Mittwoch, Juli 06, 2022

Diese Experten beantworten unsere Fragen zu Cloudstrategien und flexible IT-Infrastruktur.

Titelbild: Robert Öfferl, Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhaus Österreich. (Credit: Bechtle)

Report: Wie ist der Stand der Cloudstrategien und -umsetzung bei Unternehmen in Österreich? Was hat sich dazu in den vergangenen zwei Jahren getan?

Robert Öfferl, Bechtle: Immer mehr Unternehmen setzen auf Cloud Computing. Die Auswahl an Services ist entsprechend groß. Dabei liegt die parallele Nutzung verschiedener Clouddienste und Plattformen eindeutig im Trend. Das Management solcher Umgebungen wird für die Unternehmen dadurch zunehmend komplexer und aufwendiger. Die Herausforderung, vor der unsere Kunden stehen, ist eine geeignete Lösung für ihre individuellen Bedürfnissen zu finden und die Kompatibilität mit der bestehenden Unternehmens-IT-Infrastruktur sicherzustellen.

Genau aus diesem Grund agiert Bechtle als Multicloud-Serviceprovider. Neben eigenproduzierten Clouddiensten profitieren unsere Kunden von einer Vielzahl an Public-Cloud-Services. Dies resultiert aus der engen Zusammenarbeit mit führenden Cloudanbietern und der Fülle an Services, die diese zur Verfügung stellen. Die Nutzung der Cloudservices von Bechtle ist dabei dank vollautomatisiertem Bezug, Bereitstellung und Abrechnung gänzlich unkompliziert und die positiven Folgen dieser Prozessoptimierung liegen im Trend: Steigerung von Produktivität und Effizienz.

Jürgen Horak, evoila: Hybride-Cloud-Setups sind das neue Normal, sie haben sich zum De-facto-Standard entwickelt. Ich kenne nur noch wenige Unternehmen, die eine strikte »No Cloud Policy« verfolgen. Multicloud-Modelle werden zwar viel diskutiert und prolongiert, aber bei genauerer Betrachtung ist das Management von unterschiedlichen Cloudprovidern immer noch ein nicht unbeträchtlicher Aufwand. Dieser mag durch den Nutzen bei dem einem oder anderen Kunden gerechtfertigt sein, aber das ist sicher nicht der Standard.

Speziell bei Enterprise-Kunden merkt man auch, dass vermehrt in die Automatisierung des eigenen Rechenzentrums investiert wird: Die Nutzer*innen wollen das Public-Cloud-Feeling auch »on prem« spüren.

Stefan Wailand, Datenpol: Die letzten zwei Jahren waren entscheidend. Vor zwei Jahren mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten, die IT in die Cloud zu verlagern. Heute fragen 80 Prozent der Unternehmen aktiv nach Lösungen in der Cloud. In dieser Zeit hat ein echter Mindshift stattgefunden. Die Überzeugungsarbeit hat sich ausgezahlt, die Vorteile werden heute klar erkannt. Aktuell werden 70 bis 80 Prozent der neuen IT-Projekte in der Cloud umgesetzt. Das war bis vor kurzem undenkbar.

Stefan Wailand ist Geschäftsführer des Business-Software-Spezialisten ­Datenpol. (Bild: Datenpol)

Report: Welchen Bedarf können Cloud- und hybride IT-Infrastrukturen abdecken? Mit welchen Herausforderungen?

Öfferl: Der Aufbau und Betrieb moderner, zukunftsorientierter IT-Infrastrukturen in einer Multicloud-Umgebung bieten völlig neue Möglichkeiten. Bei der Frage, welche Daten in die Cloud ausgelagert werden können, spielen primär technische Rahmenbedingungen und Compliance-Anforderungen eine Rolle sowie die passende Cloud-Form. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir daher maßgeschneiderte Cloudstrategien – von der Analyse bis zum Betrieb. 

