Sonntag, Juni 16, 2024
"Investitionen in Webshops werden auf den letzten Metern zunichte gemacht"
Michael Johann Kräftner, ist Gründer und CEO von Celum, das heute mehr als 130 Mitarbeiter*innen an mehreren Standorten hat. Das Unternehmen mit Stammsitz in Linz und Wien ist ein Innovator im Bereich Content-Supply-Chain-Management und Digital-Asset-Management in der Cloud.

Michael Kräftner, Gründer und Geschäftsführer von CELUM, liefert den Hebel zur Aktivierung von digitalen Inhalten - für den Handel, Industrie und für die Zusammenarbeit in Teams.

Welchen Bedarf decken Sie mit Ihren Produkten bei Ihren Kunden?

Michael Kräftner: Kern unseres Angebots ist eine Plattform für Content-Supply-Chain-Management. Wie bei einer physischen Lieferkette – wir alle erinnern uns an das Containerschiff, das tagelang den Suez-Kanal blockiert hatte – müssen auch die Lieferketten von digitalen Inhalten für Unternehmen ungebrochen funktionieren. Das betrifft auch das Kreieren von Content über die vielfältigen Prozesse in Organisationen und die Art und Weise, wie Menschen zusammenarbeiten. Es geht um Freigaben und Rechteverwaltung, bis hin zum Auffinden von Inhalten. Menschen möchten möglichst wenig Zeit mit dem Suchen und Managen von Dokumenten oder Bildern aufbringen. Unsere Plattform deckt alle diese Prozesse ab, ebenso wie das Teilen („Sharen“) und Übermitteln von Dateien.

CELUM bietet die datenschutzkonforme und für Unternehmen praktische Alternative zu Werkzeugen wie WeTransfer. Einen letzten Baustein decken wir dann mit dem Thema „Excitement“ für Kunden im Handel ab. Hier geht es um die Sicht eines Käufers und Konsumenten auf den Content. Denn ein Angebot ist nur so gut, wie auch die Auslagenfläche den Kunden gefällt. In der Branche spricht man vom „Digital Shelf“ – dem Regal und der Ausstellungsfläche im digitalen Raum.

Was sind hier gute Beispiele für Anwendungen?

Das ist sehr breit gefächert und beginnt bei klassischen E-Commerce-Kunden wie etwa ein Onlineshop einer Apotheke. Auch der größte Pharmahändler Europas ist unser Kunde. Es ist eine Branche, in der Produkte zum Teil erklärungsbedürftig sind und es rechtliche Vorgaben dazu gibt. Ein reiner Onlinehändler hat eine einzige Verkaufsfläche – entsprechend reibungslos, fehlerfrei und aktuell müssen Produkte und Informationen verwaltet und ausgespielt werden. Dann gibt es Kunden mit reinem B2B-Geschäft wie etwa einen Landmaschinenhersteller. Bislang kauft niemand einen Traktor online, aber auch dort ändert sich das Kaufverhalten. Wir sehen, dass vor allem bei einem Kauf vorgelagerten Prozessen der Landwirt darauf angewiesen ist, online Zugriff auf Content zu haben.

Genauso ist es bei der Unterhaltungselektronik. Als Kunde will ich vielleicht nicht nur die Abmessungen einer Waschmaschine kennen, sondern auch etwas über die Energieeffizienz wissen. Konsumenten haben einen zunehmenden digitalen Informationsbedarf. Sie wollen mitunter auch emotional berührt werden, vor allem im Bereich der Luxusmarken. Ein bestimmtes Schmuckstück oder eine Uhr kann nicht in jedem Geschäftslokal auf Vorrat gelagert werden. Daher muss die „Product Experience“ auch digital möglich sein. Diese digitale Vermarktung trägt dann aktiv zum Verkaufsabschluss bei.

Ist das Kauferlebnis vor allem ein Faktor bei Luxusprodukten?

Nicht nur – ich habe das selbst erlebt. Auf der Suche nach technischen Daten eines Fernsehers – ich wollte wissen, welche Fläche für eine Wandmontage bei einem Modell nötig ist ­– bin ich auf der Website des Herstellers nicht fündig geworden. Ich hatte das gar nicht geplant, aber meine Kaufentscheidung ist dann zugunsten eines anderen Produkts gefallen. Der Mitbewerber hatte die gesuchten Infos bereitgestellt. Das ist schade für den ersten Händler, denn die Qualität und Leistung der beiden Modelle war eigentlich ident.

Welche weiteren Entwicklungen zeichnen sich im Content-Supply-Chain-Management ab?

Die Plattformen haben meist die Prozesse bis zum Kaufabschluss abgedeckt. Aber es sind auch nachgelagerte Services möglich. Das kann das Teilen von Wartungsunterlagen nach dem Kauf einer Landmaschine bedeuten oder von wichtigen Informationen für Werkstätten. Unsere Software unterstützt die Aktivierung von zusätzlichen Inhalten rund um Produkte. Ein Trend, den wir seit einiger Zeit beobachten und auch unterstützen, ist „Composable Commerce“. Wir wollen damit in Zukunft nicht nur eine Plattform für die Verwaltung von Content und Verteilen von digitalen Produkten liefern, sondern auch das fertig designte Regal.

