Wednesday, June 24, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Während der Hochbau weiterhin schwächelt, bleibt der Tiefbau das Rückgrat der österreichischen Bauwirtschaft. Allerdings lässt die Dynamik auch hier nach. Im internationalen Vergleich weist Österreich weiterhin eine schlechtere Performance auf als die meisten anderen europäischen Länder. So die aktuelle Analyse von WIFO und dem Forschungsnetzwerk Euroconstruct.

Bild: iStock


Nach zwei Jahren Rezession in den Jahren 2023 (-0,8 %) und 2024 (-0,7 %) sowie einem schwachen Jahr 2025 war in Österreich Anfang 2026 eine leichte Erholung und aufkeimender Optimismus spürbar. Dieses zarte Pflänzchen wurde durch den Iran-Krieg und den daraus resultierenden Energieschock regelrecht zertrampelt. Der makroökonomische Ausblick bleibt laut WIFO mit einem BIP-Wachstum von 0,9 % im Jahr 2026 und 1,3 % im Jahr 2027 zwar positiv, allerdings auf sehr schwachem Niveau. Dazu bleibt die Inflation deutlich über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank. Für die heimische Bauwirtschaft sind das keine guten Rahmenbedingungen. Dementsprechend wird die Bauproduktion in Österreich 2026 laut WIFO eine klassische Seitwärtsbewegung machen. Das ist das schlechteste Ergebnis aller westeuropäischen Euroconstruct-Länder. Nur die Slowakei (-2,9 %) und Ungarn (-1,5 %) stehen noch schlechter da. Ein leichtes Wachstum von 0,8 % bzw. 1,0 % erwartet das WIFO erst 2027 und 2028.

Wohnbau stottert weiter
Der österreichische Wohnbau erholt sich auch 2026 nur teilweise. 2025 ist er laut WIFO um 2,6 % geschrumpft. Das ist deutlich mehr als die im Paris-Bericht prognostizierten 1,6 %. »Für 2026 rechnen wir mit einem Wachstum von lediglich 0,6 %, für 2027 von 0,8 % und für 2028 von 2,1 %, erklärt Michael Weingärtler, Bau-Experte am WIFO. Größtes Sorgenkind bleibt der Neubau. Die Zahl der Baubewilligungen sank 2025 erneut um 6,9 % auf nur noch rund 31.700 Wohneinheiten – den niedrigsten Wert seit mehr als zehn Jahren. Besonders starke Rückgänge gab es in Salzburg, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark. Eine Trendwende ist zwar absehbar, das Bewilligungsniveau bleibt jedoch deutlich unter den Spitzenwerten von 2019.

Während der Neubau weiterhin schwächelt, profitierte die Sanierung zuletzt von hohen Energiepreisen und Förderprogrammen wie »Raus aus Öl und Gas«. Allerdings erwartet Eurocon­struct auch hier eine Abschwächung. Die großen Bundesförderungen sind ausgelaufen und aufgrund der angespannten
Budgetlage sind keine vergleichbaren Nachfolgeprogramme in Sicht. Insgesamt erwartet Euroconstruct für den österreichischen Wohnungsmarkt in den kommenden Jahren keine rasche Erholung. »Die Kombination aus niedrigen Baubewilligungen, Budgetkonsolidierung und wirtschaftlicher Unsicherheit bremst die Erholung, auch wenn niedrige Zinsen und eine wieder anziehende Nachfrage erste positive Impulse liefern«, so Weingärtler.

Grafiken im Bau & Immobilien Report zum Thema: https://online.fliphtml5.com/jlgle/Bau_REPORT_06_26/#p=14

Weniger Dynamik im Tiefbau
Der österreichische Tiefbau hat in den vergangenen Jahren wesentlich dazu beigetragen, die Schwäche im Hochbau abzufedern. Auch im Jahr 2025 stieg die reale Bauleistung weiter an, das Wachstum verlangsamte sich jedoch deutlich auf rund 0,9 % gegenüber dem Vorjahr. Getragen wird der Markt weiterhin vor allem von Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung, Telekommunikation und Wasserwirtschaft. »Die wichtigste Säule bleiben der Straßen- und Schienenbau«, erklärt Weingärtler. Die Asfinag investierte 2025 rund 1,7 Milliarden Euro in das Autobahnnetz und plant für 2026 sogar ein Rekordprogramm von mehr als zwei Milliarden Euro. Gleichzeitig laufen Großprojekte wie der Semmering-Basistunnel, die Koralmbahn und der Brenner-Basistunnel weiter.

Allerdings sieht Euroconstruct mittelfristig Gegenwind. Während die Asfinag dank Mauterlösen und eigener Finanzierung vergleichsweise unabhängig von staatlichen Sparmaßnahmen ist, hängen die Investitionen der ÖBB stärker von Bundesmitteln ab. Die Budgetkonsolidierung wird hier vor allem ab 2027 und noch stärker ab 2028 spürbar werden. Als besonders robust gilt der Energietiefbau. Der Ausbau erneuerbarer Energien, Investitionen in Stromnetze, Speicherlösungen und Umspannwerke sowie die Ziele der Energiewende sorgen weiterhin für hohe Nachfrage.

Web-Tipp: Mehr Infos zur Baukonjunktur unter https://www.wifo.ac.at/euroconstruct

ThemaThema

Design mit KI

KI-gestützte Werkzeuge können bereits in der frühen Planung und Entwurfsphase gewinnbringend eingesetzt werden. Die gesamte Phase der architektonischen Tätigkeit kann Künstliche Intelligenz aber noch nicht unterstützen.

Office & TalkView all

Produkte & ProjekteView all