Wailand: Es gibt mittlerweile für alle IT-Services Clouddienste. Das fängt bei Zugangssystemen und Cloud-Telefon-Services an, über CRM-Systeme hin zu Zeiterfassung. Ein Großteil der Unternehmen nutzt Office 365 oder G-Mail von Google – das sind alles Clouddienste. Früher war das Angebot viel kleiner, mit dem Umstieg und der höheren Akzeptanz von Cloudservices hat sich nicht zuletzt das Angebot enorm verbreitet und umfasst nahezu alle Prozesse und Bereiche. Sie alle können in der Cloud abgebildet werden.

Report: Welche Vorteile oder passende Einsatzbereiche sehen Sie daraus entstehen?

Öfferl: Unseren Kunden geht es nicht nur um Themen wie Big Data, Internet of Things oder Applikationsbetrieb.  Auch zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten, der Modern Workplace beziehungsweise Arbeitsplatz der Zukunft sind hierfür sehr gut geeignet.

Horak: Bestellen Sie heute einmal einen Server mit Spezialkonfiguration. Die Lieferzeiten sind ein Wahnsinn. In guten hybriden Setups kann hier entsprechen optimiert werden. Auch im Big-Data- und Analytics-Umfeld haben die Cloudanbieter sehr gute Lösungen, bei denen ein Nachbau in einer eigenen IT-Umgebung vor Ort wenig sinnvoll wäre. Die speziellen Vorteile sind aber immer kundenspezifisch, daher sollten Unternehmen auch den einen oder anderen Euro in Beratungsdienstleistung investieren – um das individuell optimale Hybrid-Cloud-Setup zu finden.

Mit Kubernetes hat sich eine weitere Strömung etabliert und es ist für moderne Applikationen der neue Bereitstellungsstandard geworden. Damit wird eine gewisse Austauschbarkeit der zugrundeliegenden Infrastruktur ermöglicht. Kubernetes hat den Grad der hybriden Ansätze weiter verstärkt und führt auch gerade bei Edge-Themen zu einer deutlich besseren Standardisierung.

Jürgen Horak ist geschäftsführender Gesellschafter des IT-Beraters und Dienstleisters evoila Austria & CEE. (Bild: evoila)

Wailand: Der größte Vorteil für den Kunden sind die gemanagten Services. Das funktioniert bei Clouddiensten deutlich besser als bei lokalen Applikationen. Zudem sind die Ausfallsraten wesentlich geringer, die Erreichbarkeit der Systeme weit höher und die Kosten niedriger. Ein weiterer entscheidender Faktor, der für die Cloud spricht, ist die Sicherheit. Zum einen müssen die Cloudservices DSGVO-konform sein und zum anderen sind die Rechenzentren gespiegelt. Backups in der Cloud sind wesentlich rascher und effizienter als bei lokalen Applikationen. Hier sind Backups weit schwieriger.

In der Cloud gibt es spezialisierte Sicherheitsverfahren und Standardmethoden wie ein zweistufiges Anmeldeverfahren. Der Aufwand bei lokalen Applikationen wäre weit höher, um das gleiche Level an Sicherheit zu erreichen.

Report: Welche weiteren Trends werden in den kommenden Jahren die IT bestimmen?

Öfferl: Sicherheit ist stets eines der wichtigsten Themen. So ist etwa das Risiko, Opfer hochprofessioneller Cyberkrimineller zu werden, in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen. Wir fokussieren uns daher seit Jahren auf das Thema IT-Security. Das Herzstück aller Maßnahmen ist das Bechtle Cyber Defense Center, das seit 2021 konzernweit durch unsere österreichischen Spezialisten koordiniert wird.

Horak: »Cloud Native« ist derzeit die Richtung, die überall eingeschlagen wird. Sie bedeutet eine schnelle und qualitativ hochwertige Lieferung von Software, die überall – Public, Private oder Edge – lauffähig ist. Aber es ist in diesem Bereich noch viel zu tun. Der initiale Aufbau von Plattformen an sich erfährt deutlich mehr Standardisierung, die nachgelagerten Prozess wie CI/CD (»Continuous Integration/Continuous Delivery«) und DevOps ziehen dafür deutlich mehr Komplexität und Implementierungszeit nach sich.

