Donnerstag, Juni 25, 2026

Mehrwert für Manager

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Viele Unternehmen streichen Einstiegspositionen in der IT-Sicherheit – mit dem Argument, KI übernehme diese Aufgaben ohnehin. Ein gefährlicher Trugschluss. Denn wer heute die Talent-Pipeline kappt, hat morgen niemanden, der die wachsende Komplexität beherrscht.

Illustration einer Verknüpfung der Themen KI und Sicherheit in der IT.
Bild: iStock

Die globale Fachkräftelücke in der Cybersicherheit liegt bei rund vier Millionen unbesetzten Stellen. Wer jetzt Junior-Rollen streicht, schließt diese Lücke nicht. Er vergrößert sie aktiv. Kurzfristig wirkt ein solcher Stellenabbau effizient. Langfristig erzeugt diese Maßnahme operative Fragilität. Ohne Nachwuchskräfte bricht die Karriereleiter zusammen. Es fehlen die Mitarbeiter, die fachliche Expertise  aufbauen, Intuition entwickeln und in zwei, drei Jahren Senior-Positionen übernehmen. Die Folge ist vorhersehbar: Unternehmen werben sich gegenseitig die wenigen erfahrenen Köpfe ab. Gehälter steigen, Teams schrumpfen und Security-Abteilungen arbeiten mit Minimalbesetzung. Ausgerechnet dann, wenn die Anforderungen wachsen.

KI vergrößert den Aufgabenbereich – nicht das Team
Ein verbreiteter Denkfehler lautet: KI automatisiert Routineaufgaben, also werden weniger Mitarbeitende benötigt. In der Praxis passiert das Gegenteil. KI beschleunigt zwar bestimmte Tätigkeiten, gleichzeitig erzeugt sie neue Bedrohungsmodelle, Governance-Anforderungen und Angriffsflächen, die menschliches Urteilsvermögen erfordern.

Die Arbeit wird nicht weniger. Sie wird anders. Jede automatisierte Analyse erzeugt Ergebnisse, die jemand bewerten, einordnen und in Maßnahmen übersetzen muss. Jedes neue KI-Tool im Unternehmen braucht eine Risikoeinschätzung. Jede generative Anwendung wirft Fragen zu Datenabfluss, Compliance und Missbrauch auf. Automatisierung hilft, diese Mehrbelastung zu bewältigen. Aber sie führt nicht dazu, dass weniger Mitarbeitende gebraucht werden.

Nachwuchskräfte sind die natürlichen KI-Navigatoren
Neue Technologien setzen das Spielfeld neu. Wer mit ihnen aufwächst, entwickelt Instinkte, die sich Erfahrene erst bewusst aneignen müssen. Laut aktuellen Erhebungen nutzen bereits 93 Prozent der Generation Z regelmäßig zwei oder mehr KI-Tools pro Woche.

Diese Offenheit ist kein nettes Extra – sie ist ein strategischer Vorteil. Berufseinsteiger experimentieren schneller mit neuen Werkzeugen. Sie hinterfragen eingespielte Prozesse. Und sie bringen genau die Denkweise mit, die Security-Teams brauchen, wenn sich Bedrohungen, Tools und sogar die Definition von „Nutzer" gleichzeitig verändern.

Deshalb ist es entscheidend, Nachwuchskräften von Anfang an anspruchsvolle Aufgaben mit KI-Bezug zu geben: Threat Modeling, KI-Governance-Reviews, Anbieter-Bewertungen, forensische Übungen. Das sind keine Nebenschauplätze, sondern Felder, auf denen sich die Zukunft der Security entscheidet.

Was CISOs jetzt tun sollten
Wer die Talent-Pipeline schützen will, braucht keine großen Programme. Vier Hebel machen den Unterschied: 

  1. Einstiegspositionen als strategische Priorität behandeln – nicht als erster Bereich mit Sparpotenzial. Wer heute nicht einstellt, hat in fünf Jahren niemanden für Führungsrollen. 
  2. Nachwuchskräften echte Verantwortung in KI-nahen Themen geben – Wer nur zuarbeiten darf, lernt nicht, eigenständig zu urteilen. 
  3. KI als Entwicklungsbeschleuniger nutzen – nicht als Ersatz für Mentoring. KI kann Daten zusammenfassen und Hypothesen generieren. Sie kann aber nicht lehren, wie ein Verteidiger zu denken. 
  4. Eine Kultur etablieren, die „Sicher ermöglichen statt verhindern" als Grundhaltung lebt – Dieses Mindset schafft Vertrauen und gibt Talenten den Raum, sich frei zu entfalten und zu wachsen.

Fazit
KI wird die Security-Branche verändern – grundlegend sogar. Aber sie wird nicht die Menschen ersetzen, die zwischen den Zeilen lesen – in Logs, in Verhaltensmustern, in Risiken, die erst im Kontext sichtbar werden. Wer heute das Fundament seiner Organisation aushöhlt, spart nicht. Er schafft Teams, die unter Druck weder skalieren noch verteidigen können. Security war immer eine Disziplin, in der Menschen den Unterschied machen. Das wird sich nicht ändern. Im Gegenteil.


Über den Autor

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James Robinson ist CISO bei Netskope. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Sicherheitstechnik, -architektur und -strategie. Seine Spezialisierung sind Dienstleistungen und Lösungen, die Führungskräften helfen, ihre Sicherheitsstrategien mithilfe von Innovationen zu verändern. Bevor er 2018 zu Netskope kam, hatte Robinson Führungspositionen bei diversen Fortune-500-Unternehmen inne.

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