Dienstag, Mai 21, 2024

Harald Kuchelbacher, Geschäftsbereichsleiter bei Brunel Austria, im Report-Interview zum Arbeitsmarkt in IT- und Technologiebranchen, und wie Ingenieurdienstleister dort punkten wollen.

Report: Gibt es einen Facharbeitermangel in Österreich? Welche Gründe sehen Sie dafür?
Harald Kuchelbacher: Stark gefragt und gesucht sind in Österreich Techniker mit höherer Ausbildung aus den Bereichen Soft- und Hardwareentwicklung sowie Maschinenbau und Elektrotechnik. Es gibt einige Gründe dafür, dass der Bedarf in diesen Bereichen nicht ausreichend gedeckt ist: Viele Projekte konnten bisher durch die Flexibilität von Mitarbeitern ausgeglichen werden. Sie waren bereit, ihren Lebensmittelpunkt mittel- und langfristig zu verlagern. Im Moment sind die Projektanfragen jedoch sehr langfristig skizziert, auch mit der Option, dass der Mitarbeiter vom Unternehmen übernommen wird. Wir haben beobachtet, dass die Flexibilität von Mitarbeitern für Projekteinsätze über sechs Monate leicht rückläufig ist und daher nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Es hat sich gezeigt, dass Mitarbeiter Projekte wieder absagen, wenn sie in ihrem ursprünglichen Wohnort ein Projekt gefunden haben. Ein weiterer Aspekt ist die sogenannte ungenutzte Ressource der weiblichen Arbeitskräfte. Viele weibliche Fachkräfte können Tätigkeiten nicht annehmen, wenn die Arbeitszeitmodelle die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht zulassen.

Report: Wie sieht die Entwicklung des Arbeitsmarktes dazu über die letzten Jahre aus?
Kuchelbacher: Die allgemein steigende Arbeitslosigkeit betrifft zum Großteil Personen mit geringer Qualifikation. Die Gesamtsituation sollte sich demnächst wieder bessern. Für das neue Jahr sehen viele Unternehmen einen deutlichen Aufschwung. Sie signalisieren uns diese Erwartungen bei unseren Kundenbesuchen, unter anderem auch durch Anfragen die wir im Moment für das kommende Jahr erhalten.

Report: Wie positioniert sich Brunel am Markt?
Kuchelbacher: Brunel steht für Flexibilität – wir gehen auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter verstärkt ein. Bei vielen Projektanfragen kann der Mitarbeiter seinen Projekteinsatz mitbestimmen. Auch unsere Arbeitszeitmodelle sind beweglich. Mit einer überdurchschnittlichen Entlohnung und einem stabilen Arbeitsumfeld in einem internationalen Konzern haben Mitarbeiter viele Vorteile. Auch die Möglichkeiten bei Brunel, sich stetig weiterzubilden und über alle Grenzen hinweg auch international tätig zu sein, sind für Österreichs Spitzenkräfte attraktiv. Allein im deutschsprachigen Raum vermitteln 40 Standorte hochkarätige Arbeitsplätze.

Report: Warum sollten sich Arbeitssuchende an einen Ingenieurdienstleister wenden - und nicht gleich an Unternehmen direkt?
Kuchelbacher: Bei Brunel haben Mitarbeiter die Möglichkeit, viele verschiedene Fachbereiche kennenzulernen und abwechslungsreiche Aufgaben zu übernehmen. Man muss sich nicht sofort für einen bestimmten Fachbereich bzw. eine bestimmte Tätigkeit entscheiden, sondern kann seinen Beruf und das künftige Arbeitsumfeld kennenlernen. Brunel unterstützt den Mitarbeiter bei seiner persönlichen Entwicklung und bei der Herausforderung, den richtigen Job zu finden. Sie erhalten Einblicke in Top-Unternehmen unterschiedlicher Branchen bei einem gleichzeitig kontinuierlichen Lebenslauf. So eignen sie sich ein breit gefächertes, branchenübergreifendes Know-how zur Schärfung des fachlichen und persönlichen Profils an.

