Sonntag, Mai 19, 2024

Der Preiskampf am heimischen Schalungsmarkt ist brutal. Vernünftige Margen sind kaum noch zu erzielen. Dennoch blicken die wichtigsten Schalungshersteller positiv auf das Jahr 2013 zurück. Und auch für 2014 dominiert vorsichtiger Optimismus.

Der Bau & Immobilien Report hat Vertreter der wichtigsten Branchenplayer zum Parallelinterview gebeten.

1. Wie ist 2013 für Ihr Unternehmen in Österreich gelaufen?


Walter Schneeweiss, Geschäftsführer Doka Österreich GmbH: Ein spannendes und ereignisreiches Jahr 2013 liegt hinter Doka Österreich. Im Juli wurde die Doka Österreich GmbH von einer Vertriebsorganisation in ein rechtlich eigenständiges Unternehmen überführt. Ziel ist, noch flexibler und sowohl örtlich, zeitlich als auch inhaltlich näher bei unseren Kunden zu sein. Nach einem zögerlichen Jahresbeginn mit Kälte und Schnee sind die Baustellen in Österreich voll angelaufen. 2013 setzten wir mit unseren Kunden herausragende Projekte wie das Krankenhaus Nord in Wien oder das riesige Infrastrukturprojekt Schnellstraße S 10 um und konnten unseren Umsatz über Plan steigern.

Gerhard Wagner, Geschäftsführer Meva Österreich: Es war ein hartes Jahr mit einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs im Mietgeschäft. Da unser Schwerpunkt bei anspruchsvollen Bauprojekten liegt, konnten wir unsere Marktposition erfolgreich behaupten und sind leicht gewachsen.

Gerald Schönthaler, Geschäftsführer Harsco Infrastructure Austria GmbH: Wir konnten gegenüber 2012 unseren Umsatz nahezu verdoppeln. Dass uns dies angesichts des hohen Preisdrucks, dem der Schalungsmarkt in Österreich leider nach wie vor unterliegt, gelungen ist, freut uns sehr. Wir haben im vergangenen Jahr eine neue Abteilung Projektentwicklung installiert, welche bei Großprojekten eine vollumfängliche Projektsteuerung und Baubegleitung bietet. Darüber hinaus haben wir einen Außendienstmitarbeiter speziell für die Bereiche Sicherheitstechnik und Gerüstvertrieb eingestellt.

Christian Sorko, Geschäftsführer Peri Österreich: Die erwartete positive Entwicklung ist eingetreten. Wir haben eine ganz klare Strategie verfolgt und die ist auch aufgegangen. Wir konnten in den letzten drei Jahren, zugegeben von einem geringen Niveau kommend, den Umsatz um 50 Prozent steigern. Es gibt in Österreich einen ganz klaren Marktführer. Es ist uns aber gelungen, den Abstand etwas zu verkleinern und den zweiten Platz abzusichern. Dafür verantwortlich war die bundesweite Verstärkung des Vertriebs und die Tatsache, dass im Bereich der Wandschalung die Maximo das ältere Produkt Trio ablöst und damit die einseitige Ankertechnik weiterhin an Markt gewinnt. Diese innovative und richtungsweisende Schalungslösung überzeugte neben bestehenden auch viele Neukunden. Außerdem erlebt die Deckenschalung Skydeck ein unerwartetes Revival.

Joachim Strachwitz, Marketingleiter Ringer: Das Jahr 2013 war, bei aller ursprünglichen Skepsis, ein erfolgreiches Jahr. Umsatz und Gewinn konnten um ca. 10 % gesteigert werden, sowohl im Schalungsbereich als auch bei den Gerüsten. Besonders erfreulich hat sich auch das Geschäft in Österreich entwickelt, was auf die Vergrößerung des Vertriebsnetzes und des neuen Lagers in Kärnten zurückzuführen ist. Zudem wurden zwei Millionen Euro in die Erweiterung und weitere Modernisierung des Maschinenparks des Standortes Regau investiert. Und schließlich haben wir mit dem Kauf der Firma Aluflex in Ungarn zwei wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Erstens wird dort unsere Leichtschalung AL 2000 hergestellt und zweitens haben wir uns dort viel Kompetenz in Richtung hochwertige Aluminiumverarbeitung dazu erworben.

