Monday, April 27, 2026

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Bau | Immobilien

In der Rubrik »Fragen an die Politik« haben Vertreter*innen der Bau- und Immobilienwirtschaft die Möglichkeit, konkrete Fragen an Spitzenpolitiker*innen zu richten. In der aktuellen Ausgabe kommt die Frage von Gerald Herndlhofer, Geschäftsführer Drees & Sommer Österreich. Gerichtet wurde sie an Staatssekretär Sepp Schellhorn.

Bild: iStock


Thema Gebäudetyp E

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Gerald Herndlhofer, Geschäftsführer Drees & Sommer Österreich:

»Welche Rahmenbedingungen braucht es aus politischer Sicht, um innovative Bauansätze – wie etwa den aktuell in Deutschland diskutierten Gebäudetyp E – in
Österreich verlässlich und rechtssicher umzusetzen?«

 

Foto: © BMEIA/ Michael Gruber

Sepp Schellhorn, Staatssekretär:

»Österreich baut zu wenig, es fehlen die Projekte und Investitionen. Ein wesentlicher Grund dafür sind aufwändige Verfahren, hohe Standards und zersplitterte Vorgaben, die nicht immer gut aufeinander abgestimmt sind. Das schafft Komplexität, Rechtsunsicherheit und treibt die Kosten. Fehlende Wohn- und Geschäftsräume bedeuten vor allem eines: höhere Mieten als Belastung für Jedermann.

Genau hier setzt der Gedanke des Gebäudetyps E an: einfacher bauen – dort, wo Sicherheit, Gesundheit und Bestand gewährleistet sind – auch dann, wenn bewusst von nicht zwingenden Komfort-, Ausstattungs- oder Technikstandards abgewichen wird. Die Diskussion in Deutschland zeigt: Bauordnungsrecht allein reicht nicht, es braucht auch Klarheit bei Normen und Haftung. Für Österreich heißt das politisch: Wir brauchen Klarheit in vier Bereichen.

Erstens: Baurecht und Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern müssen besser aufeinander abgestimmt werden. Doppelgleisigkeiten verlängern Verfahren und erhöhen Kosten.

Zweitens: Wir brauchen einen vernünftigeren Umgang mit Normen. Nicht jede technische Empfehlung darf faktisch zur Pflicht werden. Es braucht eine klare Trennung zwischen zwingenden Schutz­anforderungen und optionalen Standards.

Drittens: Verfahren müssen einfacher und schneller werden – durch zeitgemäße rechtliche Vorgaben, digitale Abläufe und ausreichend Ressourcen in den Behörden.

Viertens: Es braucht zivilrechtliche Klarheit, damit gesetzliche Spielräume nicht durch Haftungsrisiken wieder eingeschränkt werden.

Plastisch gesprochen: Wenn der Goldstandard zur Pflicht wird, wird leistbarer Wohnraum zum Luxus. Standardisierung ist wichtig – aber ohne Flexibilität fehlt Angebot. Und wenn das Angebot sinkt, steigen die Preise.

Mein Ziel ist daher klar: schlankere Regeln, schnellere Verfahren und leistbares Bauen. Nicht weniger Sicherheit – sondern weniger Bürokratie.«

 

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