dokument überhaupt relevant ist, bevor es zu einem Übersetzungsbüro geht. Das erhöht die Geschwindigkeit massiv und senkt gleichzeitig die Kosten in der Verwaltung.«


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Christian Inzko, CIO und CDO Land Kärnten

»Die demografische Entwicklung zwingt uns zum Handeln: In den nächsten fünf bis sechs Jahren werden bei uns im Land Kärnten knapp 35 bis 40 Prozent der Belegschaft, also die gesamte Babyboomer-Generation, in Pension gehen. Das sind bei 3.800 Mitarbeiter*innen gewaltige Zahlen. Wir werden dieses Personal schlichtweg nicht mehr bekommen und sind daher gezwungen, Prozesse völlig neu zu denken. Bevor wir überhaupt über KI reden, müssen wir die Prozesse selbst vereinfachen. Viele sind in den Landesverwaltungen nur deshalb so komplex, weil die rechtlichen Rahmenbedingungen es so vorgeben. Oft sind uns die Hände gebunden, Prozesse vollautomatisiert abzuwickeln, weil Förderrichtlinien eine menschliche Interaktion vorschreiben. Deshalb verabschieden wir in Kärnten gerade ein Digitalisierungsgesetz, um genau diese Hürden abzubauen. Technologisch haben wir bereits 2023 mit einer Testgruppe angefangen und ein lokales Sprachmodell eingeführt. Der Grund für ein lokales Modell in unserem eigenen Rechenzentrum war ganz klar der Datenschutz: Wir wollten nicht, dass unsere Daten irgendwo bei ChatGPT oder Google landen. Auch wenn lokale Modelle vielleicht nicht so leistungsfähig sind wie die großen bekannten Tools, reichen sie für viele Verwaltungsprozesse völlig aus. Den größten Impact sehen wir derzeit bei den Förderprozessen, wie etwa der Solarförderung. Wenn dort zigtausende Anträge reinkommen und uns die KI auch nur in einzelnen Prozessschritten unterstützt, beschleunigt das das gesamte Verfahren nachhaltig. Am Ende profitiert der Bürger, weil er sein Geld deutlich früher bekommt. Die Politik in Kärnten hat erkannt, dass die Digitalisierung aufgrund des demografischen Wandels ein überlebenswichtiger Faktor für uns ist.«


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René Heinzl, KI-Verantwortlicher von BitXFox

»KI eröffnet uns völlig neue Potenziale und Anwendungsfelder, die bisher einfach zu teuer oder technisch zu schwierig waren. Wenn eine KI heute leistbar und einsatzbereit ist, können wir Fragestellungen angehen, an die früher niemand gedacht hat. Ein bemerkenswertes Beispiel aus der Praxis ist unsere Zusammenarbeit mit der Firma Brandner im Bereich der Abfallerkennung. Normalerweise fährt niemand den ganzen Tag auf einem Müllauto mit, um in den Bioabfall zu schauen. Wir haben dort ein einfaches Smartphone integriert, und die KI analysiert nun den Videostream. Es ist unglaublich, was da alles gefunden wird – von großen Batterien bis hin zu Betonteilen. Früher wusste man am Ende nur über das Gewicht Bescheid, hatte aber keine Informationen über den Inhalt. Das zeigt, wie KI komplett neue Datenwelten erschließt. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch die massiven Herausforderungen im Bereich Cybersecurity. Es gibt mittlerweile Modelle wie ›Claude Mythos‹, die völlig autonom bis zu 30 Schritte unternehmen können, um in ein Firmensystem einzubrechen. Angreifer schaffen es heute mit KI-Unterstützung, innerhalb von nur sieben Minuten ein System zu übernehmen. In so einem kurzen Zeitraum hat ein Mensch im Security Operation Center de facto keine Chance mehr, rechtzeitig zu reagieren. Wenn eine KI angreift, brauchen wir auf der Gegenseite zwingend ebenfalls eine künstliche Intelligenz, die den Angreifer sofort identifiziert. Wir haben hier in Österreich bereits eigene, sehr gute KI-Lösungen für diesen Bereich entwickelt. Wir müssen uns technologisch absolut nicht verstecken, aber wir müssen die vorhandenen Kompetenzen aus Forschung und Wirtschaft noch viel besser zusammenbringen und miteinander verknüpfen, um diese Potenziale voll auszuschöpfen.«


