Samstag, Mai 25, 2024

Langfristige Beschaffungsverträge, enorme Speicherkapazitäten und die Diversifikation der
Erdgasversorgung als Zukunftsmodell: Die EconGas-Geschäftsführer Jesco von Kistowksi und
Michael Peisser über ihre Pläne und die damit verbundenen Herausforderungen.

(+) plus: Erdgas ist in Europa ein begehrter Rohstoff, dessen Bedeutung enorm zunimmt. Wie sieht aus der Sicht der EconGas die Versorgungssicherheit aus?
Michael Peisser: Die wesentliche Herausforderung für die nächsten Jahre wird sein, die Versorgungssicherheit weiter zu stärken. Die Versorgungssicherheit st gerade im liberalisierten Erdgasmarkt das wesentliche Unterscheidungs- und Qualitätsmerkmal. Die im Herbst 2006
zwischen uns und der Gazprom export Ltd. abgeschlossenen Lieferverträge für russisches Erdgas sind Beweis dafür, dass
EconGas sich nachhaltig am internationalen Gasmarkt positioniert hat. Das war ein großer Erfolg für die Versorgungssicherheit
Österreichs, aber auch für unser Unternehmen. Wir setzen damit die 40-jährige Partnerschaft der OMV mit Russland
fort. Von den jährlich aus Russland vertraglich gesicherten sieben Milliarden Kubikmetern Erdgas sind rund drei Viertel
für EconGas bestimmt.

(+) plus: Als Anfang 2006 die Lieferungen von russischem Erdgas eingeschränkt wurden, stellte sich in Westeuropa erstmals die
Frage nach Alternativen zu russischem Erdgas. Haben Sie eine Antwort?
Jesco v. Kistowski: Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Sicherheit der Erdgasversorgung sind die hohen Speicherkapazitäten der
EconGas. Sie entsprechen dem Businesskundenbedarf von mindestens drei Monaten.
Insgesamt lagert Österreich ein Drittel seines jährlichen Erdgasbedarfs in Speichern,
Deutschland etwa nur knapp ein Fünftel, Belgien gar nur vier Prozent. Gemessen am Verbrauch liegt Österreich damit in Sachen
Erdgasspeicherung im Spitzenfeld Europas.

(+) plus: Welches Erdgas soll eingespeichert
werden, wenn der Gasfluss aus Russland
aus welchen Gründen auch immer unterbrochen
würde?
Peisser: Eines ist klar: Nur ein Mehr an
Diversifizierung bringt langfristig mehr
Versorgungssicherheit. Liquefied Natural
Gas (LNG) und der Ausbau
des Tradinggeschäfts sind
dabei neben den direkten
Bezugsverträgen ein fixer Bestandteil
der Beschaffungsstrategie
der EconGas. Wir
sind mittlerweile nicht nur
an den wichtigsten europäischen
Erdgas-Handelspunkten
aktiv, sondern mit dem
im Dezember 2007 unterzeichneten
Vertrag mit dem
Gate-Terminal in Rotterdam
aktiv ins LNG-Geschäft eingestiegen.
EconGas plant, ab
der zweiten Jahreshälfte 2011
drei Milliarden Kubikmeter
Erdgas über Rotterdam zu
regasifizieren. Diese Menge
entspricht etwa einem Drittel
des gesamten Erdgasjahresverbrauchs
in Österreich.
Kistowski: Dieser Schritt
hat jedoch auch eine enorme
strategische Tragweite für die Zukunft. Wir
verbinden unsere derzeitigen Märkte mit
neuen, wichtigen Handelsplätzen in Nordwesteuropa.
Zudem haben wir mit dem
Rotterdamer LNG-Terminal nun auch die
Möglichkeit, auf zusätzliche Erdgasquellen
zuzugreifen. Beides ist von großer Bedeutung
für die weitere Wachstumsstrategie
von EconGas.

