Mittwoch, September 23, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Nach Jahren des Wachstums gehen die Interaktionen der wichtigsten Unternehmen der österreichischen Bau- und Immobilienwirtschaft auf LinkedIn erstmals auf breiter Front zurück. Die Followerzahlen steigen zwar weiter, doch Unternehmensbeiträge werden seltener ausgespielt. Im aktuellen Ranking von BuzzValue für den Bau & Immobilien Report liefern sich die Porr und Strabag ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Frau mit Handy jubelt
iStock

Die Erfolgsgeschichte schien lange nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Seit BuzzValue im Jahr 2021 erstmals für den Bau & Immobilien Report die LinkedIn­-Aktivitäten der wichtigsten Unternehmen der österreichischen Bau- und Immobilienwirtschaft untersuchte, legten Reichweite, Followerzahlen und Interaktionen fast durchgehend zu. Die aktuelle Auswertung für den Zeitraum August 2025 bis Juli 2026 zeichnet nun ein anderes Bild.

Vor allem bei den Interaktionen ist ein deutlicher Rückgang zu erkennen. Das betrifft nicht nur einzelne Unternehmen oder Ausreißer, sondern zieht sich durch weite Teile des Rankings. »Die Interaktionszahlen gehen eigentlich bei allen deutlich zurück«, fasst Markus Zimmer, Geschäftsführer des Social-Media-Marktforschungsunternehmens BuzzValue, die Entwicklung zusammen. Besonders sichtbar wird sie an der Spitze: Die beiden mit Abstand stärksten Accounts verlieren jeweils fünfstellige Interaktionszahlen gegenüber dem Vorjahr.

Porr hauchdünn vor Strabag
In der wichtigsten Kategorie, der Gesamtzahl der Interaktionen, kommt es erneut zu einem Führungswechsel. Die Porr erzielt im Untersuchungszeitraum 59.143 Interaktionen und verdrängt die Strabag mit 58.246 knapp auf Rang zwei. Im Vorjahr hatte die Strabag mit 73.946 Interaktionen vor der Porr mit 70.869 gelegen. Damit sinkt die Zahl bei der Porr um rund 17 Prozent, bei der Strabag sogar um gut 21 Prozent. Der Abstand zwischen den beiden beträgt diesmal nicht einmal 900 Interaktionen. Hinter dem Spitzenduo folgen mit deutlichem Abstand die UBM Development mit 26.667 Interaktionen, die Egger Group mit 24.336 und Felbermayr mit 22.852 Interaktionen.

 

Grafiken: Die Top 25: Interaktionen
Der ewige Zweikampf: In der wichtigsten Kategorie, den erzielten Interaktionen wie Likes, Kommentaren und Reposts, hat Porr Strabag wieder überholt und setzt sich mit einem hauchdünnen Vorsprung an die Spitze. Grafik im Bau & Immobilien Report zum Thema: https://online.fliphtml5.com/jlgle/bau-09_2026_klein/#p=13

Die Top 15: Follower
Einsame Spitze: Mit über 375.000 Followern wird sich die Strabag auch in den nächsten Jahren an der Spitze halten. Grafik im Bau & Immobilien Report zum Thema: https://online.fliphtml5.com/jlgle/bau-09_2026_klein/#p=14

Die Top 15: Beiträge
Die Fleißigsten: Die UBM veröffentlicht im Schnitt fast täglich einen neuen Beitrag. Grafik im Bau & Immobilien Report zum Thema: https://online.fliphtml5.com/jlgle/bau-09_2026_klein/#p=14

Die Top 15: Ø Interaktionen/Posting
Die Effizientesten: Durchschnittlich mehr als 250 Interaktionen erzielt ein Beitrag der Strabag. Grafik im Bau & Immobilien Report zum Thema: https://online.fliphtml5.com/jlgle/bau-09_2026_klein/#p=16

Die Top 15: Ø Interaktionen/Follower
Die Engagiertesten: Mit einer starken Engagementrate von 4,1 erzielt Baustoff+Metall im Verhältnis zu seinen Followern die meisten Interaktionen. Zum Vergleich: Die Accounts mit den meisten Followern landen bei unter 0,5. Grafik im Bau & Immobilien Report zum Thema: https://online.fliphtml5.com/jlgle/bau-09_2026_klein/#p=16

 

Mehr Follower, weniger Resonanz
An mangelndem Wachstum der Netzwerke liegt der Rückgang nicht. Die Followerzahlen steigen weiterhin. Die Strabag kommt mittlerweile auf 375.271 Follower, die Porr auf 164.761. Doka liegt mit 139.993 ebenfalls klar im sechsstelligen Bereich. Gegenüber dem Vorjahr haben die drei führenden Accounts damit jeweils deutlich hinzugewonnen. Auch bei vielen kleineren Unternehmensseiten wächst die Community weiter.

