Wednesday, April 01, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Kohle statt Korallen

Kohle statt Korallen

Australiens industriefreundliche Regierung nimmt die Zerstörung des Naturwunders des Großen ­Barriereriffs in Kauf. Gelingt ein Kurswechsel?

Das Große Barriereriff vor der Nordostküste Australiens gilt als eines der großen Naturweltwunder und ist seit 1981 UNESCO-Weltnaturerbe. Über 2.300 Kilometer erstreckt sich eine einzigartige Unterwasserwelt, die jährlich etwa zwei Millionen Touristen anzieht. Dass es dem verletzlichen Ökosystem in Zeiten der globalen Klimakatastrophen nicht blendend geht, ist keine Überraschung – wie dramatisch die Lage ist, wurde aber erst vor kurzem bekannt. Wo früher lebende Korallenriffe Millionen von Fischen Zuflucht boten, sind nur mehr weiße Skelette zu sehen, soweit das Auge reicht. Ein ganzes Drittel der Korallen sei bereits tot oder liege im Sterben, so ein Bericht der James Cook University in Sydney. Der internationale Aufschrei auch prominenter Naturschützer, von Leonardi di Caprio über Sir David Attenborough bis zum Virgin-Milliardär Richard Branson, ließ nicht auf sich warten.

Die Beitrag der konservativen Regierung zu dieser Naturkatastrophe ist erschütternd: Noch wenige Wochen zuvor hatte das australische Umweltministerium die Verweise auf Klimaschäden am Riff aus einem UN-Bericht entfernen lassen - »um dem Tourismus nicht zu schaden«. Schon letztes Jahr wurden überdies Gesetze erlassen, die das öffentliche Protestieren gegen Umweltsünder mit hohen Strafen belegen und das Klagsrecht der Öffentlichkeit gegenüber der Industrie beschneiden. Der Anlass waren anhaltende Proteste gegen den geplanten Ausbau des Kohlehafens Abbot Point direkt im Bereich des Riffs; über eine Million Kubikmeter Meeresboden in der Nähe der geschützten Korallenriffe sollen dabei abgebaggert und an Land deponiert werden. Ende Dezember wurde der heiß umstrittene Bau gegen massiven Bürgerprotest genehmigt. Man braucht nicht viel Böswilligkeit, um daraus zu schließen, dass die mächtige australische Kohleindustrie der Regierung offenbar näher ist als ihre Bürger, geltendes Recht oder der Schutz der Umwelt.

Kohle für Indien

Eine der größten Kohlenminen der Welt soll in Queensland den schmutzigsten fossilen Brennstoff abbauen und per Schiff nach Indien exportieren. 200 Millionen Tonnen Kohle exportiert Australien jährlich, doppelt so viel wie Russland, über die Hälfte davon sollen den Weg über Abbot Point nehmen. Diese für ein auch den Pariser Klimazielen verpflichtetes Industrieland fragwürdige Fixation auf den klimaschädlichsten Brennstoff Kohle geschieht im Namen des Profits einiger weniger – auf Kosten vieler. Über 70.000 Arbeitsplätze im Tourismus sind direkt vom Barriereriff abhängig, drei Milliarden Dollar werden allein hier pro Jahr erwirtschaftet. Die von Kohle-Befürwortern genannten Zahlen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze stellten sich hingegen inzwischen als wohlwollendes Wunschdenken heraus: Aus den angeblich 10.000 neuen Arbeitsplätzen wurden auf Nachfrage von Gerichten letztendlich 1.400, in den nächs­ten 30 Jahren.

Erst im April rief eine Gruppe von 56 Wissenschaftern in einem offenen Brief die australische Regierung dazu auf, eine Exitstrategie aus der Kohle in die Tat umzusetzen. Bei einem Kurswechsel der Klima- und Energiepolitik könnte Australien bis 2040 auf den Großteil seiner Kohle- und Gaskraftwerke verzichten, rechneten jüngst auch Bloomberg-Analysten vor. Noch sieht es jedoch nicht danach aus. Im Gegenteil: Im Mai 2016 bestritt der australische Umweltminister vehement, dass die Kohleförderung und -verfeuerung eine »signifikante« Auswirkung auf den Klimawandel und die nationalen Ökosysteme habe.

Auch anderen Regierungen dieser Welt sind die wirtschaftlichen Interessen mächtiger Lobbys wichtiger als Umwelt und Klima. Die Regierung Australiens hat aber vielleicht bald ein 2.300 Kilometer langes, totes Massengrab vor seiner Küste als Beweis ihrer Kurzsichtigkeit. (Rainer Sigl)

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Die IT-Reifeprüfung: So müssen Abläufe im Service ...
Reden bringt die Leut’ zusammen

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Vertiv
31 March 2026
Firmen | News
Das Vertiv™ CoolPhase Wall wurde für den 24/7-Betrieb in kritischen Rechenumgebungen entwickelt und bietet einen um bis zu 60 % höheren Luftstrom als herkömmliche Komfortkühlung Vertiv, ein weltweit führender Anbieter für kritische digitale Infrastru...
Vertiv
27 March 2026
Firmen | News
Die Transaktion soll Kunden mehr Wahlmöglichkeiten entlang der gesamten thermischen Kette bieten, um Strombedarf und Energieeffizienz von KI-fähigen Rechenzentren zu optimieren Vertiv, ein weltweit führender Anbieter für kritische digitale Infrastruk...
Vertiv
26 March 2026
Firmen | News
Neue und erweiterte Produktionsstätten in Nord- und Südamerika sollen Anwendungen mit hoher Dichte durch Lösungen unterstützen, die eine schnelle Bereitstellung und skalierbare Infrastruktur ermöglichen. Vertiv (NYSE: VRT), ein weltweit führender Anb...
LANCOM Systems
25 March 2026
Firmen | News
Beim Professional User Rating IT Operations von techconsult bewerten IT-Verantwortliche Anbieter und Lösungen im Bereich Network Management und Monitoring. LANCOM Systems sichert sich 2026 erneut die Spitzenposition. Mit hervorragenden Bewertungen au...

Neue Blog Beiträge

30 March 2026
USA: Zwischenrufe aus Übersee
Europa
Politik
Was sagt man einem New Yorker Banker, der sich wundert, warum sein Frankfurter Pendant nur noch über Förderprogramme redet? Man zeigt ihm zwei Tabellen: 2008 lag das EU-BIP laut Weltbank bei 16,2 Billionen US-Dollar, die USA standen bei 14,7.  H...
25 March 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Politik
Die aktuelle Diskussion rund um die Förderung des Heizkesseltauschs greift zu kurz, wenn sie isoliert betrachtet wird. Ein neuer Heizkessel allein macht ein Gebäude noch nicht energieeffizient.  Wirklich wirksam wird ein Kesseltausch nur da...
20 March 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Unsere Branchen stehen vor großen Herausforderungen. Aufträge schwanken, Kosten steigen. Viele Betriebe und Beschäftigte spüren den Druck. Gerade in solchen Zeiten zeigt sich, wie wichtig unsere funktionierende Sozialpartnerschaft ist.  Die...