(+) plus: Welche Märkte sind neben Österreich
für EconGas von besonderer Bedeutung?
Peisser: Von Beginn an richtete man bei
EconGas das Augenmerk auf die benachbarten
Märkte Süddeutschland, Norditalien,
Ungarn, Kroatien, Slowakei, Slowenien
und Tschechien. Diese Märkte repräsentieren
zusammen rund ein Viertel des
europäischen Erdgasmarktes, die EU-27.
Das süddeutsche Zielgebiet entspricht in
puncto Erdgasverbrauch dem Dreifachen
des österreichischen Marktes. Ähnlich die
Stellung Italiens, Westeuropas drittgrößtem Erdgasmarkt. Die norditalienische Industrieregion hat mit rund 55
Milliarden Kubikmetern einen sechsmal höheren Erdgasverbrauch
als Österreich.
Kistowski: Die Liberalisierung der Märkte hat uns große Chancen
eröffnet. In den frisch geöffneten Märkten Fuß zu fassen, war aber
alles andere als einfach. Zwar herrschte de jure von Anbeginn eine
vollständige Liberalisierung der Energiemärkte, de facto kämpfen
aber alle Mitbewerber und auch EconGas mit teils erheblichen Hindernissen.
Das sowohl in Deutschland als auch in Italien, wo wir seit
2005 mit Tochterunternehmen vertreten sind.
Dennoch ist unsere Internationalisierung erfolgreich, was sich
eindrucksvoll in den Zahlen zeigt: Machte der Auslandsanteil am
EconGas-Absatz im ersten vollen Geschäftsjahr noch rund sechs
Prozent aus, liegt er derzeit bei rund 30 Prozent.
Peisser: Diese Erfolgsgeschichte soll nun in unserem östlichen
Nachbarland Ungarn fortgesetzt werden. Ungarn hat mit 42 Prozent
einen auffallend hohen Anteil von Erdgas am Primärenergieaufkommen.
Seit Anfang 2007 gibt es auch in Budapest eine Tochtergesellschaft
der österreichischen EconGas. Mit der Schaffung der
rechtlichen Voraussetzungen für einen liberalisierten Energiemarkt
ist zur Jahresmitte 2008 zu rechnen. Dann wird die EconGas mit
ihren Stärken – Versorgungssicherheit, Service und verlässliche Zusammenarbeit
mit Partnern in Industrie und Kommunen – auch in
Ungarn punkten können.

(+) plus: Welche Länder können folgen?
Kistowski: Angesichts künftiger Internationalisierungsschritte
beobachten die EconGas-Analysten die Entwicklungen in den Zielmärkten
Kroatien, Slowakei, Slowenien und Tschechien sehr genau.
In weiterer Folge rückt auch Nordwesteuropa stärker in unser Blickfeld
– zum einen, weil man dort bereits jetzt als Handelspartner aktiv
ist, zum anderen, weil die fortschreitende Liberalisierung und das
Zusammenwachsen der Absatzmärkte neue Chancen eröffnen. Die
Erfahrung, die EconGas durch die Zusammenarbeit mit mittlerweile
rund 500 Weiterverteilern und Businesskunden im liberalisierten
europäischen Erdgasmarkt ins Treffen führen kann, stellt einen
unschätzbaren Vorteil bei der Akquisition neuer Kunden dar. Der
erfolgreiche Weg der ersten fünf Jahre bildet somit das Fundament
für die Erfolge der Zukunft.

(+) plus: Wodurch unterscheidet sich das Angebot von EconGas
von jenem des Mitbewerbes?
Peisser: Neben der Kernkompetenz setzen wir auf intensive Kundenorientierung
durch maßgeschneiderte Energielösungen, die sich
individuell an den jeweiligen Kundenbedürfnisse orientieren. Optimale
Versorgung bedeutet nicht nur die verlässliche Lieferung von
Erdgas zur rechten Zeit am rechten Ort, sondern auch eine flexible
Produkt- und Preispolitik.
Kistowski: Das Angebot reicht hier von individualisierbaren
Preisprodukten bis zur an die Bedürfnisse der Kunden angepassten
Rechnungslegung. Komplexe Risikomanagementinstrumente
bringen den Kunden Planungssicherheit in Sachen Energieausgaben.
Unter individuellem Service verstehen wir auch die umfassende
technische Unterstützung bei Konzeption und Umsetzung von Energieprojekten,
die den Umstieg auf Erdgas für ein Unternehmen erleichtern.
Die EconGas-Anwendungstechniker am Linzer Standort
unterstützen die EconGas-Kunden außerdem bei der Optimierung
ihres Energieeinsatzes. Das Ziel sind preisgünstige und kompakte
Gesamtlösungen, die eine effiziente und umweltschonende Energienutzung
möglich machen.

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