Samstag, März 02, 2024

Hohe Rohstoffpreise, gestiegene Energiekosten, Lieferengpässe und die neuen Regeln bei der Kreditvergabe setzen der österreichischen Bauwirtschaft zu. Die Branche kämpft an vielen Fronten - und die Stimmung ist angespannt, das belegt das aktuelle Baubarometer der INFO-TECHNO Baudatenbank. Rund 630 Unternehmen aus dem Baugewerbe, Planer und Architekten geben darin ein Stimmungsbild ab. 

Die Prognosen der Wirtschaftsforscher lassen kaum Spielraum für Optimismus. Laut Wifo verzeichnete das Bauwesen 2022 ein reales Nullwachstum, für das Jahr 2023 prognostizieren die Experten ein kleines Plus von 0,3 Prozent. Das Sorgenkind Wohnbau verzeichnete vergangenes Jahr Rückgänge von -2,1 Prozent, im kommenden wird ein Minus von –1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Das aktuelle Baubarometer spiegelt diese Ergebnisse wider:

Der Start ins Jahr 2022 schien noch vielversprechend. Über 56 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass sich die Bauwirtschaft in den nächsten 12 Monaten positiv entwickeln würde, nur 17 Prozent erwarteten Rückgänge. Zur Jahresmitte kam die Trendwende: Der Ukraine-Krieg und die damit verbundene Energiekrise ließen die Stimmung in den Keller rasseln. Nun schätzten wiederum 58 Prozent der Unternehmen die Entwicklung der Bauwirtschaft als rückläufig ein - nur noch 23 Prozent als positiv. Das Stimmungsbarometer der INFO-TECHNO erreichte damit einen nie dagewesenen Tiefstand. 

Mit welchen Erwartungen geht die Bauwirtschaft nun in das Jahr 2023? Handelt es sich beim Einbruch Mitte letzten Jahres nur um eine Konjunkturdelle? Leider nein, denn die Aussagen der Befragten entsprechen den Prognosen der Wirtschaftsforscher. Auch 2023 wird vermutlich schwierig. 53 Prozent der Unternehmen gehen von einer weiter rückläufigen Gesamtentwicklung der Bauwirtschaft aus, nur knapp mehr als ein Viertel zeigt sich optimistisch und rechnet mit einer Verbesserung, und rund 21 Prozent erwarten, dass sich im Vergleich zu 2022 wenig ändern wird – die Entwicklung also verhalten bleibt.



Angespannt trotz guter Auftragslage

Die Zahl jener, die ihre persönliche aktuelle Geschäftslage besser als noch vor einem halben Jahr einschätzen, ist weiter gesunken. Nur 17,5 Prozent bewerten sie als „besser“ - erneut ein absoluter Tiefststand im Baubarometer seit 2015. Muss sich die Bauwirtschaft nach dem Boom der vergangenen Jahre nun auf eine Phase der Stagnation oder gar des Abschwungs einstellen? Einiges weist darauf hin, denn fast ein Drittel beurteilt die aktuelle Geschäftslage aktuell als „schlechter“ als noch vor sechs Monaten, knapp die Hälfte der Befragten spricht von einer „unveränderten“, dementsprechend weiter trüben Geschäftslage.

Ein Blick auf die Auftragslage für das Gesamtjahr 2023 aber macht Hoffnung: Mehr als die Hälfte der Unternehmen bewerten ihre Auftragseingänge für das Jahr 2023 als „sehr gut“ (22,5 Prozent) beziehungsweise „gut“ (37,2 Prozent). Immerhin noch ein Viertel der Befragten gibt ein „befriedigend“, 10,2 Prozent beurteilt ihre Auftragslage als „genügend“ und nur 5,2 als „nicht genügend“. Das aktuelle Baubarometer zeigt damit im Vergleich zu den Ergebnissen zur Jahresmitte 2022 doch erkennbar nach oben, und entspricht in etwa jenem, das zu Jahresbeginn 2022 erstellt wurde.

Die klar negative Einschätzung der momentanen Geschäftslage und der Gesamtentwicklung der Bauwirtschaft im Jahr 2023 steht damit in deutlicher Divergenz zu den Auftragseingängen. Handelt es sich dabei um Zweckpessimismus? Aufschluss darüber wird hoffentlich das nächste Baubarometer der INFO-TECHNO Baudatenbank, das zu Jahresmitte 2023 erstellt wird.

(Bilder: iStock, Elisabeth Meindl/ INFO-TECHNO Baudatenbank GmbH) 

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