Samstag, April 20, 2024

Hannes Ametsreiter gilt in der Telekom Austria als Macher. Die Herausforderung der nächsten Jahre ist eine gemeinsame Orientierung der »Diva« Mobilfunk und ihrer Problemschwester Festnetz. Der geborene Salzburger könnte dies schaffen. Ein Porträt.

Mit einem Vater als Bauleiter werden einem gewisse Dinge in die Wiege gelegt. »Wir hatten ständig technische Spielereien im Haus«, erinnert sich Hannes Ametsreiter, geboren 1967. »Mein Bruder und ich beschäftigten uns sehr früh mit allem, was einen Motor hatte und sich bewegte.« Vor allem schnell musste es auch damals schon gehen.
Am 1. Jänner 2009 wurde der gebürtige Salzburger neben seiner Funktion als Marketingvorstand bei dem Mobilfunker mobilkom zum Boss der Festnetzgesellschaft Telekom Austria sowie zum Vorstand der Dachorganisation Telekom Austria Group bestellt. Neun Tage später feierte er seinen 42. Geburtstag – ein nicht gerade typisches Alter für Managementpositionen dieses Ranges. Umso mehr gilt Ametsreiter als Hoffnungsträger für den gebeutelten Festnetzbereich der TA.

Zu Beginn der Marktliberalisierung vor mittlerweile über zehn Jahren machte der Telekom der alternative Mitbewerb zu schaffen, der dem Incumbent Kundenzahlen in Tausenderschritten schmerzhaft entriss. Die alte Dame fing sich schließlich und zementierte ihre starke Rolle am Festnetzmarkt wieder ein. So weit wäre alles beim Alten geblieben, wäre da nicht der Shootingstar Mobilfunk gewesen, der aufgrund der Regulierung der Telefoniemarktes mit Preisdumping in das Marktgefüge fahren konnte. Es war zu dieser Zeit, als ein junger, von Ideen sprühender Marketingspezialist in die mobilkom eintrat. Ametsreiter kam gerade von einer Welttournee zurück: Als International Brand Manager bei Procter & Gamble lernte er in Städten wie Kairo und London das Einmaleins des Produkt- und Brandmanagements kennen. Der US-Konzern gilt als Vater des Markenmanagements, eine Aufnahme in die heiligen Hallen der Werbeabteilung war nicht selbstverständlich. Der hochmotivierte junge Mann bestand sofort. Dabei war der Aufstieg in die Markenwelt alles andere als vorprogrammiert.

»Nach der Matura fasste ich den einzig richtigen Entschluss, das zu machen, was Spaß macht«, blickt er zurück. »Aus meiner Liebe zum Schreiben wuchs der Wunsch, Journalist zu werden.« In Kombination mit dem sportlichen Interesse – der gelernte Österreicher bestritt Leichtathletikbewerbe und Skirennen und ist ausgebildeter ÖSV-Trainer – war die Ideallaufbahn vorgegeben: Sportjournalismus. Also inskribierte der begeisterte Sportler in seiner Heimatstadt Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Sportwissenschaft. Nach seinem Doktoratsstudium setzte er die akademische Ausbildung mit einem MBA-Lehrgang in den USA fort, arbeitete in der Pressestelle von UNO-Generalsekretär Pérez de Cuéllar. Und wechselte schließlich auf die andere Seite des Journalismus – zu Public Relations und Werbung. »Ich fand weniger Gefallen daran, nur darüber zu berichten, als selbst das zu tun, wo­rüber berichtet wird«, so die einfache Logik.

Ametsreiter ist heute nach Telekom-Austria-General Boris Nemsic zweitmächtigster Mann im Konzern und steht nun vor der Aufgabe, bislang Unmögliches zu vollbringen. Der Incumbent kämpft seit Jahren mit chronischen Leiden, die den Blick auf das Gewinnwachstum trüben. Die eine Baustelle, der unflexible Beamtenapparat, ist innerhalb der TA nicht lösbar, sondern eine politische Angelegenheit. Bei der anderen Aufgabe jedoch hat Nemsic den richtigen Mann zum richtigen Zeitpunkt gefunden. Der Festnetztelefoniemarkt ist derart brutal von den Mobilfunkern vermöbelt worden, dass nun der Regulator beide Augen zudrückt und die TA gewähren lässt. So hatte Ametsreiters bislang bester Wurf in der Telekom Austria schon zum Weihnachtsgeschäft 2007 erfolgreich eingeschlagen. Mit seinem »Baby«, dem Kombipaket, wurden erstmals in der Unternehmensgeschichte Festnetz, Mobilfunk und Breitbandinternet gebündelt unter einem Auftritt verkauft.

Auch wenn mit seiner Bestellung zum Festnetzvorstand der Bock zum Gärtner gemacht wurde – schließlich gilt die erfolgreiche mobilkom-Sparte heute noch bei der defizitären Festnetzschwester als »Diva« – dem Festnetz schadete das einheitliche Markenauftreten mit dem Mobilfunk keineswegs. Dank des Kombipakets gab es im Festnetz erstmals seit fünf Jahren wieder einen Kundenzuwachs. Das bringt Ametsreiter auch die Sympathie der Festnetzmannschaft ein: Ihr Produkt wird nun wieder nachgefragt und gilt etwas.

Hannes Ametsreiter ist verheiratet und Vater einer 13 Monate alten Tochter. Menschen, die ihn geprägt haben, sind neben seinen Eltern – »sie haben mir die Leistungsorientierung mitgegeben« – zwei Manager aus Österreich. Zum einen schätzt er den im September 2007 verstorbenen langjährigen Ogilvy-CEO Wolfgang Slupetzky, zum anderen Josef Sigl, Chef der Salzburger Privatbrauerei Sigl, beide Querdenker und geniale Marketiers. »Sie haben alles stets hinterfragt, nichts für selbstverständlich hingenommen.«

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