Donnerstag, September 17, 2026

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Die „KI-Landkarte Österreich“ des VÖSI – Verband Österreichischer Software Innovationen – ist beim eAward 2026 in der Kategorie „Zukunftstechnologien“ ausgezeichnet worden. Entgegengenommen haben den Preis im Palais Eschenbach VÖSI-Präsidentin Doris Lippert und Manuel Moser, der die fachliche Leitung des Projekts verantwortet. Die Jury hob hervor, dass hier nicht ein einzelnes Projekt prämiert wird, sondern stellvertretend eine ganze Branche: Mehr als 150 kuratierte KI-Anwendungsfälle sind derzeit auf der Plattform versammelt.

Bühnenfoto Martin Szelgrad, Doris Lippert, Elisabeth Wiederseder, Manuel Moser, Michael Nowak
Bild: Barbara Krobath

Bild: Martin Szelgrad (Report Verlag), Doris Lippert, Elisabeth Wiederseder und Manuel Moser (VÖSI) mit eAward-Partner Michael Nowak (Huawei).


Begonnen hat das Ganze, wie so oft, ohne Budget und ohne Businessplan. „In einer Nacht-und-Nebel-Aktion, als Hobbyprojekt, haben wir angefangen zu sammeln“, erinnert sich Doris Lippert, Präsidentin des VÖSI und Geschäftsführerin von Cloudflight Österreich. Der Auslöser war eine Frage, die der Softwarebranche im Jahr 2025 auf praktisch jeder Veranstaltung gestellt wurde: Was funktioniert in Österreich bei Künstlicher Intelligenz eigentlich wirklich – und was ist bloß angekündigt?

„Da war dieser ganze KI-Nebel, wo man nicht wusste, was funktioniert tatsächlich“, so Lippert. „Und was kann mehr Orientierung geben im Leben als eine Landkarte?“ Ein Satz, den sie mit einem Augenzwinkern nachschiebt: „Meine Generation hat noch Landkarten gehabt.“

Kein Selbstbedienungsladen
Wer auf die Karte will, muss durch ein Gremium. Das Kuratorium besteht aus technischen ExpertInnen, AnwenderInnen und IT-Unternehmen, der Kriterienkatalog ist knapp und unbequem: Die Lösung muss produktiv im Einsatz sein, es muss Referenzmaterial zur Verfügung gestellt werden, und der technologische Reifegrad muss stimmen. „Wie bieten eine Plattform, auf der alle Use-Cases dargestellt und im Detail präsentiert werden“, beschreibt Lippert den Zugang.

Die Selektion ist spürbar. Nach Angaben des VÖSI wurden mehr als 500 Projekte eingereicht – gelistet ist heute rund ein Drittel davon. Entstanden ist daraus eine Refernzdatenbank, mit echten Ansprechpersonen, echten Erfahrungswerten und, das betont Lippert ausdrücklich, auch mit den Misserfolgen.

Version 2.0 und die Frage nach dem Ablaufdatum
Interessanter als der Bestand ist das, was jetzt kommt. Manuel Moser nutzte die Bühne für einen Aufruf an den Saal: „Wenn ich mir was wünschen darf, dann geht jeder, der heute nach Hause kommt – oder vielleicht morgen in der Früh –, auf die Landkarte und reicht seinen eigenen Use Case ein.“

Version 2.0 soll um mehr als 50 neue Fälle wachsen, das erklärte Ziel liegt bei 200 Anwendungsfällen. Bemerkenswert ist aber der zweite Arbeitsauftrag, den sich das Team selbst gegeben hat: „Wir arbeiten daran, dass die Qualität der bisherigen Use Cases geprüft wird“, sagt Moser. „Use Cases entwickeln sich weiter. Es ist unser Anspruch, dass sie aktualisiert werden – oder vielleicht heruntergenommen werden, wenn sie nicht mehr aktuell sind.“ Eine Landkarte, die ihre eigenen Einträge wieder löscht: In einem Feld, in dem Referenzen sonst gerne auf ewig stehen bleiben, ist das keine Selbstverständlichkeit.

Kein Kreativitätsproblem
Die größere Pointe des Abends lieferte die Diskussion darüber, was die Karte überhaupt zeigt. Europa gilt im geopolitischen Dauergespräch als jener Kontinent, der bei KI hinterherhinkt. Wer sich die österreichischen Einreichungen ansieht, kommt zu einem anderen Befund: Das Problem sei die Sichtbarkeit, nicht die Kreativität.
Genau dafür, sagt Lippert, stehe die Auszeichnung – und zwar „im Namen der 150 Unternehmen, die auf der Landkarte präsent sind“. Ein Nebeneffekt war an diesem Nachmittag ohnehin nicht zu übersehen: Etliche der nominierten Projekte des eAward 2026 finden sich bereits auf der Karte wieder.

Alle Beteiligten, sei angemerkt, arbeiten ehrenamtlich daran.

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