2. Die gesamte Branche hat seit Jahren mit schrumpfenden Margen zu kämpfen. Wie wollen Sie diesen Trend stoppen?

Walter Schneeweiss: Die Bauwirtschaft allgemein und in Folge auch der Schalungsmarkt stehen unter einem starken Preisdruck. Es gibt auch bei Schalung Preis- und Qualitätskäufer. Wie in jedem anderen Bereich wiegt der Schalungskunde Kosten und Nutzen kritisch ab – das Preis-Leistungs-Verhältnis muss für ihn stimmen. Aus unserer Erfahrung erkennt der Kunde Qualität und weiß diese auch zu schätzen. Er ist bereit, für die Qualität der Doka-Leistungen zu bezahlen, weil es sich am Ende der Baustelle klar für ihn rechnet.

Gerhard Wagner: Die Anforderungen an Komplettlösungen steigen. Unser Anspruch ist, diese Anforderungen mit Kompetenz zu erfüllen. Dabei gehen wir keine Kompromisse ein. Nachvollziehbar ist der Preiswettbewerb nicht und kaufmännisch sauber schon gar nicht, wenn eindeutig unter Einstandsniveau angeboten wird. Das machen wir nicht mit, weil sonst der Kundennutzen in puncto Qualität, Innovationen, Produktentwicklung leiden würde. Das kann sich keiner leisten.

Gerald Schönthaler: Die schwachen Margen sind in der Tat eine enorme Herausforderung für alle Anbieter von Qualitätsschalungen. In letzter Konsequenz werden die Anwender zukünftig Verlierer dieses Trends sein, wenn das bis dato gewohnte hohe Produkt- und Beratungsniveau nicht mehr zu leisten ist. Wenn wir dies nicht wollen – wovon ich ausgehe –, muss der teils ruinöse Preiswettkampf aufhören, der für uns alle nur negative Folgen hat. Deshalb setzen wir neben hoher Produktqualität auf Differenzierung durch mehr Serviceleistung. Der Schalungskunde von heute erwartet neben dem reinen Produkt solche Dienstleistungen, die ihm helfen, wirtschaftlicher und sicherer zu arbeiten. Angesichts immer komplexer werdender Bauprojekte sind Komplettlösungen und intensive technische Betreuung gefordert, die wir durch die eingangs erwähnte Projektentwicklung anbieten können.

Christian Sorko: Wir können den Trend nicht stoppen. Es erfordert ein Umdenken in der gesamten Bauwirtschaft, wo hunderttausende Arbeiter und Angestellte in Österreich bei jeder Witterung pünktlichst und immer schneller tolle Leistungen erbringen, die auch honoriert werden sollten. Gerade mit Maximo und Skydeck bieten wir unseren Kunden zeitsparende und wirtschaftliche Lösungen.

Joachim Strachwitz: Wir gehen davon aus, dass alle Mitbewerber den Einkauf inzwischen optimiert haben. Von dieser Seite lässt sich die Marge kaum mehr verbessern. Auffällig ist, dass die ganz Großen der Branche scheinbar versuchen, mit teilweise nicht nachvollziehbaren Dumpingpreisen bei Kauf und Miete kleinere Mitbewerber aus dem Markt zu drängen. Allerdings könnte das zum Eigentor werden. Selbst wenn sie es schaffen, kleinere Hersteller zu verdrängen, so wird es sehr schwer werden, später die Verkaufspreise wieder auf ein vernünftiges Niveau anzuheben. Wenn man, wie Ringer, mit einer Eigenkapitalquote von annähernd 80 % gesegnet ist, fällt es natürlich viel leichter, solche Täler der ökonomischen Dummheit durchzustehen. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass am Markt wieder Vernunft einkehrt und mittelfristig wieder einigermaßen zufriedenstellende Deckungsbeiträge erwirtschaftet werden können.

3. Welche Auswirkungen hat die Pleite der Alpine auf die Schalungsbranche?

Walter Schneeweiss: Der Konkurs des Bauunternehmens Alpine hat die österreichische Wirtschaft massiv getroffen. Die Regelung der Baustellenübernahmen und in Folge die professionelle Fertigstellung der Bauvorhaben waren für die Doka Österreich die große Herausforderung, um den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Gerhard Wagner: Wir haben uns rechtzeitig vor Risiken geschützt und tragen keine Blessuren davon.

