Sonntag, April 21, 2024
KI im Fokus der Unternehmen
Daniel Fallmann ist Gründer und Geschäftsführer von Mindbreeze mit Sitz in Linz.

Wie künstliche Intelligenz den Umgang mit Informationen verändert, erklärt Daniel Fallmann, Gründer und Geschäftsführer von Mindbreeze, im Report-Interview.


Herr Fallmann, Sie sind mit Ihrem Unternehmen seit fast 20 Jahren im Bereich KI tätig. Wie sehen Sie die Entwicklung der letzten zwei Jahre in diesem Bereich, insbesondere den Erfolg von ChatGPT?

Fallmann: Die Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz war in den vergangenen zwei Jahren sehr dynamisch. Die nun für alle sichtbaren Anwendungsfälle sind hoch interessant. Eine globale Verfügbarkeit von Tools wie ChatGPT hat dazu geführt, dass der Nutzen von KI inzwischen sehr konkrete Formen annimmt und eine immer breitere Anwendung findet. Dadurch ist das Bewusstsein für KI sprunghaft angestiegen und jeder einzelne User überlegt, wie und wofür er diese Werkzeuge nun bestmöglich nutzen kann. Es freut mich, dass das Thema von der rein technischen zu einer recht nutzenorientierten Diskussion geworden ist. Die breiten Einsatzgebiete im Bereich der Bildung, Wirtschaft, Medizin und vielen weiteren sind sehr spannend.

War dieser technologische Fortschritt im KI-Bereich überraschend?

Fallmann: Die rasante Entwicklung mag zwar für die breite Masse überraschend erscheinen, aber in Wirklichkeit begleiten uns Technologien wie GPT bereits seit vielen Jahren. Insbesondere die Fähigkeit, strukturierte und unstrukturierte Daten zu verarbeiten und Fakten zu extrahieren, gibt es schon sehr lange, hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und wurde so in einem größeren Umfeld nutzbar. Bei einem großen Finanzdienstleister ist etwa unsere KI-basierte Posteingangsklassifizierung und automatisierte Weiterleitung an die zuständigen Personen seit mehr als einem Jahrzehnt professionell im Einsatz.

Worauf sollte man beim professionellen Einsatz von KI achten?

Fallmann: Sogenannte Large Language Models (LLMs) wie GPT sollten dort eingesetzt werden, wo sie auch wirklich effektiv sind. LLMs generieren etwa Texte, geben zusätzliche Ideen beim Brainstorming, sie übersetzen und erstellen Zusammenfassungen. Diese Werkzeuge sorgen für einen gewissen Mehrkomfort und erleichtern richtig eingesetzt manche Tätigkeiten bereits heute sehr gut.

Unternehmen sollten dennoch bei der Eingabe von sensiblen und persönlichen Daten besonders vorsichtig sein, da es oft undurchsichtig ist, was mit den Daten wirklich geschieht und wo sie gespeichert bzw. verwendet werden. Hierbei muss man sich einfach über die etwaigen datenschutzrechtlichen Risiken bewusst sein und diese auch proaktiv managen, anstatt sie passiv in Kauf zu nehmen. Dabei müssen Unternehmen zusätzlich beachten, dass öffentlich zugängliche KI-Tools wie ChatGPT ihre Antworten aus nur jenen Trainingsdaten generieren, mit denen sie ursprünglich trainiert wurden und diese keinerlei Detailkontext zum eigenen Unternehmen und Unternehmensgegenstand haben.

Zudem kommt es recht häufig zu »Datenhalluzinationen«. Halluzinationen sind Falschaussagen, die aber aufgrund guter Formulierungen der Texte durchaus plausibel erscheinen, wenn man es nicht besser weiß bzw. nochmals explizit die Information faktenbasiert hinterfragt. Angestellte haben durch fehlende Quellenangaben bei den Antworten kaum Möglichkeiten, diese zu überprüfen.

Stark im Kommen ist daher eine Kombination aus faktenbasierten Fachinformationen, dem spezifischen und oft hochsensiblen Know-how des Unternehmens und dem allgemeinen Sprachverständnis eines LLMs. Technologisch geht es hier um eine Kombination von LLM und Insight Engine, die unter dem Fachbegriff Retrieval Augmented Generation (RAG) bekannt ist.

