Sonntag, Juni 16, 2024
Anleitung für eine KI-basierte Welt
Bilder: Report Verlag/Milena Krobath

Die große Enquete zum Thema KI des Report Verlag Ende April hat Wirtschaft, Politik und Forschung auf eine Bühne gebracht. Im gut besuchten Bundesrechenzentrum in Wien wurden angeregt und kontroversiell die Chancen durch und Aufgaben von KI-gestützten Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert.


Hier geht es zu Video-Statements und Fotos. Partner der Vernanstaltung waren Avanade, BRZ, Eviden, msg Plaut und Nagarro.


1. Gesprächsrunde: Künstliche Intelligenz wird unser Leben einfacher, schneller und bequemer machen. Doch der Einsatz von KI bedeutet enorme Herausforderungen für die Gesellschaft. Wo stehen wir heute bei rechtlichen Fragen dazu und wie dringend ist eine Regulierung von KI in Hinblick auch auf ihre rasche technologische Weiterentwicklung?

Claudia Plakolm, Staatssekretärin für Digitalisierung, Jugend und Zivildienst

»Wir wollen die richtige Balance zwischen der Regulierung von KI und dem Weg zu einem weiter wettbewerbsfähigen Standort finden. Es gilt, Innovationen im eigenen Land zu fördern und auch Unternehmerinnen und Unternehmer zu ermutigen, diese Chancen zu nutzen. Gleichzeitig dürfen die Sicherheit und Rechte der Bürgerinnen und Bürger nicht gefährdet werden.

Mit den kostenlos zugänglichen KI-Services wie ChatGPT kann heute jeder zum Anwender werden. Vorausblickend auf die kommende Umsetzung des AI Act – der vier verschiedene Kategorien künstlicher Intelligenz nach ihren Risiken bewertet (Anm.: siehe Infokasten unten) – haben wir in Österreich bereits die Gründung einer KI-Servicestelle auf den Weg gebracht. Das heißt: Wir wollen Unternehmer bereits jetzt mit einer gewissen Planbarkeit unterstützen und beraten.

Künstliche Intelligenz hat auch vieles im Bildungssystem verändert, erfordert aber vor allem auch das Mitnehmen aller Generationen. Wir werden hier die richtigen Fachleute brauchen, um Innovationen im eigenen Land generieren zu können. Aus diesem Grund haben wir auch die Digitale Kompetenzoffensive gestartet, in der auch Grundlagenkurse zu KI angeboten werden. Mit Fakten und sachlicher Information wollen wir den Menschen die Sorgen nehmen und diese unkompliziert und kostenlos informieren. Wir wollen auch in der öffentlichen Wahrnehmung stark die Chancen adressieren und nicht ausschließlich das Risiko. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, in der sich Technologie immerwährend ändert, ist der Austausch der Politik mit der Wirtschaft und Forschung wichtig.«


Georg Krause, CEO msg Plaut

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»Beim Thema KI stehen wir alle vor großen Veränderungen. Ich vergleiche das oft mit der industriellen Revolution, die viele Vorteile etwa einer Massenproduktion, aber auch Nachteile wie prekäre Arbeitsverhältnisse gebracht hat. Europa hat es schlussendlich geschafft, diese Vorteile zu nutzen und gleichzeitig einen Rahmen geschaffen, um negative Auswüchse zu verhindern. Ich denke, die europäische und die österreichische Politik kann hier einen guten Weg mit Augenmaß auch beim Thema Digitalisierung finden.