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Ross King, Head of Competence Unit Data Science & AI, AIT

»Für den Erfolg von KI-Projekten ist die Verfügbarkeit und Qualität von Daten die wichtigste Voraussetzung. Wir haben schon erlebt, dass Pilotprojekte zum Thema Predictive Maintenance gescheitert sind, schlicht weil die Firmen keine historischen Daten hatten. Zweitens braucht es eine Offenheit für die richtige Lösung. Wenn man nur den großen Hammer der Sprachmodelle im Kopf hat, sieht jedes Problem plötzlich wie ein Nagel aus. Aber nicht alles lässt sich sinnvoll mit LLMs lösen. Manche unserer erfolgreichsten Projekte basieren auf ganz normalem Machine-Learning oder sogar regelbasierten Systemen, die auch heute noch hervorragende Lösungen liefern. Man darf KI also nicht zu eng denken. Ein sehr gutes Beispiel ist unser ›Fake Shop Detector‹. Dieser ist deshalb so erfolgreich, weil wir eine exzellente Datenbasis von der Watchlist Internet hatten. Auf dieser Grundlage konnten wir ein Modell entwickeln, das mit über 90-prozentiger Trefferquote beurteilen kann, ob ein Onlineshop echt ist oder nur Kreditkartendaten stehlen will. KI ist für uns im Grunde ein Skalierungsproblem: Durch die Digitalisierung gibt es so viele Inhalte und leider auch so viele betrügerische Webseiten, dass kein Mensch das mehr allein bewältigen kann. Deshalb bezeichne ich AI oft nicht als ›Artificial Intelligence‹, sondern als ›Assistive Intelligence‹. Wir wollen den Menschen unterstützen, damit er die Flut an digitalen Inhalten überhaupt noch beherrschen kann. Es geht darum, durch Technologie die menschlichen Fähigkeiten sinnvoll zu erweitern.«


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Klemens Himpele, CIO Stadt Wien

»Bei der Einführung von KI geht es im Kern um Transformationsprozesse und weniger um die Frage, welches spezifische Tool man gerade einsetzt. Wir müssen weg von der Idee, Technik nur als Pflaster zu benutzen, um veraltete Prozesse zu überkleben. Digitalisierung heißt: Organisationsentwicklung und Transformation. In der Verwaltung haben wir noch immer sehr viele Standardprozesse, die eigentlich für alle Beteiligten mühsam sind – genau diese können und wollen wir automatisieren. Unsere ›Wien KI‹ ist dabei so gebaut, dass flexibel auf verschiedene Modelle wie ChatGPT oder Mistral zugegriffen werden kann, je nachdem, was gerade benötigt wird. Hier haben wir eine flexible Architektur gewählt. Die städtische KI-Plattform Werhielt 2025 den „EU Public Sector Tech Watch Best Cases Award“ und den „Red Hat Innovation Award 2025“, zudem wurde sie 2026 mit dem ersten Preis in der Kategorie „Projekte“ mit dem „Digitale Humanism Award“ ausgezeichnet.

