Tuesday, March 17, 2026

Mehrwert für Manager

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Mit einem Konjunkturpaket in der Höhe von einer Milliarde Euro will die Regierung der heimischen Wirtschaft neuen Schwung verleihen. Knapp 600 Millionen davon waren im Budget bereits vorgesehen, weitere Mittel sollen durch Umschichtungen frei werden. Geplant sind Investitionsanreize, Förderungen für den Breitbandausbau und eine Unterstützung für energieintensive Betriebe sowie Maßnahmen gegen die Teuerung. Kann der erhoffte Kick mit den aufgrund der Budgetsanierung begrenzten Möglichkeiten überhaupt gelingen? Report(+) hat Vertreter*innen der Industrie um ihre Einschätzung gebeten.

Bild: iStock

1. Wird die von der Regierung angekündigte Investitionsmilliarde ausreichen, um die Konjunktur anzukurbeln?

Wolfgang Hesoun, Obmann des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI, Bild): Die Investitionsmilliarde und der Industriestrombonus setzen kurzfristig wichtige Impulse. Sie senken Energiekosten und koppeln Entlastung an Effizienzsteigerungen. Angesichts einer stagnierenden Wirtschaftsleistung 2025 und weiter schwacher Industriewertschöpfung braucht es jedoch mehr als Einzelmaßnahmen, um die Abwärtstendenzen bei Auftragseingängen, Produktion und Beschäftigung zu senken. Unser Ziel muss es sein, die Wettbewerbsfähigkeit strukturell zu erhöhen – erst dann werden Budget­impulse ihre Wirkung voll entfalten.

Marko Bill Schuster, Obmann des Fachverbands für die Papier und Karton verarbeitende Industrie (PROPAK): Die Milliarde ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber kein Gamechanger. Für eine exportorientierte Industrie wie unsere braucht es mehr als einen Einmalimpuls. Entscheidend ist eine klare international wettbewerbsorientierte Standortpolitik mit langfristiger Entlastung. Der Effekt auf die Konjunktur ist positiv, aber im Ausmaß beschränkt.

Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ): Welche Wirkung die angekündigte Investitionsmilliarde zeigt bleibt noch offen – besonders bei Energieprojekten. Hier zählen vor allem stabile und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Zuletzt wurde das Vertrauen von Investoren eher erschüttert: etwa durch die Verschärfung des Energiekrisenbeitrags, die Ankündigung von europaweit einzigartigen Netznutzungsentgelten für Erzeugungsanlagen oder die mangelnde Kontinuität bei Programmen wie »Raus aus Öl und Gas«. Dabei birgt gerade der Energiebereich enormes Investitionspotenzial, dessen Aktivierung für den gesamten Wirtschaftsstandort langfristig positive Effekte hätte.


2. Welche Rahmenbedingungen wären zusätzlich notwendig?

Wolfgang Hesoun: Entscheidend sind verlässliche Rahmenbedingungen wie der Abbau von Bürokratie, stabile Energiepreise sowie eine innovationsfreundliche Steuerpolitik. Effiziente Genehmigungsverfahren, gezielte Investitionen in Schlüsseltechnologien wie Mikroelektronik und Quantentechnologie stärken eine resiliente Versorgung in Europa. Es gilt, internationale Talente auszubilden, Qualifikationen anzuerkennen und Verwaltungsvorgänge zu entlasten. Nur so können wir den Wirtschaftsstandort stärken, regionale Wertschöpfung sichern und verhindern, dass Arbeitskräfte ins Ausland abwandern.

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Marko Bill Schuster (Bild): Während die Branche ihre Innovation und Nachhaltigkeit unter Beweis stellt, verliert sie durch überproportional angestiegene Arbeitskosten an Wettbewerbsfähigkeit. Diese kann nachhaltig nur erhalten werden, wenn es mittelfristig zu einer Absenkung der durchschnittlichen Lohnkosten kommt. Dazu braucht es auch Abschlüsse unter der Inflationsquote und sonstige Entlastungen bei Abgaben und Sozialkosten. Auch die zunehmende Bürokratie und die Einführung von verwaltungsintensiven europäischen Richtlinien erhöhen den Druck auf die Branche.

Martina Prechtl-Grundnig: Neben Verlässlichkeit und Kontinuität braucht es vor allem schnellere Verfahren. Der Entwurf für ein Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz bringt wichtige Ansätze: klare Strukturen, gebündelte Verfahren, Fristen und mehr Digitalisierung. Auch das öffentliche Interesse an erneuerbarer Energie soll verankert werden. Was fehlt, ist echte Verbindlichkeit: Ohne ausreichende Verpflichtung der Bundesländer zu den Energiezielen bleiben Beschleunigungsmaßnahmen lahm.


3. Wie kann man die Inflation in den Griff bekommen?

Wolfgang Hesoun: Die Inflation in Österreich liegt deutlich über dem EU-Schnitt – das belastet die heimische Industrie massiv. Es gilt, strukturelle Kostentreiber zu identifizieren und zu entschärfen – dazu zählen besonders die Energiekosten. Der Merit-Order-Mechanismus etwa, bei dem sich der Strompreis am letzten und teuersten Produzenten orientiert, sollte grundsätzlich überdacht werden. Das würde zu mehr Planungssicherheit führen, die Unternehmen dringend benötigen, um langfristig und nachhaltig investieren zu können.

Marko Bill Schuster: Wirksame Maßnahmen sind niedrige Energiekosten, eine nachhaltige Optimierung der Lohn- und Lohnnebenkosten im Vergleich zum europäischen Wettbewerbsumfeld, sowie eine Steigerung der Produktivität und Verbesserung der Kostenstrukturen. Innovation und der Ausbau neuer Absatzmärkte mit höherer Wertschöpfung werden umso wichtiger. Unsere Branche ist sich der Herausforderungen bewusst und wird dazu aktiv einen Beitrag leisten.

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Martina Prechtl-Grundnig (Bild): Der drastische Anstieg der Gaspreise und die starke Abhängigkeit von russischen Gas­importen markieren den Beginn der Teuerungsspirale. Umso wichtiger ist es jetzt vorzusorgen: Investitionen in die heimische Produktion erneuerbarer Energien stärken nicht nur Konjunktur und Arbeitsmarkt und entfalten positive fiskalische Effekte. Sie erhöhen auch unsere Resilienz und schützen nachhaltig vor künftigen Preisschocks. Für Haushalte wie auch Unternehmen wirkt der Ausbau der Erneuerbaren klar preisdämpfend.

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