Montag, September 14, 2026

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AI wird uns alle töten - solche Warnungen aus dem Mund früherer AI-Forscher sorgen aktuell für Aufregung. Dabei nützt die Aufregung der Branche mehr, als sie zu beschädigen. 

Illustration eines Menschen vor einem Riesenschriftzug "AI"
Bild: iStock

AI-Agenten, die sich koordinieren, um zielgerichtet und heimlich Computersysteme zu hacken, frühere AI-Forscher, die sich mit plakativen Warnungen vor diversen Apokalypsen an die Weltöffentlichkeit richten, der Ruf nach Regulierung vonseiten der Proponenten selbst - in Sachen künstliche Intelligenz kochen die Emotionen über. Wie auch nicht, wenn angeblich die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht?

Cory Doctorow, Tech-Journalist, Autor und Mitgründer der NGO Electronic Frontier Foundation, hat einen passenden Begriff für diese emotionale Kommunikationsstrategie geprägt: „Criti-Hype“, also die Verknüpfung verkaufsfördernder Marketingbehauptung und vordergründiger Kritik am (eigenen) Produkt, ist ein mächtiges Instrument zur weiteren Bewerbung einer Technologie, die als Billionengrab die Weltwirtschaft zunehmend in Geiselhaft hält. Die Gefahr, die vom eigenen Produkt ausgeht, ist so argumentiert der Beweis von dessen Fähigkeiten und für das noch zu erwartende Potenzial - wer würde da nicht weiterhin in diese mächtigste Zukunftstechnologie investieren wollen? Ob die diversen Frontier-Models tatsächlich ihren exponentiell wachsenden Kosten entsprechend leistungsfähiger werden, gerät dabei aus dem Blickfeld, wenn die an die Wand gemalte Apokalypse nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern gleich die gesamte menschliche Existenz bedroht.

Reguliert uns!
Dazu passt auch der Ruf nach Regulierung der eigenen Branche: Doctorow sieht darin nüchtern ein Mittel der marktbeherrschenden Industriegrößen, ausländische und lokal betriebene Modelle - vornehmlich aus China - zu verdrängen und neuen KI-Firmen den Marktzugang zu erschweren, um das Monopol der etablierten Abo-Anbieter abzusichern. Praktischer Nebeneffekt: Wenn, wie Kritiker seit Jahren postulieren, mit den Mitteln aktueller generativer AI das Fernziel AGI, also allgemeiner künstlicher Intelligenz, dann doch nicht in Reichweite sein sollte, lässt sich das als Folge dieser Regulierungsrahmens entschuldigen.

Der Journalist und AI-Kritiker Ed Zitron beleuchtet in seinen Analysen die finanziellen Aspekte dieser längst ins Irrationale gekippten Aufregungsspiralen. Er postuliert schon seit längerem provokant, dass OpenAI und Anthropic keine „echten“ Startups mit funktionierendem Geschäftsmodell seien, sondern auf Mythologie und Hype aufgebaute Konstrukte, die ausschließlich von Hyperscaler-Kapital getragen werden - die Sicherheits-Gefahren-Rhetorik sei Teil dieser Mythologie und ein weiteres Anzeichen einer Blase, deren Platzen unmittelbar bevorsteht. 

Bittere Ironie, dass die medial befeuerte Angst vor der AI-Apokalypse den Blick auf das real im Zeitraffer stattfindende Weltuntergangsszenario der Klimakatastrophe verstellt. Dass ChatGPT & Co die Welt noch rechtzeitig davor retten würden, trauen sich ihre Macher übrigens vielsagenderweise nicht mehr zu behaupten.

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