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Das war der Metallbautag 2026
Neue Vorgaben, steigende Anforderungen und wirtschaftliche Faktoren verändern die Rahmenbedingungen im Metallbau. Am Metallbautag 2026 wurden die Herausforderungen und Lösungen aufgezeigt und herausragende Projekte mit dem begehrten Metallbaupreis ausgezeichnet.
Der Österreichische Metallbautag fand am 9. und 10. April 2026 im World of Congress des Hotel Gut Brandlhof in Saalfelden statt. Rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie 34 Aussteller folgten laut Arbeitsgemeinschaft der Hersteller von Metall-Fenster/Türen/Tore/Fassaden (AMFT) der Einladung und sorgten für einen neuerlichen Besucherrekord.
Am Programm standen Vorträge und Diskussionsrunden zu Themen wie Schadensvermeidung im Fenster- und Fassadenbau, Brandschutz im Zusammenhang mit Photovoltaik, Fragen der Kreislaufwirtschaft sowie die europäische Marktentwicklung und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Dabei zeigte sich, dass sich die Rahmenbedingungen im Metallbau verschieben. Neue regulatorische Vorgaben, steigende Anforderungen an Dokumentation und Daten sowie wirtschaftliche Faktoren haben direkte Auswirkungen auf Planung und Umsetzung.
Als besonderer Höhepunkt wurde am Abend des 9. April der »Österreichische Metallbaupreis 2026« verliehen. Die Auszeichnung würdigte in drei Größenkategorien herausragende Metallbauleistungen und ihre Sieger, die im Vorfeld durch eine hochkarätige Fachjury ermittelt wurden.
Mehr Daten, mehr Verantwortung
Ein zentrales Thema am Metallbautag war die europäische Bauprodukteverordnung, die im November 2024 beschlossen wurde. Für Prof. Winfried Heusler vom Institut für Fenstertechnik Rosenheim steht die Branche damit »am Wendepunkt«. Die Verordnung soll die Digitalisierung des Bauwesens vorantreiben und Nachhaltigkeit stärker berücksichtigen. Kernstück ist ein digitaler Produktpass, der technische Eigenschaften, Umweltkriterien und Nutzungsdaten zusammenführt und neue Anforderungen an Dokumentation und Nachweisführung stellt. Die Dimension dieser Anforderungen lässt sich konkret beziffern: Für Fenster nennt Heusler 50 technische Merkmale, 19 Umweltkriterien und 257 deklarationspflichtige Substanzen.

Bild: Einen umfassenden Überblick über die europäische Bauprodukteverordnung lieferte Prof. Winfried Heusler vom Institut für Fenstertechnik Rosenheim.
In der Praxis bedeutet das zusätzlichen Aufwand. Produktdaten müssen über mehrere Lieferketten hinweg zusammengeführt, geprüft und aktuell gehalten werden. Da viele Bauteile projektspezifisch entstehen, können bereits Änderungen in Größe oder Ausführung neue Deklarationen auslösen. Ein Teil der Planung verlagert sich damit in frühe Projektphasen, in denen zentrale Entscheidungen oft noch nicht abgeschlossen sind.
Die neuen Anforderungen betreffen nicht nur einzelne Produkte, sondern verändern die Organisation von Projekten insgesamt. Planungs-, Produktions- und Dokumentationsprozesse greifen stärker ineinander, gleichzeitig steigt der Abstimmungsaufwand zwischen den beteiligten Unternehmen. Für viele Betriebe bedeutet das, dass zusätzliche Ressourcen in Bereiche fließen, die bisher eine geringere Rolle gespielt haben. Neben der eigentlichen Ausführung werden Datenpflege, Nachweisführung und Schnittstellenmanagement zu eigenständigen Aufgabenfeldern. Damit verschiebt sich auch die Verantwortung innerhalb der Wertschöpfungskette. Hersteller müssen nicht nur liefern, sondern zunehmend auch die Qualität und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen sicherstellen. Fehler oder Unklarheiten wirken sich dabei direkt auf den weiteren Projektverlauf aus.
Rahmenbedingungen bleiben entscheidend
Mit der Bauproduktenverordnung verschiebt sich ein Teil der Verantwortung in Richtung Hersteller. Datenverfügbarkeit und Nachweisführung werden damit zu festen Bestandteilen der Leistung. Die Diskussionen am Metallbautag deuten darauf hin, dass sich diese Entwicklungen nicht auf einzelne Projekte beschränken. Vielmehr verändern sich die Rahmenbedingungen schrittweise für die gesamte Branche.
Technische Lösungen sind verfügbar, ebenso die regulatorischen Vorgaben. Entscheidend wird jedoch, wie beides in der Praxis zusammengeführt werden kann. Dabei geht es weniger um einzelne Innovationen als um die Frage, wie Planungsprozesse, wirtschaftliche Entscheidungen und regulatorische Anforderungen miteinander in Einklang gebracht werden können.
Über den Tellerrand
Abgerundet wurde das Fachprogramm durch bewusst anders gesetzte Programmpunkte, die Gemeinschaft und Erlebnischarakter stärkten – mit Live-Vorführungen von Sicherheitsgläsern sowie einem Programmpunkt im ÖAMTC Experience Center, bei dem zehn Mitfahrten mit Rennfahrer Martin Ragginger auf der von Alexander Wurz designten Strecke verlost wurden.