KI ist längst kein rein technisches Thema mehr, sondern es geht viel um Regulatorik und gesellschaftliche Akzeptanz. Viele Anwendungen im Bürgerservice kommen ohne personenbezogene Daten aus, was uns bei der Tool-Wahl flexibler macht. Letztlich ist die Frage, wie wir Bürgerservices mit KI erleichtern können, eher eine gesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen Strukturen, die standardisierte Services auch ohne ständiges menschliches Zutun ermöglichen, aber den Menschen und seine Bedürfnisse weiter im Fokus haben. Nur so können wir die Servicequalität erhöhen, echten Mehrwert stiften und verhindern, dass wir als Verwaltung gegenüber der technologischen Entwicklung an Geschwindigkeit verlieren.«


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Workshop: KI im Businessalltag

Der Workshop hat gezeigt, wie Unternehmen KI konkret und gewinnbringend in ihre täglichen Arbeitsprozesse integrieren können. Im Mittelpunkt standen praktische Anwendungsfälle, welche Tools und Plattformen sich im Arbeitsalltag bewährt haben, wie Teams produktiver mit generativen KI-Systemen arbeiten und welche neuen Kompetenzen dafür erforderlich sind.

Leitung: Thomas Schweiger, Executive Advisor für Enterprise-KI und Technologiestrategie Nagarro, Thorben Schmidt, Global Practice Lead Transformation Consulting Nagarro

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Thomas Schweiger, Executive Advisor für Enterprise-KI und Technologiestrategie Nagarro

»Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt, wie man gute Use-Cases richtig identifiziert und dabei das Pferd nicht von der technologischen Seite aufzäumt. Welche Prozesse möchte ich in meinem Unternehmen verbessern und wo gibt es Reibung? Das Ziel kann ein wirtschaftlicher Faktor sein, um effizienter zu werden, die Time-to-Market zu verkürzen oder die Fehlerquoten zu reduzieren – erst aus diesen Anforderungen leitet man eine technologische Lösung ab. Dabei müssen wir weg von der Sichtweise, dass KI-Projekte reine IT-Projekte sind; es handelt sich um Business-Projekte, bei denen die Wertschöpfung im Fokus stehen muss. Eine der größten Herausforderungen ist es derzeit, von isolierten Leuchtturmprojekten, die oft nicht mit den restlichen Daten im Unternehmen verbunden sind, hin zu einer holistischen Verbesserung der Gesamtprozesse von Anfang bis Ende zu gelangen. Generative KI ist dabei optimal für die Verarbeitung von Texten oder Bildern, während Projekte wie Predictive Maintenance stark von der Datenqualität abhängen. Oft liegen die besten Ergebnisse dort, wo man durch KI Medienbrüche überwindet, an denen Menschen heute noch viel Zeit verlieren. Gleichzeitig zeigt sich, dass erfolgreiche KI-Initiativen stark vom Change-Management abhängen, insbesondere davon, Mitarbeitende und Führungskräfte frühzeitig einzubinden und Akzeptanz für neue Arbeitsweisen zu schaffen. Man merkt deutlich, dass das Niveau der Teilnehmer*innen von Jahr zu Jahr höher wird und sie sich bereits sehr intensiv mit der Materie auseinandersetzen.«


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Workshop: Rechtliche Fragestellungen zu KI

Der Workshop beleuchtete rechtliche Fragestellungen für Unternehmen, die KI-Projekte planen, einführen oder bereits im Einsatz haben. Im Mittelpunkt standen die Anforderungen aus dem EU AI Act sowie Fragen zu Datenschutz, Haftung, Urheberrecht und zum verantwortungsvollen Umgang mit Daten und Algorithmen. Anhand von Praxisbeispielen wurde gezeigt, welche organisatorischen und vertraglichen Maßnahmen helfen, Risiken zu minimieren.

Leitung: Oliver Burton, Team Lead Artificial Intelligence NAVAX Consulting, Lukas Riedler, ATB.LAW Rechtsanwälte

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Lukas Riedler, ATB.LAW Rechtsanwälte