Wir wollen uns in der digitalen Welt genauso sicher und wohl fühlen wie in der physischen Welt. Davon sind wir derzeit weit entfernt, beispielsweise bei den vielen Betrugsmöglichkeiten im Internet. Wenn wir Technologien und Nutzen für die Menschheit in Einklang bringen, werden wir uns auch in einer digitalen Welt wohlfühlen. Dieser europäische Weg der Digitalisierung kann durchaus auch ein Exportgut werden. Auch Unternehmen zeigen für eine Ausrichtung auf digitalen Humanismus bereits viel Engagement. In der Praxis sehen wir: Wenn man von Anfang an den Menschen im Mittelpunkt mitdenkt, ist der Mehraufwand in der Entwicklung überschaubar. So etwa bei der Auswahl des richtigen KI-Tools, nicht nur anhand von funktionalen, technischen und kommerziellen Argumenten, sondern auch aus den Prinzipien eines fairen, ethischen Wertekatalogs.

Wir alle brauchen hier einen klaren Regulierungs- und Rechtsrahmen – und Ansprechpartner wie die KI-Servicestelle der RTR. Einer Umfrage im Februar zufolge beschäftigen sich 40 % der Firmen unter anderem aufgrund rechtlicher Bedenken noch nicht mit KI.«

Markus Schaffhauser, Geschäftsführer Eviden

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»Rahmen und Richtlinien für den digitalen Raum sind wichtig, doch hat dieser im Gegensatz zur physischen Welt keine Grenzen. In der Digitalisierung sind wir im Wettbewerb mit Regionen wie China, USA oder Indien, die unterschiedliche Regulierungswege für KI gehen. Wir werden nicht jede Nutzung von Applikationen verhindern können, die außerhalb unserem Rechtsverständnis entwickelt wurden und auf Servern außerhalb der EU laufen. Aber wir können Menschen in Europa bilden und sie mit einem verantwortungsvollen und mündigen Umgang mit Technik vertraut machen. Das ist unsere einzige Chance. So ist eine Kennzeichnungspflicht von KI-Lösungen wichtig, noch mehr aber, das Bewusstsein der Menschen zu schüren, darauf zu achten.

Als Eviden unterstützen wir österreichische Unternehmen und die Verwaltung dabei, KI-Anwendungen effizient und regelkonform umzusetzen und können auf eine Reihe von Projekten aufbauen. KI-Ansätze bieten hier richtig eingesetzt enorme Chancen, schnell und effizient große Mengen an Daten zu verarbeiten und zugänglich zu machen. Ein Schlüssel zur richtigen Nutzung sind digitale Kompetenzen, die wir als Unternehmen aber auch im Zusammenschluss mit anderen Partnern, zum Beispiel im Rahmen von fit4internet ausbauen möchten. Denn wie sich im Digital Skills Barometer gezeigt hat, gibt es Bildungslücken zu Digitalisierungsthemen in allen Bevölkerungsgruppen.

Wie wir künftig mit Technologien umgehen, sollte natürlich neben der Weiterbildung in den Unternehmen auch durch die Ausbildung und in den Schulen gefördert werden. Außerdem werden wir Informationskampagnen zu KI für eine breitere Bevölkerung brauchen. Mit fit4internet wurden in der Vergangenheit einige Kampagnen zu Cybersicherheit durchgeführt. Im Digital Skills Barometer haben wir deutlich gesehen, dass diese Kampagnen auch messbare Ergebnisse bringen. Im Schulterschluss von Wirtschaft, Politik und der breiten Bevölkerung müssen wir jetzt einen Schwerpunkt auf KI setzen.«


Wolfgang Feiel, Leiter Abteilung Recht & Kommunikation, Fachbereich Telekommunikation und Post, RTR

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»Unsere Gesellschaft steht vor der Herausforderung, KI-Lösungen nutzbringend anzuwenden, aber auch soziale Verwerfungen zu verhindern. Der EU AI Act versucht diesen Spagat mit einem ethischen Wertekatalog. Dieser schließt KI-Anwendungen aus, die Menschen täuschen, diskriminieren oder aufgrund ihres sozialen Verhaltens benachteiligen. Ähnlich der Datenschutz-Grundverordnung werden nicht nur jene in die Pflicht genommen, die uns eine KI-Anwendung verkaufen, sondern auch die Akteure in der gesamten Wertschöpfungskette bis zum Produkthersteller, der außerhalb Europas agiert. Wer dann hier Geschäfte machen will, muss sich an die Verordnung halten.