Ein nächster spannender Schritt zeigt sich bei Use Cases für Edge. Gerade im produzierenden Gewerbe findet auf Basis der aktuellen Technologien ein Wandel statt, welcher Edge Workloads in Fabriken und auf mobilen Geräten einsetzen lässt und somit erstmalig eine intelligente und dezentrale Vernetzung lanciert. Auch hier sind noch viele Hausaufgaben zu meistern, um sowohl bei großen Konzernen als auch im Mittelstand auf ein akzeptables technologisches Niveau zu kommen. 

Wailand: Der digitale Verkauf wird in der B2B-Welt weiter und schneller zunehmen. Unternehmen möchten verstärkt mit ihren Kunden digital kommunizieren und ihre Produkte digital abbilden und anbieten. Das erweitert vielfach das Geschäftsmodell und löst nicht unbedingt das bestehende Kerngeschäft ab. Digitales B2B-Geschäft bietet eine zusätzliche Opportunity.

Gleichzeitig besteht weiterhin der Trend für die mobile Nutzung. Die Arbeitswelt wird immer mobiler, daher müssen die IT-Services diesen Ansprüchen entsprechen. Ein dritter Trend ist die »Paperless Company« – egal, ob interne Aufgaben oder Außendienst-Mitarbeiter. Wir sind auf dem Weg zu einer völlig papierlosen, ganzheitlich digitalen Unternehmenswelt.


Holpriger Übergang

Wie eine flexible IT-Infrastruktur und Cloudlösungen Unternehmen verändern. Auf welche Aspekte Entscheider*innen achten sollten.

Immer mehr Unternehmen verlagern Workloads und Prozesse in die Cloud. Oft wird von den Zuständigen dabei vergessen, dass die Entscheidung dafür kein einfacher Produktwechsel ist. »Mit dem Weg in die Cloud verlegen Unternehmen im Grunde einen wesentlichen Teil ihres technischen Betriebs. Sind die erforderlichen Anpassungen bei der Etablierung von Software-as-a-Service noch überschaubar, so sind sie bei der Einführung von beispielsweise Infrastructure-as-a-Service massiv«, erklärt Thorsten Böttjer, Head of Cloud Engineering bei Oracle in Deutschland.

Thorsten Böttjer, Oracle: »Neben technischen Hürden bringen Migrationsprozesse vor allem auch Herausforderungen an die Aufbau- und Ablauforganisation sowie an die Verantwortungsbereiche der Mitarbeiter mit sich.«

Er sieht zentrale Themenfelder für Verantwortliche, um das volle Potenzial der Cloud von Tag eins an nutzen können. So sollte jedes Migrationsprojekt mit einer Analyse und Evaluation des bis dato verwendeten Technologiestacks aber auch der am Markt befindlichen Applikationsportfolios beginnen. Dann erfordert die Umstellung ein Umdenken sowohl bei der IT-Abteilung als auch bei Betriebs- und Sicherheitsorganen, denn aus den klassischen Administratoren werden Architekten. Der Übergang von anfragebasierten Prozessen hin zu Self Service in der IT eines Unternehmens hat vermutlich den stärksten Einfluss auf die innerbetrieblichen Prozesse.

Es braucht Management- und Monitoring-Tools für Cloudservices, die sich mit den Systemen der Unternehmen verbinden lassen. Schließlich bedeutet die Migration für die interne IT-Abteilung eine große Umstellung. Um einer Überforderung vorzubeugen, sollten sich Änderungen zunächst in engen Grenzen halten.


Stand der Digitalisierung

Eine Umfrage zur digitalen Transformation enthüllt Herausforderungen und zeigt, wie Outsourcing die Digitalisierung fördern kann.