Mehr Follower bedeuten aber nicht mehr automatisch mehr sichtbare Beiträge. LinkedIn positioniert sich nach Einschätzung Zimmers zunehmend als Personenkanal. Persönliche Profile erhalten im Feed Vorrang, während Beiträge von Unternehmensseiten seltener ausgespielt werden. Untersuchungen zufolge stammen nur noch zwei bis drei Prozent der im Feed sichtbaren Beiträge von Unternehmensseiten, während rund 60 Prozent oder mehr persönlichen Accounts zuzurechnen sind. Der Rückgang der Interaktionen bedeute daher nicht zwangsläufig, dass die Nutzer*innen weniger liken oder kommentieren. Sie sehen die Beiträge der Unternehmen schlicht seltener.

Für Unternehmen führt deshalb kaum ein Weg an persönlichen Kommunikator*innen vorbei. Zimmer rät, Corporate Influencer in die LinkedIn-Strategie einzubeziehen. Das müsse nicht zwangsläufig ein formalisiertes Programm mit zahlreichen Teilnehmer*innen sein. Oft reiche es, einige glaubwürdige und aktive Stimmen im Unternehmen aufzubauen. Neben dem CEO können Projektleiter*innen, Techniker*innen, Lehrlinge oder andere Beschäftigte authentische Einblicke in Projekte und den Arbeitsalltag geben. Zudem gewinnt laut Zimmer aktives Community-Management an Bedeutung. Unternehmen sollten nicht nur auf ihrer eigenen Seite posten, sondern Beiträge anderer Accounts kommentieren, Inhalte von Partnerunternehmen aufgreifen und sich an fachlichen Debatten beteiligen.

Die große Dynamik ist vorbei
LinkedIn selbst wächst in Österreich zwar noch, die Phase der großen Zuwächse dürfte aber vorbei sein. Zimmer verweist auf die im Rahmen des europäischen Digital Services Act veröffentlichten Plattformdaten. Demnach kommt LinkedIn in Österreich aktuell auf rund 900.000 monatlich aktive Nutzer*innen. Diese Zahl ist nicht mit den häufig genannten registrierten oder über Werbewerkzeuge erreichbaren Mitgliedern gleichzusetzen. Bei den tatsächlich monatlich Aktiven erwartet Zimmer kein unbegrenztes Wachstum: »Ich glaube, dass eine Million in Österreich ziemlich sicher die Grenze sein wird.«

Trotz rückläufiger Interaktionen bleibt LinkedIn ein zentrales Mosaiksteinchen der Unternehmenskommunikation. »LinkedIn ist für uns eine sehr wichtige Plattform, um die Porr, ihre vielfältigen Leistungen und unsere Mitarbeiter sichtbar zu machen«, sagt etwa CEO Karl-Heinz Strauss. Die Strabag nennt LinkedIn eine ihrer wichtigsten und stärksten Plattformen. »Hier erreichen wir Menschen, die immer gerne noch etwas mehr erfahren. Wir bekommen viele fachliche Kommentare zu z. B. Baustoffen, Umsetzbarkeit von neuen Technologien und Rückfragen zu sehr konkreten Themen«, erklärt Pressesprecherin Isabella Nutz.

Inhaltlich wird LinkedIn von den Unternehmen recht ähnlich bespielt. »Wir nutzen LinkedIn vor allem für relevante Unternehmensthemen wie Nachhaltigkeit, Innovationen, Investitionen, Kreislaufwirtschaft und Arbeitgeber- sowie Produktthemen«, sagt Katharina Wieser, Manager Corporate News & Media bei der Egger Group, und spricht damit fast stellvertretend für die ganze Branche.

Eine Ausnahme stellt die UBM dar. Dass der Immobilienentwickler mit 363 Beiträgen das Ranking der meisten Beiträge mit Respektabstand anführt, kommt nicht von ungefähr. Die UBM sieht LinkedIn nicht als klassische Corporate-Plattform, sondern vielmehr als eigenständiges Medium. »Unsere Überlegung dahinter ist eigentlich sehr einfach: Niemand würde ein Magazin lesen, das ausschließlich aus Werbung für den eigenen Herausgeber besteht. Warum sollte das auf LinkedIn anders sein?«, fragt CEO Thomas G. Winkler. Deshalb beschäftigt sich nur ungefähr jeder achte Beitrag unmittelbar mit der UBM selbst. Der weitaus größere Teil widmet sich spannenden Projekten, Entwicklungen und Ideen aus der internationalen Welt der Architektur, des Bauens und der Immobilienwirtschaft. »Damit wollen wir Menschen einen Grund geben, unserem Kanal auch dann zu folgen, wenn gerade keine UBM-Pressemitteilung oder Projektmeldung ansteht«, sagt Winkler.

