Sonntag, Mai 19, 2024

Nur vier von zwölf Teilbranchen durften sich im abgelaufenen Jahr über Umsatzzuwächse freuen. In Summe verzeichnete die österreichische Baustoffindustrie ein Wachstum von bescheidenen 0,26 Prozent. Und auch für 2016 sind die Aussichten alles andere als vielversprechend.

Die rund 300 Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie erzielten im abgelaufenen Jahr einen Umsatz von 3,32 Milliarden Euro. Das entspricht einem leichten Umsatzplus von 0,26 Prozent. Am erfreulichsten entwickelten sich die Umsätze in der Beton- und -fertigteilindustrie (+6,61 % auf 459 Mio. Euro), der Schleifmittelindustrie (+5,48 % auf 357 Mio. Euro), der Transportbetonindustrie (+5,31 % auf 434 Mio. Euro) und derZiegelindustrie (+4,16 % auf 146 Mio. Euro). Am schlimmsten erwischte es die Naturwerksteinindustrie (-10,61 % auf 31 Mio. Euro) und die feinkeramische Industrie (-7,69 % auf 178 Mio. Euro). »Wir sind in hohem Maße von einzelnen Großprojekten wie dem neuen Rapid-Stadion, Gewerbebauten oder den ÖBB-Tunnelprojekten abhängig.

Der Standardmarkt ist in allen Branchen rückläufig und die Tendenz geht auch weiter nach unten«, fasst Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie, die Ergebnisse der Konjunkturerhebung zusammen. Als besonders aussagekräftig für das Investitionsklima hat Pfeiler die klassischen Tiefbaubranchen identifiziert. »Diese Branchen sind die Ers­ten, die fehlende großflächige Projekte wie den Straßenbau zu spüren bekommen«, so Pfeiler. Und das Ergebnis fällt in der Schotterindustrie (-4,14 % auf 101 Mio. Euro) und der Sand- und Kiesindus­trie (-4,12 % auf 141 Mio. Euro) deutlich negativ aus. Vor dem Hintergrund, dass die A5 das aktuell einzig größere Straßenbauprojekt Österreichs ist, begrüßt der Fachverband Steine-Keramik das Bekenntnis von Verkehrsminister Klug zum Ausbau der Schienen- und Straßeninfrastruktur.

Hoffen und Bangen

Als Zulieferer für die Bauindustrie erhofft sich die Branche natürlich auch vom Wohnbaupaket Impulse. Gleichzeitig macht man sich aber Sorgen, dass die in vielen Ländern diskutierten Sonderwohnbauprogramme und Billigschienen die allgemeinen Anforderungs- und Qualitätskriterien nach unten nivellieren. »Das Aufgeben von bautechnischen Vorgaben und Standards bei Energieeffizienz, Wertbeständigkeit und Nachhaltigkeit führt in eine Sackgasse. Wer nur billige Errichtungskosten im Blick hat, baut wenig nachhaltig und hat das Wohnraum-problem lediglich ein paar Jahre hinausgeschoben«, warnt Manfred Asamer, Obmann des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie, und fordert von den Ländern, ein nachhaltiges Gesamtkonzept zu verfolgen (siehe Kasten).

Der Branche, die sich durch das Dogma des Billigbaus und steigenden Belas­tungen wie den Ökostromzuschlägen schon national unter Druck gesetzt fühlt, weht zudem aus Brüssel eins charfer Wind entgegen. »Wir werden im Energiesektor gegenüber osteuropäischen Ländern massiv benachteiligt«, erklärt Obmann-Stellvertreter Robert Schmid. »Die Emissionen, die einzelnen osteuropäischen Ländern für ihre Kohlekraftwerke zugestanden werden, werden unseren Unternehmen bei der Produktion von Kalk, Ziegel oder Zement wieder weggenommen. Das ist absolut inakzeptabel«, kritisiert Schmid und fordert von der Politik, dem Lippenbekenntnis der Reindustrialisierung endlich Taten folgen zu lassen. Wenn es die heimische Politik wirklich ernst damit meine, müsse sie auf EU-Ebene entschieden gegen diese Ungleichheiten auftreten.

Das alles lässt die Verantwortlichen des Fachverband Steine-Keramik skeptisch in das Jahr 2016 blicken. »Vieles wird davon abhängen, wann die Wohnbauoffensive am Markt ankommt, wir rechnen nicht vor dem zweiten Halbjahr damit. Wenn wir die Zahlen des Vorjahres halten können, müssen wir zufrieden sein«, fasst Pfeiler die bescheidenen Erwartungen zusammen.

Nachhaltiges Gesamtkonzept

Der Fachverband Steine Keramik wünscht sich auch für die Sonderwohnbauprogramme der Länder im Zuge der Flüchtlingsdebatte ein nachhaltiges Gesamtkonzept, das folgende Punkte umfassen soll: 

  • Baukosten unter Berücksichtigung von Betriebskosten und Nachnutzungskonzepten
  • Zweiklassengesellschaft durch Einhaltung von Bebauungsvorschriften und Energieeffizienzstandards vermeiden
  • Baustoffneutralität bei Vergabe von Aufträgen

 

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