Report: Erwarten Sie ein weiteres Wachstum des Ingenieurdienstleistungsmarktes? Werden künftig häufiger Fachkräfte von Dritten hinzugezogen?
Kuchelbacher: Große Unternehmen arbeiten gerne mit Dienstleistern zusammen. Sie nutzen das Potenzial eines Ingenieurdienstleistungsunternehmens nicht nur bei der Rekrutierung und Auswahl der geeigneten Mitarbeiter, sondern auch bei der Umsetzung kompletter Projekte. Brunel bietet dabei Projektunterstützung im technischen Bereich an. Die Mitarbeiter bringen ihre Kompetenz über mehrere Monate oder Jahre ein. Das Leistungsspektrum entlang der gesamten Prozesskette reicht von der Entwicklung über die Konstruktion bis hin zum Management Support und Beratung. Hier gibt es noch genügend Wachstumspotential am Markt. Interessant sind hier auch Klein-, und Mittelständische Unternehmen, die noch wenig Erfahrung mit Dienstleistern haben. Hier sehe ich für die Zukunft eine klare Tendenz für mehr Zusammenarbeit.

Report: Was sind die Vorteile für Unternehmen dazu?
Kuchelbacher: Unternehmen können durch die Zusammenarbeit mit einem Ingenieurdienstleister flexibel auf Projektspitzen reagieren oder erhalten langfristig angelegte Unterstützung bei technischen Neu- und Weiterentwicklungen. Ein Unternehmen erhält dabei eine individuell an die Bedarfssituation angepasste Personalberatung und wird während der gesamten Prozesskette von Fachleuten aus jeder Branche begleitet. Ein flexibles Personalmanagement ist nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch komplexere und umfangreichere Aufgabenstellungen können effizienter realisiert werden – und zusätzliches Fachwissen ist dann auch kurzfristig verfügbar. Weiters ist der Aufwand beim Rekrutieren geringer, weil durch den Ingenieurdienstleister eine Vorselektion stattfindet. Außerdem spart sich das Unternehmen die Kosten für eine Stellenausschreibung - sie erfolgt nämlich über uns. Brunel hat die Mitarbeiter übrigens fest und unbefristet angestellt. Das hat auch für ein Unternehmen Vorteile: Ein dem Kunden bereits bekannter Mitarbeiter kann bei späterem Bedarf erneut eingesetzt werden. Dies spart dem Kunden Zeit bei der Rekrutierung und bei der Einschulung des Mitarbeiters, da er ja das Unternehmen bereits kennt. Weitere Gründe für ein Unternehmen, mit einem Ingenieurdienstleister zu arbeiten, sind der schnelle Zugriff auf ein großes Netz von Experten und die Projektrealisierung nach zertifizierten Prozessen, Standards und Normen.

Report: Welche Trends sehen Sie dabei in der IT-Branche?
Kuchelbacher: Unternehmen in der IT-Branche gehen dazu über, Projektteams beim Dienstleister auszuwählen, einen sogenannten Pool. Diesen können sie dann bei Bedarf wiederkehrend einsetzen, zum Beispiel für größere Programmierungsprojekte. Die meiste Unterstützung erfolgt üblicherweise im Rahmen der Software-Entwicklung. Hier wird häufig Know-how dazu geholt, welches intern nicht vorhanden ist. In vielen Programmiersprachen beispielsweise gibt es immer wieder neue Frameworks, für deren Umstellung auf neue Technologien dann bevorzugt externe Hilfe mit Berufserfahrung in Anspruch genommen wird. Außerdem steigt aufgrund des ungebremsten Datenwachstums und den Anforderungen an neue Speicherkonzepte der Bedarf an externer Unterstützung für IT-Security und IT-Infrastructure.

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