Mit immer mehr Marktplätzen im Netz steigt auch der Bedarf für standardisierte Bereiche, die in Webauftritte einfach integriert werden können. Man kann sich das wie die designten Apple- und Samsung-Bereiche im Elektronikfachgeschäft vorstellen. Ein Hersteller hat damit mehr Kontrolle über die Platzierung seiner Produkte, zugleich haben die Shopbetreiber weniger Arbeit. Je länger der Rechercheweg des Konsumenten auf einer Unternehmensseite ist, desto seltener kommt es zum Kauf. Wenn der Content nicht zu den Konsumenten findet, können Händler zwar Riesensummen in Werbung stecken. Sie machen diese Investitionen aber auf den letzten Metern zunichte.

Bild: Mit "Produkt Content Management (PCM)" bietet der Hersteller die effiziente Verknüpfung von Marketinginhalten und technischem Content für komplexe Produkte.

Webshops sind bereits Baukästen mit spezialisierten Lösungen unterschiedlicher Unternehmen – beispielsweise der Checkout-Prozess und Kauf-Button. Trotzdem hat sich in den vergangenen Jahren in 99 % der Shops hinsichtlich der Einbindung von Informationen und einer dynamischeren Produktdarstellung wenig getan. Wir wissen, das ist in der Vergangenheit mit einem Riesenaufwand verbunden gewesen. Wir wollen diesen vernachlässigten Teil revolutionieren. Alleine vom Produkt aus in eine Übersichtsseite der Produktreihe zu klicken, ist für viele Unternehmen ein fast unüberwindbares Problem. Auch wir nähern uns dem Thema „Clickable Content“ an, das beispielsweise auf einer Produktpräsentation eines Kleides auf die Vase aus der Dekoration im Hintergrund klicken lässt. Plattformen wie Instagram machen das bei Produktplatzierung von Influencern vor – bislang gibt es das aber nur in Social Media.

Gibt es weitere Prozesse in Unternehmen, die Sie mit Ihren Plattformlösungen abdecken?

Ein Großteil unserer Kunden sind mittlere bis große Unternehmen. Viele haben technische Produkte, die etwa von Spezialisten in Anlagen eingebaut werden. Die Ingenieure laden sich dann auch die CAD-Pläne zu den Produkten herunter. Andere nutzen unseren Lösungen zur Zusammenarbeit intern. In einer Lebensmittelkette erstellen Teams gemeinsam Flugblätter. Jeder Verantwortliche einer Produktlinie bringt sich ein und die Dokumente müssen schnell mit Inhalten gefüllt werden. Mit unserer Lösung können sich die Beteiligten unabhängig von den genutzten Dateiformaten abstimmen, sie können visuell annotieren und auch Aufgaben verwalten.

Das Bereitstellen und Managen der Infrastruktur bleibt im Kern wichtig und wird von uns laufend weiterentwickelt. Nun kommen mehr und mehr Funktionen, die einerseits die Erstellung und Freigabe, aber auch am anderen Ende der Content-Supply-Chain die Ausspielung und Messbarkeit von Content erleichtern.

Bild: Prozesse in der kreativen Zusammenarbeit von Inhalten deckt Celum mit einer Lösung für "Content Collaboration" ab.

 

Meistgelesene BLOGS

Firmen | News
01. März 2024
Unter dem Motto „Mission Zukunft - Transformation der Wirtschafts- und Energiesysteme" veranstalten die Deutsche Handelskammer in Österreich in Kooperation mit Fraunhofer Austria Research das Deutsch-...
Firmen | News
14. März 2024
Bereits zum dritten Mal verleiht die auf Informationssicherheit spezialisierte Zertifizierungsinstanz CIS - Certification & Information Security Services GmbH die begehrte Personenauszeichnung „CI...
Firmen | News
25. März 2024
Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel und Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine entscheidende Rolle. Unternehmen weltweit erkennen zunehmend die Bedeutung von KI für ihre Produktivität und W...
Alfons A. Flatscher
21. März 2024
 Mit KI-Technologien bleibt kein Stein auf dem anderen. Ganze Berufsstände, die sich bisher unangreifbar fühlten, geraten plötzlich in eine Krise. Legionen von Programmierern arbeiten gerade an d...
Firmen | News
15. März 2024
Moos auf dem Dach sieht zwar eine Weile ganz hübsch aus, aber zu viel kann dann doch auch die Funktion des Daches beeinträchtigen. Flechten, Algen, Vogelkot und andere Schmutzablagerungen hingegen seh...
Andreas Pfeiler
27. März 2024
Die Bundesregierung hat ein lang überfälliges Wohnbauprogramm gestartet. Ausschlaggebend dafür war ein Vorschlag der Sozialpartner, der medial aber zu Unrecht auf einen Punkt reduziert und ebenso inte...
Redaktion
09. April 2024
Die Baubranche befindet sich gerade in einem riesigen Transformationsprozess. Dabei gilt es nicht nur, das Bauen CO2-ärmer und insgesamt nachhaltiger zu gestalten, sondern auch Wege zu finden, wie man...
Mario Buchinger
04. März 2024
Der Faktor Mensch wird noch von vielen Manager*innen unterschätzt und oft nur auf Kostenaspekte reduziert. Diese Einschätzung ist fatal und fällt betreffenden Unternehmen zunehmend auf die Füße. Warum...

Log in or Sign up