Friday, May 22, 2026

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Google hat weltweit über eine Milliarde Computer ungefragt in lokale Depots für Funktionen seiner KI-Produktpalette verwandelt. Wie der Sicherheitsexperte und Blogger Alexander Hanff Anfang Mai aufgedeckt hat, lädt der Chrome-Browser im Hintergrund ein 4 Gigabyte großes KI-Modell namens »Gemini Nano« auf die Festplatten der Nutzer herunter – ohne Pop-up, ohne Warnung und ohne explizite Zustimmung.

Bild: iStock

Die Datei mit dem Namen weights.bin versteckt sich tief in den Profilordnern des Brow­sers. Neben den rechtlichen Bedenken aus DSGVO-Sicht weist Hanff auf ökologische Folgen durch diesen Prozess hin. Allgemeinen Berechnungen zufolge verursacht ein Netzwerktransfer von 1 GB Daten energetisch rund 60 Wh. Bei Hunderten Millionen betroffener Rechner summiert sich ein 4-GB-Download so auf ein globales Volumen in Exabyte-Höhe. Und das für eine Funktion, die die meisten Nutzer*innen nicht bestellt haben.

Auch für Daniel Wallner, Head of Software Development and AI bei msg Plaut, ist das Vorgehen von Google technologisch zwar nachvollziehbar, aber ethisch und regulatorisch bedenklich. Er kritisiert, dass den Nutzer*innen kein »Opt-in« für den Download angeboten wird. Besonders für Unternehmen stellt diese »stille Installation« eine Herausforderung für die IT-Governance dar. Während Unternehmenskunden bei anderen KI-Lösungen wie dem Microsoft Copilot jedes Modell lizenzieren, einzeln evaluieren und durch Sicherheitsprüfungen schicken, würden hier technische Funktionen am offiziellen Governance-Prozess eines Unternehmens vorbeigeschleust werden. Wallner zieht einen Vergleich zur aktuellen Handhabung von Datenschutzrichtlinien: Während Webseitenbetreiber bereits für Cookies Zustimmungsdialoge einrichten müssen, agiert der Marktführer bei Browsern im großen Stil eigenmächtig.

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Daniel Wallner, msg Plaut: "Das Vorgehen von Google ist technologisch nachvollziehbar, aber regulatorisch bedenklich."

Ein einfaches Löschen der Datei bringt wenig, da Google den Speicherplatz automatisch wieder belegt. Wer die Kontrolle zurückgewinnen möchte, muss tief in die Konfiguration eingreifen. Über den Befehl chrome://flags in der Adressleiste muss nach dem Eintrag »Optimization Guide On Device Model« gesucht und dieser explizit deaktiviert werden. Erst nach einem Neustart des Browsers bleibt die Festplatte dauerhaft von den 4-GB-Gewicht befreit.

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