»Es ist für Unternehmer von entscheidender Bedeutung zu wissen, welche KI-Systeme im Haus konkret eingesetzt werden, was momentan leider noch nicht in jedem Unternehmen der Fall ist. Der zentrale Dreh- und Angelpunkt beim EU AI Act ist das Verständnis darüber, ob man ein Hochrisiko-KI-System betreibt oder nicht. Als Orientierungshilfe für diese wichtige Frage bietet die Europäische Kommission den sogenannten Compliance Checker an, der wie ein Erste-Hilfe-Kit fungiert. Ein weiteres rechtliches Problem ist die starke Abhängigkeit Europas von Plattformanbietern außerhalb der Region, weshalb Unternehmen beim Transfer personenbezogener Daten sehr vorsichtig sein müssen. Hier gibt es jedoch bereits europäische Alternativen wie das Modell Mistral, die solche Problemstellungen lösen können. Man muss nicht immer zwingend auf das größte Modell oder den Marktführer setzen, sondern sollte abwägen, welche Applikationen mit welcher Sicherheitsstufe und welchem Kostenmodell wo Daten verarbeiten.«

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Oliver Burton, Team Lead Artificial Intelligence NAVAX Consulting

»Obwohl die meisten Menschen KI-Tools privat bereits ganz selbstverständlich nutzen, sind viele Unternehmen allgemein betrachtet noch weit von einer echten Strategie entfernt. Strategisch sollte man unbedingt darauf achten, die KI-Kompetenz gezielt bestimmten Personen in den jeweiligen Fachbereichen zuzuordnen, damit sich dort wirklich jemand kontinuierlich mit der Entwicklung beschäftigt. In Branchen wie dem Bankenwesen ist die enorme Geschwindigkeit, mit der neue Modelle auf den Markt kommen, derzeit das größte Thema – unabhängig davon, ob diese dann tatsächlich immer besser sind. Ein sehr breites Einsatzgebiet für generative KI ist bereits die Programmierung, auch wenn der Softwarecode noch nicht zu hundert Prozent perfekt ist und Urheberrechtsfragen bestehen bleiben. Ich erwarte fest, dass wir KI künftig an allen unseren Arbeitsplätzen als verlängerten Arm oder Gehirn einsetzen werden. Auf den Laptops werden KI-Modelle ganz natürlich als Sparringpartner für den Menschen mitarbeiten.«


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Workshop Prompt Engineering

In dem Workshop wurde erarbeitet, wie sich generative KI-Systeme durch präzise formulierte Eingaben gezielt steuern und für konkrete Businessaufgaben nutzen lassen. Es gab Anleitungen, wie Prompts aufgebaut sein müssen, damit KI-Anwendungen verlässliche, strukturierte und für den Arbeitsalltag brauchbare Ergebnisse liefern.

Leitung: Zsolt Baranyai, Senior Requirements Engineer AI, Svenja Schröder, Head of Requirements Engineering & AI msg Plaut

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Zsolt Baranyai, Senior Requirements Engineer AI, msg Plaut Austria

»Gutes Prompting ergibt sich letztlich erst aus der Praxis – man kann viel darüber lesen, aber man muss es einfach tun, weshalb wir im Workshop auch live gepromptet haben. Ich rate Unternehmen bei KI-Projekten immer dazu, konsequent vom Prozess aus zu denken: Wo liegt dort der konkrete Mehrwert eines KI-Einsatzes? Oft ist gar nicht die Technologie das eigentliche Problem oder die Lösung, sondern die Themenstellung ist fachlicher Natur oder liegt tief in den Prozessen begründet. Diese Art von Fragestellungen ist nicht neu; wir hatten sie bereits vor vielen Jahren in der Industrieautomatisierung, sie sind im Grunde allgegenwärtig. Technik allein ist niemals die Lösung. Unser Ziel ist es, sowohl Technologie- als auch Prozesswissen zu vermitteln, um gemeinsam mit den Kunden die richtigen Werkzeuge für die Analyse, die Umsetzung und die Kosteneffizienz zu finden. Die Erwartungen in den Unternehmen hängen maßgeblich davon ab, ob man die richtigen Fragen an den Prozess stellt.«

 

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Die Veranstaltung wurde partnerschaftlich mit msg Plaut Austria, BRZ, AIT, Nagarro, Österreichische Post, Software Competence Center Hagenberg, NAVAX und ATB.LAW, und BitXFox umgesetzt.

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