Dienstag, Mai 21, 2024
"Veränderung braucht Leidensdruck"

Im Interview mit dem Bau & Immobilien Report erklärt Alexander Manafi, CEO von ToolSense, wie sämtliche Geräte, Fuhr- und Maschinenparks auf einer einzigen Plattform gemanagt werden können, welche Vorteile das bringt und wie es gelungen ist, innerhalb eines Jahres den Umsatz zu verdoppeln.

Die Bau- und Immobilienwirtschaft befindet sich aktuell in einer schweren Krise. Spüren Sie, dass in diesem schwierigen Umfeld die Nachfrage nach digitalen Lösungen zur Effizienzsteigerung wächst?
Alexander Manafi: Man spürt schon, dass Unternehmen nicht mehr so stark im Tagesgeschäft ausgelastet sind, dass der Kostendruck steigt und deshalb mehr Zeit und Interesse für diese Themen ist. Ein weiterer Punkt, der uns Rückenwind liefert, sind die EU-Regularien wie ESG, die auf die Baubranche zukommen. Um energieeffizient arbeiten zu können, muss ich meine Maschine genau kennen. Für einen CO2-Abdruck brauche ich eine lückenlose Dokumentation. Ich muss wissen, wie meine Geräte genutzt werden, wo es Stillstände oder ineffiziente Verbräuche gibt.

Wenn es um Nachhaltigkeit am Bau geht, denken viele in erster Linie an Bau­stoffe oder die großen Baumaschinen. ToolSense ist auch sehr aktiv im Kleinmaschinenbereich. Ist den Unternehmen bewusst, dass auch in diesem Bereich viel zu tun ist oder müssen Sie hier noch Bewusstseinsbildung betreiben?
Manafi: Natürlich haben Themen wie Treibstoffverbrauch oder Stillstandszeiten bei großen Maschinen einen ganz anderen Stellenwert. Aber auch Kleinmaschinen haben in Sachen Energieeffizienz viel Potenzial. Da geht es auch nicht nur um die Geräte selbst. Mit einer lückenlosen Vernetzung kann ich auch den Stromverbrauch einer ganzen Baustelle analysieren und optimieren.

Der Baubranche wird gerne nachgesagt, dass sie in Sachen Digitalisierung anderen Branchen deutlich hinterherhinkt. Wie ist Ihr Eindruck, wenn Sie zu neuen Kunden kommen? Wie steht es um die digitale Reife?
Manafi: Es gibt sicher Branchen, die stärker digitalisiert sind. Aber das ist auch unsere Chance. Wenn alles durchdigitalisiert wäre, hätten wir nicht mehr viel zu tun (lacht). Das ist genau unser Angebot, weg von Excel und WhatsApp hin zu einem modernen und effizient Arbeiten. Das ist unser Werteversprechen. Die großen Unternehmen der Branche sind da auch schon sehr gut aufgestellt, da wird viel inhouse gemacht, aber gerade bei den kleinen und mittleren Betrieben sehen wir noch sehr viel Aufholbedarf.

Wie hoch ist die Bereitschaft dieser Unternehmen, sich zu ändern?
Manafi: Das ist sehr unterschiedlich und stark von der Unternehmensführung abhängig. Je wichtiger das Kosten- und Effizienzthema wird, desto offener sind die Unternehmen. Die meisten sind aber erst dann bereit für eine Veränderung, wenn ein gewisser Leidensdruck erreicht ist. Ich würde die Baubranche aber keinesfalls als digitalisierungsunwillig bezeichnen. Natürlich gibt es Branchen, die weiter sind. Aber verglichen etwa mit Facility Services, wo wir auch sehr aktiv sind, ist die Baubranche deutlich weiter, vor allem im Maschinensegment.

Also zwei dankbare Branchen für ein Start-up aus der Digitalisierungsbranche. Was war zuerst da, das Erkennen der Pain Points der Branche oder die Idee für die Dienstleistung?
Manafi: Unsere ursprüngliche Geschäftsidee war ja eine ganz andere. Da ging es um eine Art Diebstahlsicherung für Elektrowerkzeuge. Das hat sich aber schnell in eine umfassende Prozessrichtung weiterentwickelt.

