Sonntag, April 21, 2024
Best of: BIM
Bei der Sanierung des Parlamentsgebäudes wurde Allplan neben dem Austausch von großen Planungsflächen auf BIM-Ebene auch für 2D-Darstellungen zur Detaillierung eingesetzt. (Fotocredit: AXIS Ingenieurleistungen ZT GmbH)

Building Information Modeling ist zwar immer noch nicht flächendeckend im Einsatz, fast täglich werden es aber mehr Projekte, die mit BIM geplant und umgesetzt werden. Der Bau & Immobilien-Report hat bei Softwareanbietern und Architekturbüros nach aktuellen Vorzeigeprojekten gefragt.

Allplan: Sanierung Österreichisches Parlament

Das imposante Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße erstrahlt nach einer umfassenden Sanierung in neuem Glanz. Die Sanierung stellte das gesamte Projektteam vor große Herausforderungen. So war etwa in der ersten Planungsphase kein vollständiges 3D-Modell verfügbar, weil das Gebäude noch in Betrieb war und eine Innenvermessung ohne Kenntnis des Schichtaufbaus keine verlässliche Grundlage für die Planung geboten hätte. Daher stützten sich Architekt*innen und Fachplaner*innen zu Beginn der Planung auf klassische Gebäudepläne im DWG-Format, die als Grundlage für die Planung von Bau und Instandhaltung des Gebäudes dienten. Schnell wurde jedoch klar, dass für bestimmte Standorte eine räumliche Berechnung und Visualisierung notwendig ist, um die Schnittstellen zwischen Bestand und Neubau möglichst realitätsnah zu untersuchen und den Auftraggebern eine nachvollziehbare Grundlage für ihre Kalkulation zu liefern.

Um dies zu erreichen, wurde ein Datenaustausch zwischen Allplan und SCIA implementiert. Dies ermöglichte die interne Bearbeitung der Gitterschale für die Glaskuppel und der verschiedenen Treppenhäuser, die zum Teil nur durch tragende Gewichte unterstützt werden. Während der Bauphase wurden nach dem Rückbau des bestehenden Geschosses Höhenunterschiede in den Schalen festgestellt, die aufgrund des geringen Freiraums auf der neuen Oberkante des fertigen Geschosses eine sehr genau angepasste Planung erforderten. Hier erstellten die Planer*innen auf Basis einer 3D-Punktwolke ein BIM-Modell, das als Grundlage für die weitere Planung diente. Der Datenaustausch erfolgte über die IFC-Schnittstelle. Neben dem Austausch von großen Planungsflächen auf BIM-Ebene wurde Allplan auch für 2D-Darstellungen zur Detaillierung eingesetzt.

Nova IT: Umbau und Sanierung des Ausbildungs- und Schulungszentrums der Feuerwehr Duisburg

Der Ingenieur- und BIM-Dienstleister intecplan Essen ist auf umfassende Planungs-, Projektsteuerungs- und Beratungsleistungen auf Basis von BIM spezialisiert. Beim Projekt- und Kostenmanagement setzt das Büro seit etwa zwei Jahren auf den Cloudservice NOVA AVA BIM. So auch beim umfassenden Umbau und der Sanierung des Ausbildungs- und Schulungszentrums der Feuerwehr in Duisburg – ein Gebäudekomplex mit ca. 4.500 m2 Grundfläche. Für dieses Vorhaben, das sämtliche Planungsleistungen der Leistungsphasen 1–8 für die Bereiche Gebäude, Tragwerk, Technische Ausrüstung und Bauphysik umfasst, wurde intecplan als Generalplaner durch das Immobilien-Management Duisburg (IMD) beauftragt.



Im Vorfeld wurden die BIM-Anforderungen des Bauherrn sowie ein projektspezifischer BIM-Abwicklungsplan erarbeitet, der über die Leistungsphasen fortgeführt wurde. Das Bestandsgebäude wurde mittels einer Punktwolke nachträglich modelliert. Auf Basis des 3D-Modells konnten alle Planungsbeteiligten mit den vorhandenen Daten arbeiten und sie über IFC- sowie BCF-Schnittstellen austauschen. Dabei koordinierte intecplan alle Fachgewerke, leitete Pläne ab und überwachte die Planung mit der BIM-Methode.

BIM-gestützt erfolgten auch die Mengen- und Kostenermittlung, die Erstellung der Leistungsverzeichnisse, die Termin- und Logistikplanung (4D) sowie das gesamte Kostenmanagement (5D) samt Abrechnung. Insbesondere bei der Kostenschätzung konnte die Arbeitseffizienz mit Hilfe von NOVA AVA deutlich gesteigert werden: Durch die Verwendung der Kostenelemente konnte ein Gebäudeteil mittels DBD BIM und STLB-Bau innerhalb von ca. zwei Arbeitstagen bemustert werden. Diese detaillierte Zuweisung von Leistungspositionen und Kosten auf einzelne Bauteile wurde dann innerhalb weniger Stunden auf alle weiteren Gebäudeteile übertragen. Dadurch hat sich der Aufwand für die Bemusterung der Bauteile um ein Vielfaches reduziert. 

A-Null: Landesdienstleistungszentrum Salzburg

Das Land Salzburg plant mit dem neuen Landesdienstleistungszentrum die Zusammenlegung von zwölf Dienstellen, die derzeit in der Stadt Salzburg verteilt sind. In einem modernen und effizienten Verwaltungsgebäude für insgesamt rund 1.150 Mitarbeiter*innen soll die öffentliche Verwaltung neu strukturiert werden. Aus einem EU-weit offenen, zweistufigen Generalplanerwettbewerb ging im April 2021 das Büro Burtscher-Durig ZT GmbH als Sieger hervor.