Je riskanter eine KI-Anwendung erscheint, umso mehr wird sie juristisch an die Kandare genommen. Das heißt: Wenn in kritischen Systemen wie Kraftfahrzeugen auf KI gesetzt wird, muss diese entsprechend zertifiziert werden. In einem weniger riskanten Bereich – etwa beim Einsatz von ChatGPT – ist die Transparenz ausreichend: Die User müssen informiert werden. Vorgesehen sind auch Freiräume für die Förderung von Innovationen. Das ist ein rechtliches Neuland in Österreich.

Die KI-Servicestelle, die seit März in der RTR betrieben wird, wird kostenlos Bürger*innen und Unternehmen über die Regelungen zur Anwendung von KI und das Schaffen von Lösungen informieren. Wir sind dazu auch auf den Dialog mit der Wirtschaft angewiesen. KI ist eine Querschnittsmaterie und betrifft nicht nur die großen Industrieunternehmen und Forschungsabteilungen, sondern auch den kleinen Bäcker um die Ecke. Wir haben in Österreich viele Fachleute, die sich für KI interessieren und die in Expertengremien Hilfestellungen geben können. Das stimmt mich positiv.«



Sarah Spiekermann-Hoff, Leiterin Institut für Informationssysteme & Gesellschaft, WU Wien

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»Vielen Unternehmen, die KI einsetzen, wissen nicht, in welcher Weise sie von der Regulierung betroffen sind – denn das kann sich im Laufe eines Einsatzes einer Anwendung auch ändern. Das ist leider auch nicht die einzige Frage, bei Regelwerken wie der Datenschutzgrundverordnung, dem Digital Service Act, Digital Markets Act und Cybersecurity-Gesetzen. Unternehmen stehen vor einer Vielzahl an Gesetzen, die es abzuarbeiten gilt. Aufgrund dieser Komplexität würde ich einfach empfehlen, den grundlegenden Zweck dieser Gesetze zu verstehen: Es geht um den Geist des ethischen Handelns in der Wirtschaft, um Fairness gegenüber dem Mitbewerb und den Nutzer*innen. In letzter Konsequenz geht es um die Frage, ‚Wie handle ich richtig?’. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Manager, der selbst natürlich auch Privatperson ist, hier oft eine Diskrepanz im Handeln seines Unternehmens sieht.

Gemeinsam mit Unternehmen wie msg Plaut und anderen bauten wir die Idee eines „Value-based Engineering“ aus. Denn wir brauchen Innovation, bei der von vornherein Fairness und Ethik mitgedacht wird. Das können wir Menschen selbst entscheiden. Wer hier der eigenen Intuition folgt und sich genügend mit betroffenen Gruppen austauscht, der stellt Systemanforderungen, die hinterher auch vor dem Gesetz halten. Ich halte diese Umkehr für wesentlich. Nicht Tausende Seiten einer zunehmenden Anzahl an Gesetzen zu befolgen und Juristen zu bezahlen, um irgendwelche Compliance-Zertifikate abzuholen. Vielmehr braucht es ein anständiges „System Requirements Engineering“. Die Produkte daraus sind in der Regel wesentlich besser für die Kunden und besser fürs Geschäft.

Wir sollten Technik nicht zu einer heiligen Kuh machen und den Fortschritt von künstlicher Intelligenz um seiner selbst willen verherrlichen. Ich plädiere dafür, bei KI-Vorhaben mitunter auf die Bremse zu treten. Investitionen sollten durchdacht sein, geben Sie sich lieber ein paar Monate oder ein, zwei Jahre mehr Zeit. So können wir vermeiden, dass wir in neue Komplexitäten und Abhängigkeiten geraten.«

 



Bild: BRZ-Geschäftsführer Roland Ledinger begrüßte die rund 150 Gäste: »KI ist ein Thema, das einer alleine nicht mehr stemmen kann. Für eine Umsetzung von KI-Lösungen brauchen wir die Zusammenarbeit vieler und einen Austausch sowie Synergien auf europäischer Ebene.«


2. Gesprächsrunde
: Welchen Nutzen haben KI-Lösungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt? Welche Veränderungen bringt Machine-Learning für Jobs und Unternehmen?

