Sonntag, April 14, 2024

Grünes Gas könnte als erneuerbare Alternative Österreichs Haushalten dabei helfen, 80 Milliarden Euro zu sparen, argumentiert die Allianz Grünes Gas. Die Organisation fordert daher den raschen Ausbau von Grünem Gas in Österreich.

Titelbild: Wirtschaftsforscherin Anna Kleissner, Geschäftsführerin der Econmove GmbH und Manfred Denk, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, plädieren für die Umstellung auf Grünes Gas - anstelle einer kompletten Umrüstung der Gasheizungsanlagen. (Credit: Ludwig Schedl) 

Mehr als eine Million Gasheizungen halten derzeit Häuser, Wohnungen und Gewerbebetriebe in Österreich warm. Intakte Gasheizungen jetzt auszutauschen, wäre für die meisten Betroffenen nicht nur finanziell problematisch, sondern hätte auch gesamtwirtschaftliche Folgen. „Der Tausch der Heizungen und vor allem der damit verbundene notwendige Umbau der Häuser und Wohnungen kostet mindestens 80 Milliarden Euro“, errechnet die Wirtschaftsforscherin Anna Kleissner, Geschäftsführerin der Econmove GmbH, in einer Studie.

Werde die Teuerung der kommenden Jahre eingepreist, seien es gar bis zu 100 Milliarden Euro - oder umgerechnet bis 2040 jedes Jahr Belastungen von jedenfalls fünf Milliarden Euro. Denn für den Einsatz einer neuen Luft-Wärmepumpe müsste ein Gebäude technisch auf den letzten Stand der Technik gebracht werden. Inklusive etwaiger baulichen Veränderungen am Gebäude (thermische Sanierung), um den gewünschten ökologischen Effekt zu erhalten. „Die kostenintensive Umrüstung wird bei Gebäuden, die vor 1980 errichtet wurden, zur Komplettsanierung“, erläutert Kleissner.

„Die Absichten der Politik für die Energiewende sind nachvollziehbar, aber nicht zu Ende gedacht“, so die Ökonomin weiter. Denn auch die Alternative Fernwärme wird zu einem erheblichen Teil aus Gas hergestellt. Auch wer mit einer Luftwärmepumpe – die bei kalten Temperaturen zur reinen Stromheizung mutiert – heizt, der heizt indirekt mit Gas, zumal die erneuerbaren Energien wie etwa Sonnenenergie oder Wasserkraft im Winter nicht ausreichend vorhanden sind - und wieder Gaskraftwerke die Stromlücke füllen müssten. Daher rät Kleissner zur Beibehaltung von gasbetriebenen Heizsystemen in Kombination mit dem flächendeckenden Umstieg auf Grünes Gas.

Saubere Alternative?

Grünes Gas wie Biomethan wird aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und besitzt dieselben Eigenschaften wie fossiles Gas. Damit könnten Gasheizungen ohne teuren Umbau und Heizsystemtausch mit Grünem Gas klimaneutral weiter betrieben werden, und der Bevölkerung bliebe eine Kostenlawine erspart. Unterstützt wird dieser Ansatz von der Allianz für Grünes Gas, ein Zusammenschluss von Energieversorgern, Hausverwaltungen, Installationsbetrieben und Unternehmen der Branche. Der Verband pocht auf den raschen Ausbau von Grünem Gas in Österreich.

So argumentiert auch IManfred Denk, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker: „Wir brauchen keine neuen Heizungen, sondern den erneuerbaren Brennstoff aus Österreich: Also Grünes Gas ‚Made in Austria‘, denn die eingebauten Gasgeräte können das sehr effizient verbrennen. Die Geräte im Haushalt lassen sich also mit Grünem Gas wie gewohnt nutzen.“ Auch von Seiten der Rauchfangkehrer kommt Unterstützung: Christian Plesar, Bundesinnungsmeister der Rauchfangkehrer, meint: „Ein mit Grünem Gas betriebenes Brennwertgerät gilt in der Heizungstechnik als eine der saubersten und umweltfreundlichsten Heizungen. Es emittiert keinen Feinstaub und keine schädlichen Kohlenwasserstoffe und weist einen Wirkungsgrad von etwa 95 Prozent auf.“ Hinzu kommt: Gerade in Städten sei eine Heizungsumstellung durch bestehende Bauordnungen schwierig. Dabei geht es vor allem um den erforderlichen Platzbedarf und einzuhaltenden Lärm- und Schallschutz einiger alternativer Heizungsarten.

Potenzial für Österreich

Laut der Studie von Anna Kleissner verursacht ein Gasheizungsverbot enorme volkswirtschaftliche Kosten, die schlussendlich auf den Schultern der Konsument*innen lasten werden: „Wer eine neue Gasheizung zuhause hat, sieht nicht ein, warum sie herausgerissen werden muss, obwohl sie einwandfrei funktioniert und genauso gut mit Grünem Gas betrieben werden kann“, sagt Johannes Wild, Berufsgruppensprecher der Immobilienverwalter (WKÖ). „Bedrohungsszenarien für vom Gasheizungsverbot Betroffene durch im Raum stehende exorbitante Umrüstungskosten müssen endlich ein Ende finden“, sagt Wild.

Das Potenzial für Biomethan hingegen betrage bis zu vier Milliarden Kubikmeter, für österreichischen Grünen Wasserstoff errechnet die Allianz für Grünes Gas mit mehr als 1,5 Milliarden Kubikmetern im Jahr. Mit diesen Mengen könne der Bedarf der Gasheizungen in Österreich (rund 1,6 Milliarden Kubikmeter) problemlos ohne Abhängigkeit vom Ausland gedeckt werden. Und auch vor dem Hintergrund stark gestiegener Preise für fossiles Gas sind Investitionen in den Ausbau der österreichischen Biogasproduktion sinnvoller denn je. Die Produktion von Biomethan war im Inland zuletzt günstiger als der Import von fossilem Erdgas - der Ausbau zahle sich also aus.

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