Montag, Oktober 19, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

In Wien fand die Neujahrstour der Gewerkschaft Bau-Holz ihren vorläufigen Höhepunkt. Mehr als 200 Gäste folgten der Einladung zur äußerst prominent besetzten Veranstaltung zum Thema "Rot-Weiß-Rot bauen". 

Rot-weiß-rot bauen im Einklang mit dem Vergaberecht

Mit über 200 Gästen verzeichnete das traditionelle Neujahrstreffen der Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) in Wien am 26. Jänner 2026 einen neuen Rekord. Damit war Wien nicht nur die bislang bestbesuchte Station der GBH-Neujahrstour 2026, sondern auch inhaltlich deren Mittelpunkt. Im Fokus stand die Initiative „Rot-Weiß-Rot bauen – Aus Verantwortung. Für morgen. Für alle.“, mit der die GBH ein klares Bekenntnis zu regionaler Wertschöpfung, Beschäftigungssicherung und qualitätsorientierten Vergaben einfordert. Einen Forderungskatalog an die Regierung wird die Gewerkschaft im Februar präsentieren. 

Vergabeexperte Martin Schiefer stellte schon jetzt klar, dass rot-weiß-rote Vergaben rechtlich möglich sind und die notwendigen Instrumente bereits im geltenden Vergaberecht vorhanden sind. Entscheidend sei der Mut der Auftraggeber, diese Spielräume konsequent zu nutzen und Qualität, Regionalität, soziale und ökologische Kriterien verbindlich zu verankern. Bei Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz, rannte Schiefer damit offene Türen ein. "Öffentliche Aufträge dürfen nicht länger nach der Logik des billigsten Angebots vergeben werden, sondern müssen dort wirken, wo sie Arbeitsplätze sichern, Ausbildung ermöglichen und Wertschöpfung im Land halten. Rot-weiß-rot bauen sei die Antwort auf Rezession, Jobunsicherheit und Investitionsstau", so Muchitsch. Wer heute richtig investiere, spare morgen wirtschaftlich, sozial und ökologisch – und sichere eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen.

Die Perspektive der Bauwirtschaft
Aus Sicht der öffentlichen Auftraggeber betonte Gerald Beck, Geschäftsführer der BIG, dass Qualität, Regionalität und Ausbildung zentrale Kriterien bei Vergaben sein müssen, wenn öffentliche Bauprojekte langfristig wirtschaftlich und rechtssicher umgesetzt werden sollen. Canan Aytekin, Generaldirektor-Stellvertreterin der Pensionsversicherung, unterstrich, dass Aufträge, die aus Beiträgen von Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen finanziert werden, besondere Verantwortung erfordern und österreichischen Betrieben und Beschäftigten zugutekommen müssen.
Michael Gehbauer, Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen, machte deutlich, dass auch außerhalb des Bundesvergabegesetzes klare Regeln notwendig seien, um Lohn- und Sozialdumping sowie undurchsichtige Subunternehmerketten zu verhindern. Robert Jägersberger, Bundesinnungsmeister Baugewerbe, schilderte die Belastungen für heimische Betriebe durch unlauteren Wettbewerb und forderte Vergaberegeln, die Qualität und faire Bedingungen absichern statt Preisdumping zu fördern.

Politik, Sozialpartnerschaft und Europa im Schulterschluss
Andreas Babler, Vizekanzler und Bundesminister für Wohnen, betonte, dass gezielte Investitionen in Wohnbau, Sanierung und Infrastruktur trotz angespannter Budgets notwendig seien, um Beschäftigung zu sichern und Wertschöpfung im Land zu halten. Wolfgang Katzian, Präsident des ÖGB und Hausherr der Veranstaltung, hob hervor, dass Rot-Weiß-Rot bauen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigungssicherung und Stabilität leiste. Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer, verwies auf die Notwendigkeit fairer Wettbewerbsbedingungen und wirksamer Maßnahmen gegen Sozialbetrug, um seriöse Betriebe und Beschäftigte zu schützen. Bernd Hinteregger, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes, sprach sich für eine gezielte Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen aus, die regional verankert sind und Arbeitsplätze sichern. Christoph Leitl, WKO-Präsident außer Dienst, betonte, dass Rot-Weiß-Rot bauen kein Widerspruch zu europäischen Initiativen sei, sondern Regionalität, Innovation und europäische Wertschöpfung sinnvoll verbinde.

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