Sonntag, Oktober 11, 2026

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Hälfte des Marktes?

Wie der Ausschluss von Technologieanbietern vom Mobilfunkmarkt Schaden für den Wirtschaftsstandort verursacht.

Westliche Werte vs. Dominanz aus China – darum geht es im Hintergrund aktueller politischen Bestrebungen in der EU, Anbietern wie Huawei und ZTE Technologielieferungen für europäische 5G-Märkte zu erschweren. Während über Jahre keine Bedenken zu Sicherheitsfragen bei einzelnen Lieferanten geäußert wurden, hat sich EU-Kommissar Thierry Breton im Sommer 2023 dafür ausgesprochen, den Zugang zu den Kern- und Zugangsbereichen – »Radio Access Networks« (RAN) – für Unternehmen einzuschränken, die als Hochrisikolieferanten gelten.

Als hochriskant gilt demnach jemand, der diskriminierenden Gesetzen von Drittländern über nationale Nachrichtendienste und Datensicherheit unterworfen ist. Es ist ein spannender Punkt, ist doch bislang vor allem die USA in den Blickpunkt von Veröffentlichungen zu Datenschutzverletzungen und Massenüberwachung gerückt. Mögliche Hintertüren oder eingeschränkte Kryptografie-Codes bei gängigen Verschlüsselungsstandards wie dem RSA-Verfahren wurden bereits 2013 bekannt und die großen US-Cloud- und Business-Softwareanbieter analysieren generell Inhalte von Dokumenten und Mails in ihren Datencentern – aus Sicherheitsgründen. Für das große Aufwachen hatte dann der Whistleblower Edward Snowden gesorgt, der Überwachungspraktiken der NSA und von anderen Geheimdiensten der westlichen Welt offengelegt hat.

Lieferanten wie Huawei betonen, den Source Code ihrer Softwarelösungen und Hardware Regierungen in Europa offenzulegen. Man habe nichts zu verbergen und sei für jegliche Sicherheitsprüfungen – die auch regelmäßig durchgeführt werden – offen. Nun ist der Ausrüstermarkt für 5G-Netze auf wenige Hersteller reduziert, allen voran Nokia, Ericsson, Huawei und ZTE. Alle vier stecken enorme Summen in die Forschung und Weiterentwicklung einer Technologie, die bereits unsere Gesellschaft und Wirtschaft prägt. 

Und die datenbasierte Welt wird weiter wachsen, mit autonomen Fahrzeugen, einer vernetzten Industrie, sozialen Netzen und Anwendungen für die Zusammenarbeit. Wenn nun die Hälfte eines Marktes per Definition ausgeschlossen wird, ist das eine einfache Rechnung für die Innovationskraft einer Wirtschaftsregion. Eine Auswertung der Europäischen Kommission (»5G Observatory Report«) aus diesem Jahr zeigt, dass EU-Staaten, die den Ausschluss einzelner 5G-Ausrüster durchgesetzt haben, im Digitalisierungsvergleich bereits zurückliegen.

Es gehört zum guten Ton im internationalen Handel, Unternehmen in jenen Ländern zu gründen und Menschen dort zu beschäftigen, in denen man tätig ist – inklusive dem Betrieb von Forschung, Entwicklung und Produktion. Das tun europäische Unternehmen in China ebenso wie beispielsweise Huawei hierzulande. Die großen Herausforderungen in unserer Welt werden nur gemeinsam gelöst werden können.

Die Datenkraken heute sind die App-Betreiber – und nicht die Netzanbieter.

Bild: iStock

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