Thursday, April 30, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Energie: Clean wie China

Energie: Clean wie China

Das Reich der Mitte galt jahrelang als schwarzes Schaf in Sachen Umwelt. Doch eine überraschende Trendwende ist in vollem Gang.

1,3 Milliarden Einwohner, die »Werkbank der Welt«, ein für Westler paradoxes Staatsgebilde aus autoritärem kommunistischem Staat und kaum gehemmtem Turbokapitalismus, ein Gigant mit zweifelhaftem Ruf: Die Volksrepublik China ist für Ausländer nicht leicht zu verstehen. Was jahrelang allerdings feststand, war eines: Der rasant wachsende asiatische Gigant stellte seine Wirtschaft konsequent vor die Umwelt und sogar seine Bewohner. Berüchtigt sind die Millionen Menschenleben fordernden Wirtschaftsprogramme unter Mao, die menschenverachtenden Zwangsumsiedlungen bei megalomanischen Infrastrukturprojekten wie der Drei-Schluchten-Talsperre und die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei chinesischen Zulieferbetrieben. Und es gab eine weitere Gewissheit: China ist in Bezug auf Kohlendioxidausstoß der weltgrößte Klimasünder.

In Zeiten fallender Temperaturrekorde und zunehmend wahrnehmbarer Auswirkungen des menschenverursachten Klimawandels sind gute Nachrichten eine Seltenheit, doch hier ist eine: Zumindest in Bezug auf seinen Kohlendioxidausstoß zeigt sich in China eine Entwicklung, die Grund zur Freude gibt. Denn wie Ökonomen in einer im Journal Nature Geoscience veröffentlichten Studie herausgefunden haben, hat China den Zenit seines sich zwischen 2003 und 2013 verdreifachenden Kohlekonsums bereits 2014 überschritten – seitdem fällt der Verbrauch des für die CO2-Emissionen hauptverantwortlichen Rohstoffs stetig. »Das könnte ein wirklicher Wendepunkt sein«, meint dazu Lord Nicholas Stern, an der London School of Economics für Forschung zum Wechselspiel zwischen Ökonomie und Klima tätig und Mitautor der von chinesischen Ökonomen erstellten Studie. »Möglicherweise werden Historiker dieses Jahr als wichtiges Ereignis in der Geschichte des Klimas und der Weltwirtschaft würdigen.«

Revolution von oben

Die Gründe für die überraschende gute Nachricht sind vielfältig. Zum einen, so die Studienautoren, seien sowohl die langsamer wachsende Wirtschaft als auch die Abkehr von Schwerindustrie hin zu Hightech- und Dienstleistungssektor verantwortlich. Zum anderen tragen aber auch die Bemühungen der chinesischen Staatsführung bei der Bekämpfung der gravierenden Wasser- und Luftverschmutzung Früchte. Zusammen mit der staatlichen Forcierung erneuerbarer Energiegewinnung und der Einführung eines nationalen Emissionshandelssystems ist eine massive Modernisierung des chinesischen Energiesektors im Gange.

Die chinesische Führung, dank Einparteiensystem in langfristiger Planung ungefährdet und von keiner störenden Opposition oder unliebsamen Wahlergebnissen belästigt, meint es nicht nur ernst damit, ihre im Vertrag von Paris festgelegten Klimaziele umzusetzen, sondern ist auf dem besten Weg, diese überzuerfüllen: Die von Staatspräsident Xi Jinping eingegangene Verpflichtung, bis 2030 das Wachstum der Gesamtemissionen Chinas nicht nur zu stoppen, sondern sogar umzukehren, könnte bereits Jahre zuvor erreicht werden. Optimisten wie der deutsche Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber sehen sogar die Hoffnung, dass es bereits 2020 so weit sein könnte.

Freilich: Mit der überraschenden Bekehrung des weltgrößten Klimasünders ist es bei weitem nicht getan. »Wenn wir das Ziel, die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu beschränken, ernst nehmen, muss Kohle global verschwinden«, mahnte der deutsche Klimaforscher bereits 2015. Wie es aussieht, geht China diesen Weg voran. (Rainer Sigl)

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Hat Gold fertig?
Wie die Kreislaufwirtschaft den Markt verändert

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Vertiv
28 April 2026
Firmen | News
Steigende Leistungsdichten durch KI- und HPC-Anwendungen bringen klassische Stromarchitekturen zunehmend an ihre Grenzen. Hochvolt-DC-Konzepte gelten als vielversprechender Ansatz, um Umwandlungsverluste zu reduzieren und höhere Effizienz sowie Skali...
Marija Kotnig
27 April 2026
Firmen | News
Die Anforderungen an Unternehmen im Bereich Cybersicherheit steigen rasant – nicht zuletzt durch die EU-Richtlinie NIS-2, die in Österreich mit dem NIS-Gesetz 2026 verbindlich umgesetzt wird. Der CIS Compliance Summit 2026 bietet klare Antworten und ...
Vertiv
24 April 2026
Firmen | News
Mit steigenden Leistungsdichten in Rechenzentren wachsen auch die Anforderungen an eine belastbare Stromverteilung. Thermische Lastwechsel durch KI- und HPC-Anwendungen stellen elektrische Systeme zunehmend auf die Probe. Ein aktueller Heat-Cycling-T...
Marija Kotnig
21 April 2026
Firmen | News
Mit einem neuen Produkt bietet Quality Austria Consulting einen wirkungsvollen Ansatz, um Handlungsfelder in Unternehmen aufzudecken und konkrete Entwicklungsschritte für Wirksamkeit, Resilienz und Zukunftsfähigkeit abzuleiten. Der FUTURE READINESS+ ...

Neue Blog Beiträge

29 April 2026
Markt und Marketing
Europa
Mensch und Gesellschaft
Österreich diskutiert seit Jahren über das »Potenzial« künstlicher Intelligenz, während in Wahrheit die wenigen Systeme, die wir wirklich laufen lassen – OpenClaw im Newsroom, Diagnostik-Algorithmen im AKH, Fraud-Filter bei der FMA – die stille Arbei...
27 April 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Europa
Explodierende Kosten, immer strengere ETS-Vorgaben und neue regulatorische Experimente bringen Europas Industrie an ihre Grenzen. Während andere Regionen massiv fördern, droht Europa, sich selbst auszubremsen – mit gravierenden Folgen für W...
27 April 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Hunderte Verstöße bei Kontrollen. Wieder einmal. Wer jetzt noch von Einzelfällen spricht, macht sich etwas vor. Sozialbetrug am Bau hat System.Die Fronten sind klar. Auf der einen Seite stehen Betriebe, die sauber arbeiten. Die zahlen, was zusteht. D...