Sie sind mittlerweile auch international aktiv. Sehen Sie Unterschiede zwischen den Ländern? Unterscheidet sich die österreichische Bauwirtschaft in der Effizienz von anderen Ländern?
Manafi: Österreich steht nicht schlecht da. Die skandinavischen Länder werden ja immer gerne als Vorbilder genannt, aber da sind keine eklatanten Unterschiede zu erkennen. Generell kann man sagen, dass die europäische Baubranche bei der Digitalisierung deutlich besser abschneidet als etwa die USA. Da sind auch die Sicherheitsanforderungen andere. Die USA ist da deutlich weniger strikt als Europa.

Als ToolSense auf den Markt gekommen ist, war man mit der Lösung noch relativ alleine. Heute ist das nicht mehr so. Gibt es noch Alleinstellungsmerkmale?
Manafi: Auf jeden Fall. Es gibt viele reine Telematiklösungen, die stark hardware-getrieben agieren. Dann gibt es Firmen, die sich auf Softwarelösungen für Disposition oder Sicherheitsthemen konzentrieren. Wir kombinieren beides. Wir statten das gesamte Equipment, vom Auto-Fuhrpark bis zu den Kleinmaschinen, mit der entsprechenden Hardware aus und liefern die Softwarelösungen für den ganzen Prozess rundherum, von der Disposition über Ersatzteilmanagement und Reparaturen bis zur Kostenerfassung. Das klassische Fuhrparkmanagement ist bei uns integriert, bietet alle Funktionen wie eine spezialisierte Lösung, ist aber wesentlich günstiger. Das coole an unserer Lösung ist, dass wir ein Tool für alles haben, was bei Maschinen, Geräten oder Autos nötig sein kann.

Gibt es die Lösung nur im Gesamtpaket oder auch modular?
Manafi: Man kann die Lösungen auch modular kaufen, aber am effizientesten ist natürlich das Gesamtpaket inklusive
Auto-Lösung. Wir haben aktuell einen Kunden, der von einer Auto-Telematiklösung zu uns gewechselt ist und sich durch die Integration ins ToolSense-Gesamtsystem 25.000 Euro im Jahr spart. Und natürlich ist auch das Handling einfacher und effizienter, wenn nicht mit vielen Einzellösungen gearbeitet wird, sondern alles in einem System abgebildet ist.

Woran wird aktuell gearbeitet? Was werden Sie den Kunden demnächst noch zusätzlich zur Verfügung stellen können?
Manafi: Aktuell entwickeln wir einen komplett digitalen Lieferschein für das Handy, der auch die Planung von Arbeitsaufträgen integriert hat. Das umfasst zu Beginn die Geräte, wird im Laufe des Jahres aber auch in Richtung Personaldisposition gehen und auf die Arbeitseinsätze der Mitarbeiter ausgeweitet werden. Das wird aktuell sehr stark nachgefragt.
Wir wollen den kompletten Prozess in ToolSense abbilden, auch für Geräteverleiher. Das beginnt mit der Maschinenanfrage und reicht über die Disponierung, die Information für das Personal, den Lieferschein bis zur Maschinenrückgabe.

ToolSense ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Wie ist 2023 gelaufen und wie sehen die nächsten Ziele aus?
Manafi: Wir haben uns im Jahr 2023 umsatzmäßig verdoppelt und sind auch personell stark auf rund 40 Personen gewachsen.

Woher ist das Umsatzwachstum gekommen?
Manafi: Zu einem großen Teil von unseren Bestandskunden, was natürlich ein tolles Feedback ist. Das zeigt, dass sie mit der Lösung zufrieden sind. Im letzten Jahr konnten wir etwa eine große italienische Baufirma als Kunden gewinnen. Die waren so zufrieden, dass sie ToolSense jetzt auf allen ihren Baustellen in Italien und Europa ausrollen wollen. Das ist schon cool!

Welche Ziele streben Sie für 2024 an? Wieder eine Verdoppelung des Umsatzes?
Manafi: Das wird sich zeigen. Oberstes Ziel ist, ein Produkt zu entwickeln, das die Kunden wollen und nutzen, und dazu einen exzellenten Support zu liefern. Der Rest kommt dann von ganz alleine. 

Die ToolSense-Lösung
ToolSense ermöglicht das digitale Management aller Prozesse rund um ein Gerät auf einer einzigen Plattform, von Großgeräten und Fahrzeugen in den Maschinen- und Fuhrparks bis zum kleinen Akkuschrauber. Das reicht von Prüfungen über das gesamte Servicemanagement und die Logistik bis hin zur Kostenkontrolle und einem kompletten Lebenszyklusmanagement. Damit können Abläufe optimiert und Stillstandszeiten verhindert werden.


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