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CO2-Emissionen um 50 % reduziert: »Das ist aber erst der Anfang«
Im Interview mit dem Bau & Immobilien Report erklären Harald Zulehner, Geschäftsführer Doka Österreich, und Julia Weber, Head of Sustainability, warum die Nachhaltigkeitsmaßnahmen der Doka nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll sind, wie die Scope-1- und Scope-2-Emissionen weiter gesenkt werden sollen und wo sie den Hebel bei Scope 3 ansetzen.
Bild: Harald Zulehner und Julia Weber freuen sich über deutliche CO2-Senkungen an den österreichischen Standorten und die Auszeichnung mit der Silbermedaille durch die Nachhaltigkeitsagentur EcoVadis.
Das Thema Nachhaltigkeit ist durch die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in letzter Zeit auf europäischer, aber auch auf nationaler Ebene etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Die EU diskutiert über das Aus des Verbrenner-Aus, Dokumentationspflichten werden aufgeweicht. Spüren Sie aktuell Gegenwind bei Ihren Nachhaltigkeitsbemühungen?
Harald Zulehner: Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich, wie ernst man ein Thema wirklich nimmt. Für uns ist deshalb klar: Unser Net-Zero-Ziel bis 2040 steht nicht zur Diskussion. Zudem ist die Klimakrise keine Frage von politischem Rückenwind, sondern physikalische Realität. Diese Realität ist auch in unserer Branche längst angekommen, ein Großteil unserer Kunden verfolgt selbst ambitionierte Ziele und bereitet sich aktiv auf diese Transformation vor. Wir treiben die Umsetzung konsequent voran – und machen messbare Fortschritte: So haben wir unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen an allen österreichischen Standorten seit 2021 bereits um über 50 Prozent reduziert. Das ist für uns aber erst der Anfang.
Von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kann sich auch die Doka nicht loslösen. Warum investieren Sie so viele Ressourcen, Zeit und Geld in Nachhaltigkeitsaktivitäten, mehr als sie eigentlich müsste?
Julia Weber: Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für uns vor allem eines: zukunftsfähiges Wirtschaften. Um einige Beispiele zu nennen: Indem wir etwa unseren Energieverbrauch reduzieren und auf erneuerbare Quellen umstellen oder Strom über unsere PV-Anlagen selbst erzeugen, machen wir uns unabhängiger von volatilen Faktoren wie Öl- und Gaspreisen. Oder indem wir auf Kreislaufwirtschaft setzen, produzieren wir weniger Abfälle, was wiederum Kosten für die Entsorgung und das Management von Reststoffen minimiert. Durch die Wiederverwendung, die Reparatur und das Recycling von Materialien können wir Rohstoffe länger im Kreislauf halten und reduzieren die Notwendigkeit, neue Rohstoffe zu beschaffen. Dies senkt Materialkosten und erhöht die Versorgungssicherheit. Gleichzeitig sehen wir, dass sich die Anforderungen im Markt klar verändern. Unsere Kunden erwarten zunehmend transparente und belastbare Nachhaltigkeitsleistungen. Wer hier nicht vorbereitet ist, wird künftig nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Deshalb gehen wir bewusst voran.
Doka wurde eben von der Nachhaltigkeitsagentur EcoVadis mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Zulehner: Die Silber-Auszeichnung ist ein wichtiges Signal an unsere Kunden und Partner: Sie zeigt, dass Doka zu den Besten im Bereich Nachhaltigkeit zählt. Mit 91 von 100 Punkten in der Kategorie Umwelt gehören wir sogar zu den besten 1 Prozent der bewerteten Unternehmen unserer Branche. Das bestätigt unseren Weg. Wichtig ist uns in dem Kontext: Wir setzen nicht auf große Worte, sondern auf konkrete Maßnahmen, die wir konsequent umsetzen. Nachhaltigkeit ist bei Doka fest in unsere Prozesse integriert – mit klaren Zielen, transparenten Daten und messbaren Fortschritten. Genau das macht unsere Performance vergleichbar und für unsere Kunden auch nachvollziehbar.