Eine Insight Engine verbindet, versteht und vernetzt dabei existierende Unternehmensinformationen aus allen relevanten Datenquellen des Unternehmens selbst.
Unternehmen setzen eine solche Kombination etwa im Kundensupport ein, um automatisierte Antworten auf Basis vorangegangener Support-Tickets zu generieren. Diese Automatisierung ermöglicht eine effiziente und schnelle Kommunikation, 24/7, und erspart dem Support-Team viel Arbeit.

Noch interessanter für Unternehmen finde ich jedoch eine andere Funktion von Insight Engines: die Generierung von interaktiven 360-Grad-Sichten auf Informationen. Dabei handelt es sich um eine Rundumsicht auf jedes beliebige Objekt im Unternehmen, etwa auf Kunden, Produkte, Personen oder ein Bauteil. Eine Insight Engine zeigt dabei alle wichtigen Informationen des Objekts an.

Für welche Unternehmen sind KI-generierte 360-Grad-Sichten interessant?

Fallmann: Das Potenzial für den Einsatz von 360-Grad-Sichten ist nahezu unbegrenzt und hängt von den spezifischen Anforderungen und Arbeitsabläufen eines Unternehmens ab. Sie bieten, wie zuvor erwähnt, einen umfassenden Blick auf relevante Fakten. Die Sichten sind immer auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten, je nach Abteilung, Tätigkeitsbereich und Rolle im Unternehmen. Zum Beispiel unterstützen 360-Grad-Sichten im Engineering dabei, alle relevanten Informationen zu einem bestimmten Flugzeugteil oder einer anderen Anlage zu sammeln, einschließlich Handbücher, Firmware-Updates und Produktlebenszyklus-Informationen. Für eine Kundenansicht enthalten diese Informationen neben den allgemeinen Kundendaten auch die Bestellhistorie, Supporttickets und Ansprechpartner. Im Bereich Einkauf und Beschaffung liefern 360-Grad-Sichten Informationen zum Lagerbestand, zu Lieferanten und zu zertifizierten Ersatzteilen.

Da das Thema so umfassend und wichtig ist, haben wir vor zwei Jahren das Ökosystem Mindbreeze BDI (Business Decis­ion Insights) gestartet, das es Dritten erlaubt, sehr rasch Lösungen in diesem Ökosystem umzusetzen. Ein Beispiel hierfür ist unsere Tochter, Mindbreeze InTend für KI-gestütztes Ausschreibungsmanagement.

Welchen Vorteil haben Unternehmen, die KI im Bereich Ausschreibungsmanagement einsetzen?

Fallmann: Ein gelungenes Bid-Management ist entscheidend für den Geschäftserfolg. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, die richtigen Ausschreibungen zu wählen und fachlich korrekte Antworten auf Ausschreibungsfragen in minimaler Zeit zu generieren. Die KI lernt mit der Zeit, welche Ausschreibungen gewählt worden sind, und personalisiert so die Antworten. Möglich macht das die Berücksichtigung von sämtlichen vorhandenen Informationen im Unternehmen.
Dass sich für unsere Kunden das natürlich im Business Case sofort rechnet, liegt auf der Hand, da jede zusätzlich gewonnene Ausschreibung einen entscheidenden Beitrag zum Wachstum und damit der Zukunft des Unternehmens liefert.


Hintergrund

Über Mindbreeze
Mit künstlicher Intelligenz unterstützt Mindbreeze Unternehmen beim Analysieren, Verstehen und effizienten Vernetzen von Informationen. Dies ermöglicht eine konsolidierte Sicht auf das Unternehmenswissen – unabhängig davon, wo und wie Daten gespeichert sind.

Mindbreeze BDI
Das Business Ökosystem Mindbreeze BDI (Business Decision Insights) ist die perfekte Basis für die Umsetzung von Geschäftsmodellen und Insight Solutions, basierend auf der intelligenten Wissensmanagement-Software Mindbreeze InSpire.

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