Sonntag, Oktober 02, 2022
Leo Windtner, Direktor der Energie AG Oberösterreich, plädiert für gezielten Ausbau der Wasserkraft. Zugleich könne aber nur ein Mix mit fossilen und erneuerbaren Energieformen die Versorgung in Zukunft sicherstellen.

„Auf die Energiewirtschaft kommen in den nächsten Jahren gewaltige Herausforderungen zu“, ist Leo Windtner, Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich überzeugt. Einerseits mache das von der EU vorgegebene Klimaziel „20-20-20“, das einen Anteil der erneuerbaren Energieträger von 20% am gesamten Energieaufkommen bis zum Jahr 2020 festlegt, einen massiven Ausbau der „Neuen Erneuerbaren“ Wind, Biomasse, Photovoltaik und Geothermie notwendig – und das besonders in Österreich, wo das Ziel unter Berücksichtigung der Wasserkraft bei 34% liegt, der Anteil derzeit aber bei knapp über 23% liegt. Auf fossile Energieträger könne man nicht verzichten, so Windtner: „Die Versorgung wird nur mit einem Mix aus verschiedenen Energiequellen möglich sein“, zeigt sich der Energie AG-Vorsitzende überzeugt. Wichtig sei es daher, rasch über die Phase der Pilotprojekte im Bereich der Alternativenergien hinauszukommen. Das größte Potenzial misst Windtner der Geothermie entlang der österreichischen Thermenlinie und der Biomasse zu, weniger Zuwachs sieht er beim Wind, die Photovoltaik werde hauptsächlich für den privaten Eigenverbrauch interessant sein. Daher bleibt laut Windtner die Wasserkraft die Stütze der heimischen Energieversorgung und plädiert für deren Ausbau. Das Ausbaupotenzial für die Wasserkraft in Österreich schätzt er, unter Berücksichtigung ökologischer Kriterien, bei zusätzlich 13 Terawattstunden (TWh) elektrischer Energie. Derzeit werden in Österreich mit Hilfe der Wasserkraft rund 42 TWh erzeugt. Dass die Energie AG heuer um 650 GWh weniger Strom verkauft hat als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, sei zwar einzigartig, aber auf den Konjunkturabschwung im Industrieland Oberösterreich zurückzuführen. Springt die Konjunktur wieder an, werde der Bedarf wieder auf das ursprüngliche Niveau steigen, ist Windtner überzeugt.

Knackpunkt Speicherung.
Hauptproblem bei der Erzeugung von Strom ist und bleibt die Speicherung im Bereich der alternativen Energieformen wie Wind oder Sonne. Während da im Bereich der Elektromobilität intensiv an Lösungen geforscht wird – auch die Energie AG stellt demnächst den Prototyp eines Elektroautos vor – hat die Wasserkraft mit den Pumpspeicherkraftwerken auf diesem Gebiet bereits einen entscheidenden Vorteil. Fehlende Kapazitäten können damit ausgeglichen werden, wenn aufgrund niedriger Wasserstandsmengen weniger Strom erzeugt wird. „Wir brauchen diese Kapazitäten zum Zuschalten“, plädiert Windtner daher für ein stärkeres Heranziehen dieser Technologie.
Der Notwendigkeit, die Energieversorgung in Zukunft stärker auf einen Energiemix auszurichten, hat die Energie AG einige Projekte im Bereich alternativer Energieformen gestartet. Neben einer gemeinsam mit der ehemaligen VA Tech Hydro (heute Siemens) für Wasser-Laufkraftwerke entwickelten Straflo-Matrix-Turbine, bei der das Laufrad gleichzeitig als Rotorträger dient, wird in Ried das größte Geothermieprojekt Österreichs in der ersten Ausbaustufe rund 55 GWh Wärmeenergie liefern, im Vollausbau sind 90 GWh geplant, womit auch die Erzeugung von Strom möglich wäre. Auch wenn mit der Photovoltaik laut Windtner „keine großen Sprünge“ zu machen seien, will die Energie AG mit einem Pilotprojekt in Eberstalzell bei Seewalchen in diese Technologie investieren. 2010 soll das Sonnenkraftwerk auf einer Fläche von 6,5 Hektar 1000 MWh Strom liefern. Damit werde die größte Photovoltaik-anlage Österreichs in Betrieb gehen, so Windtner. Die geplanten Baukosten belaufen sich auf 6,5 Millionen Euro. Erprobt werden sollen unterschiedliche Paneeltechniken, wie Dünnschicht- und Kristallinmodelle zur Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie. Die Fassade der neuen Zentrale der Energie AG produziert über eine 638 m2 große Kollektorfläche 42.000 kWh Strom pro Jahr, der den Energiebedarf des Konzerns komplett deckt.

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