Lara Spendier, Advisory Lead AT, Digital Transformation Expert bei Avanade

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»Avanade ist als Partner von Microsoft bereits mitten in den Implementierungen von KI-Lösungen bei Unternehmenskunden. Als Dienstleister sehen auch wir eine Veränderung unserer eigenen Geschäftsprozesse, indem wir KI zum Beispiel für Wissensmanagement und für Produktivitätssteigerung einsetzen. Das Finden und Abrufen von Informationen ist zum Standardanwendungsfall für KI geworden. Jeder kennt die Herausforderung, bereits erstellte Dokumente in dem Geflecht an Ordnern und Laufwerken wiederzufinden. Mit Microsoft Copilot muss ich nicht mehr wissen, wo Daten abgespeichert liegen. Dieser Assistent unterstützt mich am Arbeitsplatz und hilft mir bei meiner Produktivität.

Wichtig für Unternehmen ist, jene Anwendungsfälle zu identifizieren, die tatsächlich nachhaltig einen Mehrwert bringen. Damit ist auch ein gesellschaftlicher Wandel verbunden. Menschen machen sich KI-gestützte Tools bereits privat zunutze und erwarten ähnliche Anwendungen dann auch von Unternehmen und Behörden zur Arbeitserleichterung und für bessere Services.

Generell sehe ich mit den Sprachmodellen eine große Effizienzsteigerung am Arbeitsplatz, beispielsweise bei der Formulierung von Projektanträgen, Zusammenfassung von Meetings und Formulierung anderer Inhalte. Darüber hinaus können auch Prozesse effizienter gestaltet werden. Zum Beispiel bei der Rechnungslegung: Hier können Felder analysiert und befüllt werden. Die Einzelschritte im Vorfeld werden von einer KI automatisiert. Der Mitarbeiter macht in letzter Instanz dann nur noch die Kontrolle und kann die Rechnung abschicken.

Im Engineering wird KI für Inspiration im Designprozess genutzt. Und bei Serviceprozessen, in denen Menschen in verschiedenen Sprachen miteinander verkehren – die Technikerin vor Ort, die mit einem Callcenter verbunden ist – werden Fragen übersetzt und die Antworten darauf ebenfalls. Es sind einfache Anwendungsfälle, in denen es auch nicht stets um datenschutzsensible Informationen geht.«

Günter Stessl, Head of Artificial Intelligence im BRZ

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»Das Bundesrechenzentrum hat bereits eine lange Tradition bei datengetriebenen Projekten. Unsere Kunden aus der öffentlichen Verwaltung haben früh erkannt, wie sie mit Daten Fachwissen ergänzen können. Ein gutes Beispiel für den Einsatz von KI ist die automationsgestützte Anonymisierung personenbezogener Informationen bei der Veröffentlichung von Gerichtsurteilen. In einem weiteren Anwendungsfall geht es um das Erstellen von Metadaten für Bilddatenbanken und das Erkennen von Personen auf Bildern, um diese datenschutzrechtlich konform verarbeiten zu können. Mit KI wird auch Unternehmen geholfen: So sind Förderbedingungen oft kompliziert und nicht einfach zu durchschauen. Bei der Suche nach Förderungen im Unternehmensserviceportal werden jetzt KI-Methoden angewendet, um Unternehmer*innen die Suche nach geeigneten Förderungen zu erleichtern. Und KI wird auch bei der Betrugsbekämpfung eingesetzt, um Fälle zu identifizieren, die sich vielleicht für eine weitere Betrachtung durch den Menschen eignen.