Der moderne Bürobau mit bis zu zehn oberirdischen Geschossen huldigt dem klassischen Straßenblock. Der sternförmige Körper schafft eine dichte städtische, straßenräumliche Atmosphäre und zugleich gönnt er den Nachbarn etwas mehr Distanz und mehr Sonnenlicht. Neben den hohen Sicherheitsstandards für die Mitarbeiter*innen wird besonderes Augenmerk auf eine ökologische sowie ökonomische Bauweise und Nachhaltigkeit gelegt. Umgesetzt werden diese Aspekte beispielhaft in Form von Holzhybridbauweise, Photovoltaikfassaden und großflächig intensiv begrünten Dachlandschaften.

Das gesamte Projekt wurde vom Vorentwurf weg über alle Fachplanungsbereiche als openBIM-Projekt angelegt und weiter bis zum »As built«-Modell geführt. In der Planungsphase diente die Software BIMcollab als Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Autorensoftwares, um den Abstimmungsprozess zwischen den Projektpartnern mittels BCF-Kommunikation zu unterstützen. Die BIM-Modelle können ins CAFM übernommen werden und so über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes verwendet werden.

ATP: Neubau Ringana Campus

Das neue Headquarter des Naturkosmetik-Unternehmens RINGANA am Ortsrand der steirischen Gemeinde St. Johann bei Hartberg wurde von ATP architekten ingenieure Wien integral mit BIM geplant. Im interdisziplinären Planungsprozess gelang es ATP, ein ökologisch und ökonomisch nachhaltiges Gebäude mit einem innovativen, klimafreundlichen Energiekonzept zu entwerfen. Die Energieversorgung des Gebäudes erfolgt über Tiefenbohrungen mit Erdwärmenutzung.



Die Energiebilanz des Sondenfeldes wird mittels Rückkühler ausgeglichen: So kann überschüssige Wärme abgeführt bzw. das Sondenfeld zu Spitzenlastzeiten regeneriert und während der Übergangszeit als zusätzliche, kostengünstige Energiequelle genutzt werden. Das Sondenfeld besteht aus 161 Bohrungen mit einer Tiefe von 120 Metern. Weil die Herstellung der Kosmetikprodukte sowohl Heiz- als auch Kühlleistung benötigt, werden Wärmepumpen zur Wärmerückgewinnung eingesetzt, da beim Wärmepumpenprozess gleichzeitig Kälte- und Wärmeenergie erzeugt wird. Überschüssige Energie wird über das Sondenfeld abgeführt. Die Wärmepumpen werden auch für die Kälteversorgung im Sommer verwendet. Eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 850.000 kWh/a auf den Dachflächen minimiert den Stromverbrauch erheblich.

Die Integrale Planung mit Building Information Modeling (BIM) ermöglichte neben einem schlanken Planungsprozess ein optimiertes Gebäudekonzept, das alle Anforderungen an eine anspruchsvolle, zukunftsweisende Produktion erfüllt. BIM lieferte im zentralen Datenmodell tragfähige Entscheidungsgrundlagen für den Auftraggeber zu einem sehr frühen Zeitpunkt und unterstützte das Planungsteam dabei, Ressourcen zu schonen, Verschwendung im Errichtungsprozess zu vermeiden und Einsparungspotenziale über den gesamten Lebenszyklus darzustellen. 

Nevaris: Partner für WRS

Die Herausforderungen im Baubereich für öffentliche Institutionen und private Bauherren sind heute größer denn je. Architekten, Fachplaner, Bauunternehmen und Handwerksbetriebe stehen vor komplexer Bauprojektlogistik, engen Zeitplänen, Sanierungen im laufenden Betrieb und Kostendruck.



Generalplaner WRS bewältigt diese Herausforderungen durch den Einsatz von BIM und die Zusammenarbeit mit internen und externen Projekt- und Planungspartnern. Insbesondere Nevaris Build spielt eine Schlüsselrolle bei Aufgaben wie Angebotslegung, Projektbudgetierung und der Vergabe von Bauleistungen. Nevaris Build wird bei WRS bereits im Vorentwurf und allen weiteren Planungsschritten eingesetzt, wobei verschiedene Module zum Einsatz kommen. Georg Geißler, BIM- und Angebotskoordinator bei WRS, hebt die vielfältigen Anwendungsbereiche hervor, darunter Kostenschätzung, Mengenermittlung, Ausschreibungen, Abstimmungen, Leistungsverzeichnisse, Kalkulationen und Vergabe.

Die Entscheidung für Nevaris Build in allen Projekten bei WRS basiert auf der Benutzerfreundlichkeit, der intuitiven Arbeitsweise und der hohen Qualität der Ergebnisse. Zudem benötigt die Software keine aufwendigen länderspezifischen Anpassungen, da sie bereits an den österreichischen Markt angepasst ist. In Nevaris Build und Success X ist der Ökoindex (OI3) auswertbar. Zudem ist die innovative Bausoftware an baubook angebunden. baubook ist eine umfassende Datenbank für Bauprodukte, die kostenfreie validierte Informationen und Daten strukturiert zur Verfügung stellt.

(Fotos: Nova IT, 2023 ZOOMVP/BUD Landesdienstzentrale Salzburg, ATP, Nevaris)

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