Thursday, February 19, 2026

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Von tanzenden Eisbären und fallenden Imperien

Kaiser Franz Joseph von Österreich (Bild: iStock) Wie konnte es passieren, dass ein Kaiserreich so plötzlich unterging?

Viele unserer Leser*innen werden es noch nicht wissen, deshalb stelle ich es ein für allemal klar: Ich komme aus dem Defereggental, einem kleinen Bergdörfchen, umgeben von stolzen 3.000ern und bewohnt von Menschen, die jeden Tag daran erinnert werden, wie sehr sie dieser Urkraft der rauen Natur ausgeliefert sind. Für Hochmut ist da kein Platz. Die Bewohner*innen leben in einem permanenten Zustand des Staunens über die Schöpfung, ihre Schönheit und gleichzeitig über ihre Brutalität. Dieses Tal ist schön und hässlich zugleich.

Wer in dieser Welt aufgewachsen ist und sie einmal verlässt, nimmt das Bewusstsein dieser Ambivalenz mit, genauso wie die nie endende Fähigkeit darüber zu staunen. Seit ich als Student nach Wien gekommen bin, staune ich, und höre bis heute nicht auf damit. Jedes Mal wenn ich an der Wiener Ring­straße entlanggehe, vorbei an diesen wunderbaren Gebäuden, der Universität, dem Rathaus, dem Burgtheater, dem Kunst- und Naturhistorischen Museum, bin ich beeindruckt von der Energie dieser architektonischen Kunstwerke, die entstanden sind innerhalb weniger Jahrzehnte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

Wien war damals eine große Baustelle. Und ich, im Herzen der kleine Bergbauernbub, male mir aus, wie damals das Selbstverständnis der Wiener gewesen sein muss. Was für ein Reich, das seinen Wohlstand auf so monumentale Weise manifestierte und das Bild der Stadt binnen kurzer Zeit so wandelte. Erfolg, Selbstbewusstsein, Macht: Das signalisieren diese kraftstrotzenden Prunkbauten.

Vergangenheit verstehen

Seit ich als 18-jähriger den Fuß zum ersten Mal in die Alma Mater Rudolphina setzte, begleitet mich eine Frage: Wie konnte es passieren, dass ein Kaiserreich am Höhepunkt seiner Macht den direkten Weg in Richtung Untergang wählte. Was war es, das innerhalb eines halben Jahrhunderts den fulminanten Aufstieg dieser Metropole völlig umdrehte. Vom kraftstrotzenden Kaiser zum blutleeren Bettler innerhalb einer Generation: Warum?

Ich stelle diese Frage immer wieder und bekomme immer wieder höchst gebildete Antworten. Bis heute hat mich keine wirklich überzeugt. Aber was jetzt in Europa passiert, erlaubt mir vielleicht, das Rätsel zu lösen und die Vergangenheit besser zu verstehen. Da ist ein Brüssel, das sich als Friedensobjekt präsentierte und sich der gigantischen Errungenschaft brüstete, endlich aus den über Jahrhunderte verfeindeten Deutschen, Franzosen und Briten Freunde gemacht zu haben. Heute sind die Brüsseler Friedensapostel zu Waffenschiebern geworden und sammeln Panzer, Raketen, Granaten und demnächst Flugzeuge, um es den Russen einmal so richtig zu zeigen, wie damals den Serben. Damals schrieben die Gazetten »Serbien muss sterb(i)en« und Wien begann die Strafaktion gegen die Slawen in der Überzeugung, in wenigen Wochen sei die Sache erledigt.

Wir sind jetzt im 16. Monat des europäisch-amerikanischen Stellvertreterkrieges gegen Russland. Brüssel und Washington liefern das Kriegsmaterial und das Geld und tun alles, um Moskau auf seinen angestammten Platz zu verweisen. Außer Sterben, das ist die Sache der Ukrainer*innen. Wie sagt man doch in Washington: Our bullets, their blood.

Russland werde unter der Last der Sanktionen binnen weniger Wochen zusammenbrechen, hieß es im März 2022. Die Munition werde ihnen ausgehen und wenn erst aus allen Waschmaschinen die letzten verbleibenden Chips ausgebaut seien, dann hörten die Kampfflugzeuge auf zu fliegen und die Kanonen blieben stumm.

Alles, was Washington und Brüssel über den Krieg in der Ukraine sagen, ist falsch. Bocksbeinig bleiben sie aber bei ihrer Erzählung und glauben, die Lüge wird durch Wiederholung wahr. Das tut man so lange, bis am Ende vom Imperium nichts mehr übrig bleibt. Vielleicht hat man das damals in Wien auch so gemacht.


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