Mit der Technologie der „Large Language Modelle (LLMs)“ kommen jetzt weitere spannende Aspekte für uns dazu – Wissensmanagement etwa beim On- oder beim Offboarding von Mitarbeitenden und für den Transfer von Fachwissen generell. Die Dokumentenablage in Organisationen wird damit leichter durchsuchbar. Auch Lösungen zur Spracherkennung und zur Übersetzung, etwa bei der Transkription gesprochener Sprache, können sehr wertstiftend sein. Das betrifft auch Handschrifterkennung bei viele Jahre alten Unterlagen, die jetzt digitalisiert werden. Und auch das Umwandeln und Formulieren von Texten in eine einfache, verständliche Sprache für alle Bevölkerungsschichten ist etwas, bei dem LLMs ein Hebel sein können. Recherche und Zusammenfassung sind die Blaupause für LLMs. Informationen werden einfach zugänglich und verdaubar gemacht. Mit einem Kriterienkatalog für vertrauenswürdige KI steht der ethische Einsatz von Technologie im Vordergrund – gerade auch in der engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden.«

 

Thomas Steirer, CTO Nagarro

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»Das Management und die Vermittlung von Wissen liefert eine große Anwendungsbreite für KI-Unterstützung. Wie kann zum Beispiel Fachwissen von jemandem bereitgestellt werden, der sich vielleicht technisch hervorragend auskennt, aber kein guter Trainer ist? Hier gibt es bereits Lösungen, die mit synthetischer Stimme und klaren Formulierungen Wissen in jenem Format aufbereiten, das gewünscht wird – als Video, als Text oder in weiteren Formen. Ein Beispiel aus unserer Innovation Challenge, die Nagarro veranstaltet, ist die verständliche und trotzdem rechtsverbindliche Darstellung von Versicherungspolizzen – für Berater*innen der Versicherung ebenso wie für die Kund*innen. Ein anderes Beispiel aus der Softwareentwicklung ist ein Copilot für die Wissensvermittlung zu Systemen und Anforderungen an Software. Es werden Verbesserungsvorschläge für den Code gemacht, Testfälle erstellt und automatisiert. Beim Software-Testing fehlt es oft nicht an Geld, sondern an Zeit. Mit KI-Unterstützung kann man hier eine große Entlastung erreichen, das Vertrauen in den IT-Abteilungen ist dazu bereits auch groß.

Es gilt, sich gut zu überlegen, was man eigentlich tun will – einen Freiraum zu schaffen und zu experimentieren. Ich warne davor, leichtfertig mit KI-gestützten Produkten und Services in den Markt zu gehen. Es gab ja schon Anwendungsbeispiele in Österreich, die in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so gut angenommen wurden. Klarerweise können wir noch nicht KI voll nutzen, da die Entwicklung dazu auch noch nicht abgeschlossen ist. Was wir mit Sicherheit heute bereits wissen: Die Geschwindigkeit der nächsten Schritte wird hoch sein. Der wirklich große Sprung bei KI wird für 2027 oder 2028 erwartet. Bis dahin empfehle ich, Erfahrungen zu sammeln, auszuprobieren und meine Daten, die ich in Unternehmen sowieso habe, mit den richtigen Lösungen zu verknüpfen – auch wenn ich am Ende vielleicht gar keine KI dafür brauche. Wesentlich mehr zählt die Bereitschaft zu Innovation.«

 

Klemens Himpele, CIO der Stadt Wien

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»Die Stadt Wien hat mit Chatbots und etwa der automatisierten Erkennung von Straßenschäden oder auch Verkehrszeichen bereits Erfahrung mit traditioneller, alter KI. Der Wienbot funktioniert mehrsprachig, was besonders in der Flüchtlingskrise entscheidend war. Das Projekt BRISE verknüpft „Building Information Modeling“ mit KI, um in Genehmigungsverfahren Einreichungen automatisiert mit Widmungsplänen abzugleichen und bei Änderungen auch eine semantische Suche zu unterstützen. Im Zuge des LLM-Hypes hat die Stadt Wien einen KI-Kompass herausgebracht, der Bediensteten der Stadt die Nutzung generativer KI explizit genehmigt, wenn Regeln wie Datenschutz und Kennzeichnungspflichten berücksichtigt werden.