Bild: 34 Aussteller präsentierten innovative Produkte und Dienstleistungen aus unterschiedlichen Bereichen der verbundenen Zulieferindustrie.
Metallbaupreis 2026
In drei Kategorien wurde am Metallbautag in Saalfelden der Metallbaupreis vergeben. Der Bau & Immobilien Report stellt die ausgezeichneten Projekte vor und zeigt, was die Jury überzeugt hat.
Kategorie bis 100.000 Euro: Fokus auf Detailarbeit, Materialeinsatz und handwerkliche Umsetzung im kleineren Maßstab

Preisträger: Metalltechnik Wenger, Salzburg
Projekt: Eingangsportal, Einrichtungshaus Famler
Metalltechnik Wenger wurde in der Kategorie bis 100.000 Euro für ein Eingangsportal beim Einrichtungshaus Famler in Salzburg ausgezeichnet: Im Bestand entscheidet sich, ob Handwerk, Detailtreue und Gestaltung zu einem stimmigen Ganzen zusammenfinden. Es braucht Vorstellungskraft für Design, Maßarbeit und ein Gespür für Materialien. In diesem Fall entstand eine Lösung, die Funktion und Form perfekt zusammenführt. Die Arbeit mit der hochkupferhaltigen Messinglegierung Tombak war für Wenger Neuland. »Das ist vom Material und von der Optik etwas nicht Alltägliches«, erklärt Prokurist Sebastian Schmuck. Deshalb musste in der Angebotsphase geklärt werden, ob das Material verfügbar ist und wie es sich verarbeiten lässt.
Die Jury würdigte das individuell entwickelte Design, die komplexe Umsetzung im Bestand, sauber gefügte Anschlüsse und eine Materialwahl, die Haltung beweist – all das macht aus einer Idee ein präzises Stück Baukultur.

Kategorie bis 1.000.000 Euro: Projekte mittlerer Größe, bei denen Planung und Ausführung häufig parallel entwickelt werden.

Preisträger: Sauritschnig, St. Veit an der Glan
Projekt: Spiegeldeckenuntersicht, I08 Visitor Center, Klosterneuburg
In der Kategorie bis 1.000.000 Euro wurde Sauritschnig für die Spiegeldeckenuntersicht im Willkommensgebäude des Institute of Science and Technology Austria ausgezeichnet: Am Anfang des Projekts stand eine architektonische Idee, für die es keine Standardlösung gab. Sauritschnig war gefordert, »out-of-the-box« zu denken. Viele Details entstanden laut Geschäftsführer Marko Buxbaumer erst in der Umsetzungsphase. Schlussendlich wurden für die spektakuläre Untersicht des Visitor Centers etwa 9.200 Edelstahlschindeln auf rund 700 m² Untersicht montiert – mit sauber geführten An- und Abschlussblechen, integrierten Revisionsöffnungen, ohne das Erscheinungsbild und den Verlegeraster zu stören. Die größte Herausforderung war, einen gleichmäßigen Verlegeraster trotz konvexer und konkaver Konturen zu planen und anschließend am Objekt realisieren – und das unter Montagebedingungen, die Handwerk zur körperlichen Herausforderung werden lassen. Teilweise am Rücken liegend, um jede Schindel millimetergenau zu setzen.
Die Jury würdigte insbesondere das Zusammenspiel von hohem Fachwissen, komplexer Planung und der anspruchsvollen Verarbeitung polierter Oberflächen, die besondere Anforderungen stellt. Technisch präzise und perfekt umgesetzt.

Kategorie über 1.000.000 Euro: Großprojekte mit komplexen Fassadensystemen und hohen Anforderungen an Planung, Technik und Betrieb

Preisträger: GIG Fassaden, Attnang-Puchheim
Projekt: Power Tower, Linz
In der Kategorie über 1.000.000 Euro wurde GIG Fassaden für den Zubau des Power Tower ausgezeichnet: Beim Zubau des Power Tower in Linz bestand die Herausforderung darin, eine maximal transparente Hochhausfassade zu realisieren, die trotz starker Windbelastung eine zuverlässige Beschattung, maximale Energieeffizienz und minimale Wartung ermöglicht. Die von GIG entwickelte Closed-Cavity-Fassade beschreibt Geschäftsführer Gerhard Haidinger als »maßgeschneidertes Doppelfassadensystem« mit einem hermetisch geschlossenen, mit trockener Luft befüllten Hohlraum zwischen Innen- und Außenglas. So sind die Jalousien dauerhaft geschützt und die Betriebskosten reduzieren sich laut Projektteam um bis zu 60%.
Die Jury würdigte die Leistung als technisch sehr ambitioniert, denn hinterlüftete Doppelfassaden bringen meist viele technische Problemstellungen mit sich. Hier wurde dafür eine hervorragende, innovative und elegante Lösung umgesetzt. Hervorgehoben wurde neben der integrierten, geschützten Beschattung, der hohe Vorfertigungsgrad und die logistische Herausforderung einer Elementfassade in dieser Dimension.

Bilder: Herbert Raffalt & Magdalena Resch, Metalltechnik Wenger GmbH & Co KG, Robert Oberbichler, GIG Felix Friedmann Photography
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