Monday, April 13, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Chinesische Wüstenhoffnungen, norwegische Mobilitätswende: Manche gute Nachricht aus der Welt der Erneuerbaren hat einen Schönheitsfehler.

Bild: iStock

 

Es ist eine der düsteren Pointen der Gegenwart, dass sich in transformativen Zeiten ausgerechnet das autoritäre, undemokratische China wieder und wieder als entscheidender Motor des existenziell notwendigen Kampfs gegen die Klimakatastrophe erweist.

Dieser Kampf wird auch in zwei verschiedenen Wüstengebieten des Reichs der Mitte geführt: Auf dem Talatan-Plateau in der chinesischen Provinz Qinghai erweist sich der massive, bereits ab 2011 in Betrieb gegangene Cluster an Photovoltaik-Anlagen mit jährlich 18.000 GWh Leistung als Segen für das gesamte Ökosystem der harschen tibetanischen Wüstenlandschaft auf 3.000 Metern Seehöhe. Verbesserte Biodiversität, Feuchtigkeitsretention und Mikrobiom unterhalb der Paneel-Landschaft liefern einen weiteren Hinweis auf das Synergiepotenzial der Agrivoltaik auch unter Extrembedingungen.

In der Taklamakan-Wüste im nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang zeigt ein anderes chinesisches Langzeitprojekt erfreuliche Ergebnisse. Eine Ende Januar in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichte Studie bestätigt, dass der Kampf gegen den Klimawandel auch ohne Hightech geführt werden kann: Das größte Wiederaufforstungsprojekt der Welt an den Rändern der zweitgrößten Sandwüste der Erde hat seit 1978 mit mehr als 66 Milliarden Bäumen diese Einöde effektiv zur CO2-Senke werden lassen. Danke, China – nur dass beide Projekte in chinesischen Provinzen mit verheerenden menschenrechtlichen Bilanzen der chinesischen Staatsgewalt stattfinden, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

Der grüne Petrostaat
Auf andere Weise sind auch die Good News aus dem hohen Norden Europas ambivalent: Über 97 Prozent der im November 2026 in Norwegen zugelassenen Neuwagen waren Elektroautos, womit das Land sein Ziel von 100 Prozent fast erreicht hat. Auch sonst ist Norwegen auf den ersten Blick ein grüner Vorzeigestaat: Rund 90 Prozent des Stroms des Landes stammen aus Wasserkraft, zwei Drittel der Haushalte nutzen Wärmepumpen, bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken, bis 2050 will man klimaneutral sein.

Der Wohlstand Norwegens, der diese spektakuläre Umorientierung erst ermöglicht, entstammt allerdings nach wie vor zu großen Teilen der Öl- und Gasindustrie. 2024 machten Öl und Gas rund 60 Prozent der norwegischen Gesamtexporte aus, ein Drittel aller Staatseinnahmen sprudelt aus dieser Quelle. Rund 200.000 Arbeitsplätze hängen direkt an der Branche. Im Inland grün, nach außen ein Profiteur der Fossilenergie – dieser Widerspruch wird auch im Land selbst längst als das »norwegische Paradox« bezeichnet.

Eine Diktatur als größte Hoffnung im Kampf um die Zukunft, ein grüner Petrostaat – auch in Sachen Energiewende muss man dem legendären Stoßseufzer Fred Sinowatz’ zustimmen: Es ist eben wirklich alles sehr kompliziert.

Populär

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

Der Wirtschaftspreis eAward zeichnet Digitalisierungsprojekte aus dem Raum...

Wo sich die Zukunft entscheidet

Europa steht vor einer wirtschaftlichen Neuausrichtung. Technologische...

Tipps: Das Business neu erfinden

Vier Schritte für den Weg in eine erfolgreiche Zukunft. Und: Plattformen als...

Überraschendes Aus für Sanierungsbonus

Nach nur zwei Monaten ist Schluss. Seit 2. Februar sind keine Anträge für die...

Was 2026 kommt und wichtig wird

Wir haben unsere Leser*innen befragt, was 2026 kommt und wichtig wird....

Die Meinungsführer*innen: Führungskräfte auf LinkedIn

LinkedIn ist die mit Abstand wichtigste Businessplattform im Netz. Exklusiv...

Gasmarkt 2026 und danach

Warum Zentraleuropa vor einer neuen Realität steht. Aktuelle Entwicklungen und...

Report(+) 12/25

Wer die Zukunft gestaltet :Europa vor einer Neuausrichtung Chinas neue...

Die Top 12 Persönlichkeiten, die Österreich bewegen

Wechsel, Neubestellungen und Verantwortungen: Wer zu Jahresbeginn 2026 für...

Neue NÖ Bauordnung ab 1. März in Kraft

Mit 1. März 2026 tritt die umfassende Novelle der Niederösterreichischen...

Aus der Praxis: Verlust des Werklohns

In der Rubrik „Aus der Praxis“ gibt Roland Weinrauch, Weinrauch Rechtsanwälte, den Leser*innen...

Langer Weg mit viel Potenzial

Trotz technologischer Fortschritte verläuft der Ausbau der...