Die Strabag will auf LinkedIn auch gesellschaftlich relevante Aspekte ansprechen, wichtige Events und Einblicke in die Investor Relations teilen. »Diese Themen wollen wir auch in Zukunft noch weiter stärken, da gerade diese auf eine starke Resonanz stoßen«, sagt Nutz. Die Porr will vor allem die eigenen Projekte und Erfolge sichtbar machen und Einblicke in den Baustellenalltag geben.

Kein Abschied von LinkedIn
Die rückläufigen Interaktionen bedeuten dennoch nicht, dass LinkedIn für die Branche an Relevanz verliert. Die Netzwerke wachsen, die fachlichen Zielgruppen sind präsent und die führenden Bauunternehmen zählen auch branchenübergreifend zu den erfolgreichsten Unternehmensaccounts Österreichs. Verändert haben sich vor allem die Spielregeln.

Die Zeit, in der wachsende Followerzahlen fast automatisch steigende Reichweiten brachten, dürfte vorbei sein. Unternehmen müssen ihre offiziellen Kanäle künftig stärker mit persönlichen Profilen verzahnen, ihre Community aktiv pflegen und genauer darauf achten, welche Inhalte tatsächlich Resonanz erzeugen. Die Bauwirtschaft bleibt auf Linked­In eine Benchmark – aber auch eine Benchmark muss inzwischen härter um Aufmerksamkeit kämpfen.



Analysedesign
Für die vorliegende Analyse hat BuzzValue die LinkedIn-Aktivitäten folgender Unternehmen bzw. ihrer Österreich-Töchter im Zeitraum 01.08.2025 bis 31.07.2026 unter die Lupe genommen: 3 SI, ACO, Ardex, Austrotherm, Baumarketing, Baumit, Baustoff + Metall, Beton Dialog Österreich, Binderholz, BMD, Bodner Gruppe, Bundesimmobiliengesellschaft, CA Immo, CPI, Delta, Doka, Drees & Sommer Österreich, Dywidag, Egger Group, FCP, Felbermayr, Granit, Habau, Handler, Holcim Österreich, i+R Gruppe, iC Consulenten, idwell, ImmOH, Internorm, Ishap, JAF Group, Josko, Kirchdorfer, Knauf Österreich, Leyrer + Graf, Lieb Bau, Liebherr Bischofshofen, Mapei Austria, Murexin, Nevaris Österreich, Oberndorfer, ÖGNI, Optimuse, Palfinger, Peri Österreich, Pfeifer Group, Planradar, Pocket House, Porr, Propcorn, Propster, Rabmer Gruppe, ReeBuild, Rhomberg Bau, Riederbau, Ringer, Rubner, Saint-Gobain Austria, Sequello, Smart Construction Austria, Steinbacher, Sto, Strabag, Swietelsky, Synthesa, Toolsense, UBM, Waagner Biro steel & glass, Wienerberger, Wietersdorfer, Wolf Holding, Zeppelin Österreich und Zeppelin Rental Österreich.

Tipp
Bei Interesse an den Detailergebnissen schreiben Sie einfach eine kurze Mail mit dem Betreff »LinkedIn« an Bernd Affenzeller (affenzeller@report.at).

Über BuzzValue
BuzzValue ist eines der führenden österreichischen Social-Media-Marktforschungsunternehmen. Mit der Zielsetzung, Meinungs- und Stimmungsbilder von Usern über Unternehmen, Marken und Produkte im Social Web zu analysieren, betreut BuzzValue seit über 15 Jahren führende Unternehmen aus zahlreichen Branchen. Dafür verbinden die Social-Media-Marktforscher*innen bewährte Methoden der Markt- und Meinungsforschung mit modernsten Technologien aus dem Bereich Social Media. Hierbei bietet BuzzValue Services in folgenden Bereichen an:

- Monitoring: tagesaktuelle Beobachtung der Interaktionen im Social Web.
- Research: rückblickende qualitative Social-Media-Analysen.
- Analytics: Social-Media-Kennzahlen zu Wettbewerbern und Benchmarks.

www.buzzvalue.at 

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