Im potenziellen Anwendungsfall einer KI-gestützten Übersetzung spielen auch Cloud- und Datenschutzthemen eine Rolle, beispielsweise bei sensiblen Gesprächen in Arztpraxen. Neben der Spracherkennung beschäftigen wir uns stark mit der Verarbeitung von Bilddaten aus dem öffentlichen Raum. Mit einem stadteigenen Mapping Wiens schaffen wir eine neue Qualität auch für klimarelevante Services. Hier experimentieren wir in einem vom Bund kofinanzierten Labor auch mit Satellitendaten, etwa um Wärmequellen zu identifizieren.

In vielen Bereichen sind wir wie alle anderen noch auf der Spielwiese unterwegs – die tollen KI-Anwendungen fehlen aus meiner Sicht noch. Nach dem aktuellen Hype um KI wird unweigerlich das Tal der Tränen kommen. Die Anwendungsfälle auch rund um KI-gestützte Verwaltungsverfahren werden schon entstehen, wir müssen dem nur etwas Zeit geben. Dort ist dann wirklich die Musik drin.«


Hintergrund: Gesetz über künstliche Intelligenz

Was ist der AI Act?
Die KI-Verordnung der EU (»AI Act«) schafft einen regulierten Rahmen für die Entwicklung und Anwendung von KI-basierten Produkten und Services im europäischen Binnenmarkt. KI-Technologien werden in vier verschiedene Risikokategorien eingeteilt, die von »KI-Systemen mit inakzeptablem Risiko« über »KI-Systeme mit hohem Risiko« und »KI-Systeme mit Transparenzanforderungen« bis zu »KI-Systemen mit keinem/niedrigem Risiko« reichen. Daran werden verschiedene Verbote beziehungsweise Compliance- und Informationspflichten gekoppelt. Technologien mit einem inakzeptablen Risiko wie Social Scoring oder Teile von biometrischer Videoüberwachung und subtiler Verhaltensbeeinflussung sollen komplett verboten werden. Der AI Act selbst droht hohe Bußgelder für Unternehmen bei Verstößen an, mit bis zu sieben Prozent des weltweiten Vorjahresumsatzes oder 35 Millionen Euro.

Wann tritt die Verordnung in Kraft?
Am 13. März 2024 hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit dem AI Act zugestimmt. Es folgte die förmliche Zustimmung der Mitgliedsstaaten beim Technologie-Rat (TTE-Rat) am 21. Mai mit dem Ziel, dass er im Juni 2024 in Kraft tritt.

 


In einer informellen Gesprächsrunde am Nachmittag des Veranstaltungstages wurden gemeinsam mit Martin Szelgrad, Report Verlag, Zielsetzungen für KI-Anwendungen in der Wirtschaft und Gesellschaft und das Finden von gemeinsamen Leitplanken aus regulatorischer Sicht diskutiert.

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»Für bestimmte Bereiche braucht es eine Regulierung von KI. Mit dem EU AI Act ist sie offen genug gestaltet, um flexibel auch auf künftige technische Entwicklungen einzugehen«, schätzt Gerald Bader, Eviden ein.

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»Europa braucht eigene, weltweit konkurrenzfähige Competence Hubs für KI, um Schubkraft zu gewinnen. Eine Verbindung mit starken Sektoren wie dem Tourismus in Österreich bietet sogar großes Potential für eine schnelle weltweite Alleinstellung«, schlägt Verena Kuen, 1030 Innovation Consulting vor.

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»Künstliche Intelligenz wird die Welt verändern – und für heimische Unternehmen ist sie alternativlos. Wer in Zukunft wirtschaftlich Erfolg haben will, muss den Schulterschluss mit KI suchen«, schließt Borislav Nikolov, msg Plaut.

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