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Zu dunkel geplant
Rund jede sechste Person in Österreich gibt laut aktuellem „Future of Home Report“ an, zu Hause zu wenig Tageslicht zu haben. Dachfensterhersteller VELUX kritisiert, dass sich die Tageslichtplanung hierzulande zu stark an der OIB-Richtlinie 3 orientiert, statt die präzisere ÖNORM EN 17037 heranzuziehen.
v.l.n.r. Christina Brunner (Tageslichtexpertin, VELUX Österreich), Heinz Hackl (Raumklimaexperte, VELUX Österreich), Renate Hammer (Geschäftsführerin des Institutes of Building Research & Innovation), Robert Lechner (Leitungsteam klimaaktiv Gebäude) © Semrad
Ausreichend Fensterfläche bedeutet nicht automatisch ausreichend Tageslicht. Aus Sicht der Expert:innen zeigt sich hier eine Lücke zwischen einfacher Nachweisbarkeit und tatsächlicher Wohnqualität. Für die Bau- und Immobilienwirtschaft wird Tageslicht damit zu einer Frage von Planungsqualität, Nutzungsqualität und langfristiger Gebäudequalität.
Den Ausgangspunkt liefert der von VELUX präsentierte „Future of Home Report 2026“. Laut Report berichten 42 Prozent der Österreicher:innen von negativen Auswirkungen durch zu wenig Tageslicht auf die körperliche Gesundheit, 35 Prozent sehen ihre mentale Gesundheit belastet. Bei den 18- bis 29-Jährigen klagen 40 Prozent über Produktivitätsverluste.
Wenn Nachweis und Nutzung auseinanderfallen
Die OIB-Richtlinie 3 regelt die natürliche Beleuchtung. Demnach muss die Architekturlichte der Fenster mindestens zwölf Prozent der Bodenfläche eines Raumes betragen. Der Vorteil liegt in der einfachen Überprüfbarkeit. Genau diese Einfachheit zeigt aus Sicht der Expert:innen jedoch ihre Grenzen. Denn ob ein Raum gut mit Tageslicht versorgt ist, hängt nicht allein von der Fensterfläche ab.
Entscheidend sind Raumtiefe, Fensterposition, Verschattung durch Balkone, Loggien oder Nachbargebäude, Glasqualität und die Helligkeit der Innenoberflächen. Ein Raum kann formal ausreichend belichtet sein und dort dennoch zu dunkel bleiben, wo Menschen wohnen, arbeiten, lernen oder sich länger aufhalten.
Vom Fenstermaß zur Raumqualität
Die europäische Tageslichtnorm ÖNORM EN 17037 bewertet anstelle der reinen Fensterfläche die tatsächliche Lichtversorgung im Raum. Als Referenzwerte werden unter anderem 300 Lux auf 50 Prozent der berechneten Fläche während 50 Prozent der Tageslichtstunden sowie 100 Lux als Mindestwert auf 95 Prozent der Fläche herangezogen.
Heinz Hackl, Raumklimaexperte bei VELUX Österreich, kritisiert: „Gute Tageslichtversorgung darf kein Zufall sein. Die OIB-Richtlinie 3 arbeitet mit relativen Werten und bildet die tatsächliche Tageslichtqualität im Raum nur begrenzt ab. Die Tageslichtnorm EN 17037 ist hier deutlich besser, wird aber in der Praxis von Planer:innen viel zu selten angewandt.“
Tageslicht als Planungsparameter
Christina Brunner, Tageslichtexpertin bei VELUX Österreich, ordnet Tageslicht als Gesundheitsfrage ein: „Unser Zuhause sollte ein Ort sein, der uns stärkt und nicht schwächt. Mangelndes Tageslicht führt zu negativen gesundheitlichen Folgen und sollte daher bereits bei der Gebäudeplanung unbedingt bedacht werden.“
Für eine frühzeitige Bewertung verweisen die Expert:innen auf digitale Simulationen und analoge Planungshilfen. Digitale Simulationen wie der VELUX Daylight Visualizer machen Lichtverhältnisse bereits in der Entwurfsphase sichtbar. Eine neue Planungshilfe soll zusätzlich eine rasche Einschätzung ermöglichen.
Renate Hammer, Geschäftsführerin des Institute of Building Research & Innovation, bringt den Anspruch auf den Punkt: „Tageslicht ist grundlegend für die Gesundheit, ähnlich wie frische Luft oder Wasser. Umso wichtiger ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in Planung, Baupraxis und Gebäudenutzung zu übersetzen.“
Die Debatte dreht sich damit weniger um größere Glasflächen als um präzisere Planung. Entscheidend ist, ob ausreichend Tageslicht dort ankommt, wo Räume tatsächlich genutzt werden.
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