Die Pandemie hat zahlreiche Trends im Zusammenhang mit der digitalen Transformation beschleunigt und einen enormen Druck auf Unternehmen ausgeübt, ihre Infrastrukturen für Remote Work anzupassen und ihre Arbeitsabläufe zu digitalisieren. Das sind auch Ergebnisse einer Umfrage zur digitalen Transformation, die von Keypoint Intelligence im Auftrag von Konica Minolta in Europa durchgeführt wurden ist. Befragt wurden Firmen aller Größen.

Datensicherheit wird von den Unternehmen als größte Herausforderung genannt (34 %). Rund ein Viertel aller Unternehmen hat Probleme mit Remote Work in Bezug auf Infrastrukturen und IT-Services (26 %) und Anwendungssoftware (25 %). Darüber hinaus stimmten 25 % zu, dass es eine Herausforderung darstellt, in Bezug auf neue Technologien auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Gleichzeitig fehlt es an spezialisiertem IT-Personal ­(23 %), das diese Probleme lösen kann.

Eine Studie von Konica Minolta zeigt, wie europäische Unternehmen mit Veränderungen auf IT-Ebene umgehen.

Eine der Digitalisierungsinitiativen, die während der Pandemie ebenfalls einen großen Schub erfahren hat, ist der Wechsel in die Cloud, zumal diese für hybrides und dezentrales Arbeiten unerlässlich ist. Die Mehrheit aller befragten Organisationen hat bereits eine Cloudlösung in irgendeiner Form eingeführt (72 %) und somit bereits Digitalisierungsinitiativen gestartet. Betrachtet man die Bereiche im Einzelnen, so sehen Unternehmen die Cloud als wichtigste Infrastruktur für ihr Collaboration Management (78 %), Prozessmanagement (76 %), Druckmanagement (69 %) und Content Management (65 %).


Zur Sicherheit in die Wolke

Der Cloudspezialist Infor hat den Automotive-Experten DBK beim Umstieg in die Cloud unterstützt, nachdem das Unternehmen Opfer eines Cyberangriffs geworden war.

Der deutsche Automobilzulieferer DBK David + Baader GmbH erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von mehr als 150 Millionen Euro und beschäftigt rund 750 Mitarbeiter*innen. Das Unternehmen hatte bis Oktober 2021 die ERP-Lösung Infor LN in einer On-Premises-Installation im Einsatz – bis unvermittelt Cyberkriminelle die gesamte technische Infrastruktur mit einem Angriff lahmlegten und obendrein alle Backups beschädigten. Das Unternehmen verlor nicht nur innerhalb von Sekunden seine aktuellen Daten, sondern war von einem Moment auf den anderen gezwungen, seine Geschäftsprozesse wieder über Papier abzuwickeln. Massive Produktionsausfälle und Lieferschwierigkeiten drohten – und damit auch schwerste wirtschaftliche Schäden. Gemeinsam mit Infor gelang es DBK innerhalb weniger Wochen ein neues IT-System in der Cloud auf aktuellem Stand und unter strengstens kontrollierten Sicherheitsbedingungen aufzusetzen und live zu gehen.

DBK: Der Hersteller von Lösungen in den Bereichen Elektrowärme, Klimatisierung und Elektronik für die Automobilindustrie setzt jetzt aus Sicherheitsgründen auf die Cloud.

Das Unternehmen verfügt nun mit Infor CloudSuite Automotive über eine technologische Softwaresuite für das Unternehmensmanagement, die immer auf dem neuesten Stand ist. Darüber hinaus konnten bereits zahlreiche Modifikationen schon im Standard abgebildet werden, wodurch auch kostspielige individuelle Konfigurationen vermieden und zusätzliche Schwachstellen für einen sicheren Betrieb ausgeschlossen wurden. Mit der hochstandardisierten Plattform ist nun die Basis gelegt, um künftig zahlreiche neue Funktionen für BI-Analysen sowie Schnittstellen für die Vernetzung mit Lieferanten nach außerhalb nutzbar zu machen. Als SaaS-Lösungspaket wird Infor CloudSuite Automotive zudem in Rechenzentren von Amazon Web Services gehostet.

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