Dienstag, Juli 16, 2024

Der Wollner-Hof ist eines der ältesten Häuser am Brunnenmarkt in Wien Ottakring. In den 80er Jahren zum Spekulationsobjekt verkommen, ist das Gebäude nach und nach verwahrlost. Seit einem Jahr läuft nun endlich die Sanierung, inklusive Dachgeschossbau mit insgesamt zwölf Wohnungen.

Sanierung und Umbau des geschichtsträchtigen Ottakringer Wohnhauses gehen zügig voran. Die revitalisierte Fassade und die Rohbauten für die Aufstockung und den Dachgeschossausbau des Gebäudes lassen bereits erahnen, wie der künftige Wollner-Hof aussehen wird. Jetzt wurde im Beisein von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Franz Prokop und GEWOG-Geschäftsführer Karl Wurm Dachgleiche gefeiert.
Ziel des Sanierungskonzepts der GEWOG, die das Gebäude 2005 erworben hat, ist es, Alt und Neu zu verknüpfen und ein modernes, zeitgemäßen Standards entsprechendes Wohnhaus zu gestalten, ohne auf den typischen Vorstadt-Charakter zu verzichten. "Künftig wird der Wollner-Hof nicht nur seinen Bewohnerinnen und Bewohnern viel Wohnkomfort bieten, sondern auch das Grätzel aufwerten", sagt Wohnbaustadtrat Ludwig. Die Gesamtkosten für Revitalisierung und Umbau des Wollner-Hofs betragen rund 4,2 Millionen Euro, rund 3,2 Millionen davon schießt die Stadt Wien zu. Darüber freut sich auch Bezirksvorsteher Prokop. "Mit der Revitalisierung und Neugestaltung des Wollner-Hof bleibt nicht nur ein Stück der Historie Ottakrings erhalten, sondern es wird auch ein weiterer, wichtiger Baustein für die Attraktivierung und noch lebenswertere Gestaltung des Brunnenmarkt-Viertels geschaffen", so Prokop.

Der neue Wollner-Hof
Die Sanierung umfasst u.a. die Instandsetzung und Wärmedämmung der Fassaden, die Unterfangung der Fundamente, die Erneuerung der Steig- und Verteilungsleitungen für Gas, Strom und Wasser, den Einbau von Wärmeschutzfenstern und die Verbesserung der Wohnungen. Durch eine neue innere Erschließung des Gebäudes werden die besonders kleinen Bestandswohnungen gekoppelt und sowohl hof- als auch straßenseitig belichtet. Die neu geschaffenen, zum Hof durchgesteckten Wohnungen in den Aufstockungs- und Dachgeschoßflächen erhalten hofseitige Terrassen, die strassenseitigen Eckwohnungen im Dachgeschoß sind mit Terrassen in Form von Eckgaupen ausgestattet.
Im Erdgeschoß wird der derzeit offene Innenhof weitgehend überdacht. Frei bleibt hier ein Atrium mit einem Baum und ein offener, teilweise mit Glas überdeckter Durchgang, der im Erdgeschoß die beiden seitlichen Stiegenhäuser miteinander verbindet und die Allgemeinräume erschließt. Die neu geschaffenen Erdgeschoßräumlichkeiten beinhalten neben dem Müllraum auch einen Kinderwagen- und Fahrradabstellraum sowie neue Lager- und Geschäftsflächen für die straßenseitigen Lokale.
Der Wollner-Hof verfügt nach der Sanierung über 30 Wohnungen (vorher: 31) mit einer durchschnittlichen Größe von 84m2. Drei Wohnungen sind zurzeit noch frei! Geplanter Bezugstermin ist der Herbst 2009.

Die Geschichte des Wollner-Hofs
Der Wollner-Hof ist stummer Zeuge einer bewegten, oftmals tragischen Geschichte.1920 von der jüdischen Kaufmannsfamilie Wollner erworben, wurde er in der Zeit des Nationalsozialismus im Zuge der Arisierung enteignet. Seine Eigentümer – Siegfried Wollner und dessen Frau Irma wurden in das Ghetto von Modliborzyce (Polen) deportiert. Irma Wollner wurde von den Nazis ermordet, über das weitere Schicksal ihres Mann ist nichts bekannt. Nach dem Krieg ging das Gebäude im Rahmen eines Restitutionsverfahrens an den Sohn von Siegfried Wollner – den nach England emigrierten Dr. Gerhard Wollner, der die Liegenschaft Anfang der 70er-Jahre verkaufte. Die „Spekulationsära“ des Wollner-Hofs begann in den 80er Jahren. Nach einem Eigentümerwechsel verfiel und verwahrloste das Gebäude, das ursprünglich aus drei Gebäudeteilen bestand, zunehmend. Einsätze des Gesundheitsamtes wegen sanitärem Übelstand waren an der Tagesordnung. Zudem war die Liegenschaft stark überschuldet und Gegenstand diverser Erbschaftsstreitereien, sodass Versuche zu einer Lösung der massiven Probleme mehrmals scheiterten.

Die „at home Immobilien GmbH - Wohnprojekte + Ideen“, ein Tochterunternehmen der gemeinnützigen Wohnbaugruppe GEWOG und NEUE HEIMAT, startete im Jahr 2004 neuerlich Verhandlungen zum Erwerb der Liegenschaft. Ende 2005 gelang es ihr nach langwierigen Ankaufsgesprächen das Gebäude für die GEWOG Gemeinnützige Wohnungsbau Ges.m.b.H. zu erwerben, wobei die „at home“ weiter die Projektentwicklung übernahm. Unter enger Einbindung der Bezirksvorstehung und den befassten Magistratsdienststellen wurde ein Revitalisierungskonzept für den Wollner-Hof ausgearbeitet. Die meisten Wohnungen standen aufgrund ihres katastrophalen Zustands frei. Die dringend notwendigen massiven Eingriffe in das Gebäude machten eine Absiedlung der letzten BewohnerInnen notwendig, die zu deren voller Zufriedenheit ablief. Sie erhielten entweder Ersatzwohnungen oder eine entsprechende Ablöse.

 

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