Dienstag, Juni 25, 2024
»Es braucht neue Breakthrough-Technologien«
Foto: VÖB

Eine CO2-neutrale Zementproduktion ist das erklärte Ziel der Branche, sagt Gernot Brandweiner, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Betonmarketing Österreich und Geschäftsführer des Verbandes der Beton- und Fertigteilwerke Österreichs (VÖB).

Report: Der Baustoff Beton steht wegen der hohen CO2-Emissionen bei der Zementherstellung unter Kritik. Zu Unrecht?

Gernot Brandweiner: Beton liefert seit Jahren zahlreiche Beiträge zur Verbesserung der Umwelt, sei es durch effizientere und umweltfreundliche Maßnahmen bei Infrastrukturprojekten oder durch die Langlebigkeit von Bauwerken für unsere Wohnungen, Häuser und Arbeitsplätze. Die österreichischen Zementhersteller haben mit konventionellen Methoden bei der CO2-Reduktion bereits große Erfolge erzielt und sind führend in internationalen Rankings: Durchschnittlich kommen über 80 % alternative anstelle fossiler Brennstoffe zum Einsatz.

Weiters erfolgt die Zementklinkerproduktion in Österreich mit hocheffizienter Technologie, nämlich in Drehrohröfen mit Zyklonvorwärmer-Anlagen, die eine Senkung des Gesamtenergieverbrauchs ermöglichen. Eine CO2-neutrale Zementproduktion ist das erklärte Ziel der Branche, dazu braucht es in erster Linie neue Breakthrough-Technologien zur Abscheidung von CO2. Aktuelle Forschungsprojekte auf europäischer Ebene weisen hierbei erste Erfolge auf.

Report: Warum werden nicht mehr Baumaterialien recycelt?

Brandweiner: In Österreich wird »neuer« Beton aus »altem „Beton« je nach lokaler Verfügbarkeit von Recyclingmaterial eingesetzt, wodurch Beton maßgeblich zu einer ressourcenschonenden Kreislaufproduktion beiträgt. Die neue Betonnorm (2018) geht auf die Anforderungen von Recycling-Beton ein. Sie bietet die Möglichkeit, aufbereiteten »Altbeton« (Bruchbeton) wieder als Ausgangsstoff für Frischbeton anstelle von natürlichen Gesteinskörnungen zu verwenden.

Unser Recycling-System kann aufbereitetes Recyclingmaterial in einem großen Ausmaß sortenrein zur Verfügung stellen. Im Sinne der Regionalität und Effizienz sollten Recyclingmaterialien aber sinnvollerweise geringe Transportentfernungen einhalten.

Report: Welche Erwartungen setzen Sie in Forschungsprojekte zu Beton mit Carbonfasern?

Brandweiner: Nachhaltiges Bauen, Klimaschutz durch geringere CO2-Emissionen und Ressourcenschonung gewinnen bei Neubau und Sanierung immer mehr an Bedeutung. Carbonbeton kann hier einen zukunftsweisenden Beitrag als umweltfreundlicher und langlebiger Verbundwerkstoff, der sowohl bei der bautechnischen Verstärkung und Instandsetzung als auch im Neubau neue Maßstäbe setzt, leisten.

Vor allem seine hohe Festigkeit bei geringem Eigengewicht und das damit verbundene einfache und kostengünstige Handling machen ihn zu einem zukunftsweisenden Werkstoff – sowohl für Betonfertigteile als auch für Architekturbeton im Bereich Instandsetzung und Verstärkung, wie z.B. in der Sanierung von Böden, Parkhäusern oder Brücken.

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