Gerhard Schönthaler: Als zweitgrößtes Bauunternehmen Österreichs war die Alpine über viele Jahre ein guter und verlässlicher Partner für uns. Die Probleme, die letztlich leider zur Insolvenz des Unternehmens geführt haben, lagen vor allem in Auslandsaktivitäten begründet. Ein erfreulich positives Signal für die Alpine-Mitarbeiter und damit für die österreichische Baubranche insgesamt ist die schnelle Übernahme der zu Alpine gehörenden Töchter in andere starke Unternehmen. Durch unser aktives Kreditmanagement konnten wir die drohenden Forderungsausfälle zum Glück deutlich reduzieren.

Christian Sorko: Alpine war einer unserer Stammkunden. Gott sei Dank konnte der Großteil der Mitarbeiter in verschiedenen erfolgreichen Bauunternehmen aufgegangen werden. Somit läuft es in der Schalungsbranche wie zuvor, gleiche Partner arbeiten unter anderen Firmennamen mit uns zusammen.

Joachim Strachwitz: Die dürfte sicher für einige Firmen gewaltig sein. Ringer ist Gott sei Dank mit einem hellblauen Auge davongekommen. Diese Pleite sollte aber Anlass dafür sein, auch Giganten des Marktes genauer auf ihre Bonität zu untersuchen und womöglich Forderungen gegen Ausfall zu versichern.

4. Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins Jahr 2014?

Walter Schneeweiss: 2014 kann man in Österreich zwar noch nicht von einem dynamischen Aufschwung sprechen, jedoch wird für alle Bausparten ein positives Wachstum prognostiziert. Daher schauen wir optimistisch ins Jahr 2014 und gehen davon aus, dass die Doka Österreich GmbH ihren Umsatz halten kann. Im Jahr 2014 wird erstmals die Erweiterung der leistungsstarken Doka-Rahmenschalung – die innovative Framax Xlife plus – auf den österreichischen Baustellen zum Einsatz kommen und die Kunden in der Praxis mit ihrer anwenderfreundlichen Handhabung und beschleunigten Arbeitsabläufen überzeugen. Bereits erfolgreich eingeführte Produkte wie die Elementdeckenschalung Dokadek bzw. unser Betonmonitoring Concremote werden weiter forciert, um den Kunden einen Zeit- und Qualitätsfortschritt zu verschaffen.

Gerhard Wagner: Wir bauen unsere Position als Partner für alle Anwendungen weiter aus. Im Mittelpunkt stehen steigende Anforderungen an normkonforme Sicherheit. Wir haben hier einen enormen Vorsprung, weil unsere Schalung von Anfang an auf höchste Sicherheit ausgelegt ist, z. B. mit einheitlicher, sicherer Befestigung aller Teile, z. B. mit der eingeschweißten Dywidag-Mutter im geschlossenen Rahmenprofil. Getreu dieser Philosophie stellen wir mit SecuritBasic nun ein modulares Sicherheitssystem vor, das für alle Meva Wandschalungen passt und das gleiche Prinzip der einheitlichen, sicheren Befestigung verwirklicht. Unsere Kunden wollen kompetente Antworten und integrierte Lösungen: Wie kann ich betonieren? In welchen Takten? Mit welcher Geschwindigkeit? Wann kann ausgeschalt werden? Wir bieten dem Bauunternehmer eine Komplettlösung und befreien ihn somit von der Aufgabe, in Einzelteilen zu denken. Ein weitere Herausforderung sind fließfähige und selbstverdichtende Betonrezepturen bei immer filigraneren Bauteilen und hohem Bewehrungsanteil.

Gerald Schönthaler: Die Prognosen für die österreichische Baubranche gehen derzeit von einer tendenziell flachen Entwicklung aus. Wir planen generell eher konservativ, da wir nicht auf reine Umsatzerhöhung setzen, sondern stets profitabel wachsen wollen. Der Jahresauftakt ist nach Plan gelaufen und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr erneut wachsen werden. Die Zufriedenheit unserer Bestandskunden hat natürlich eine große Bedeutung für uns, wir wollen aber auch weitere Kunden hinzugewinnen. Um die Erreichung dieser Ziele zu unterstützen, haben wir mit Beginn 2014 einen weiteren Standort eröffnet, welcher u.a. einen Schauraum und Schulungsbereich inkludiert.

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