Erwarten Sie sich durch diese Auszeichnung auch konkrete Wettbewerbsvorteile? Spielen die Nachhaltigkeitsmaßnahmen bei den Kaufentscheidungen schon eine Rolle, trotz Krise, oder werden sie sogar schon aktiv nachgefragt?
Zulehner: Ein gutes Nachhaltigkeitsrating ist heute mehr Pflicht als Kür. Unabhängige Ratings wie EcoVadis sind Teil von Vergabe- und Beschaffungsprozessen; bei Banken ein Indikator für Finanzierungsentscheidungen. Teilweise sind sie auch schon vertraglich verankert. Aktiv nachgefragt werden heute auch Emissionsdaten von Produkten. Wir weisen die Daten bereits bei jedem Angebot und bei jeder Rechnung aus. Das Rating macht unsere Maßnahmen transparent und vergleichbar. Um Ihre Frage zu beantworten: Ja, für uns ist die Silber-Auszeichnung ein klarer Wettbewerbsvorteil.
Sie haben Ihre Scope-1- und Scope-2-Emissionen seit 2021 um 50 Prozent gesenkt. Was waren die zentralen Hebel?
Zulehner: Der größte Hebel war die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen. Im Headquarter in Amstetten inklusive sämtlicher Niederlassungen und Produktionsstandorte in Österreich beziehen wir 100 Prozent Ökostrom. Damit konnten wir unsere CO₂-Emissionen von Strom schnell und effektiv reduzieren. Damit haben wir alleine 2025 knapp 4.000 Tonnen CO₂ im Vergleich zu 2021 eingespart. Zusätzlich haben wir mehrere Photovoltaikanlagen in Österreich errichtet und bauen diese sukzessive weiter aus.
Die ersten Prozent sind immer die einfachsten, je höher der Prozentsatz, desto schwieriger und aufwendiger. Was werden oder können die nächsten Schritte sein, um die Emissionen weiter zu senken? Was sind Ihre Ziele?
Weber: Die zwei weiteren großen Hebel für die Reduktion sind Mobilität und Wärme. Bei der Mobilität stellen wir schrittweise um, in Österreich ist der Prozess bereits sehr weit fortgeschritten. Ein Beispiel aus dem Produktionsumfeld ist unser erster vollelektrischer Lkw am Standort Amstetten, mit dem jährlich rund 36 Tonnen CO₂ eingespart werden. Komplexer ist das Thema Wärme, die nicht nur das Thema Heizen beinhaltet, sondern auch die Produktionswärme. Das Ziel ist hier eine Dekarbonisierung, ohne die Qualität und Lebensdauer unserer Produkte zu gefährden.
Scope 1 und Scope 2 können Sie selbst beeinflussen. Anders ist das bei den Scope-3-Emissionen.
Weber: Scope 3 bringt die größten Herausforderungen mit sich, weil es hier um Emissionen geht, die außerhalb unserer eigenen Betriebsabläufe entstehen, beispielsweise bei der Herstellung von Materialien wie Stahl. Aus diesem Grund haben wir gezielte Lieferantenprogramme ins Leben gerufen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, etwa höhere Recyclinganteile oder alternative Produktionskonzepte. Ein weiterer zentraler Aspekt sind die Emissionen, die beim Transport entstehen. Gemeinsam mit unseren Logistikpartnern setzen wir auch hier erste Maßnahmen, etwa durch den Einsatz eines E-Lkw von Herzer in der innerstädtischen Baustellenbelieferung in Wien. Nicht alles lässt sich sofort umsetzen oder weitergeben. Entscheidend ist, dass wir die Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette teilen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Nachhaltigkeit ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Bei welchem Kilometer steht Doka aktuell?
Weber: Wir haben die ersten Kilometer mit gutem Tempo zurückgelegt – aber der Marathon ist noch lange nicht bewältigt. Entscheidend ist für uns, dass wir ein klares Ziel haben und uns konsequent darauf zubewegen. Gleichzeitig ist uns bewusst: Dekarbonisierung ist keine Einzelleistung. Als Zulieferer sind wir darauf angewiesen, gemeinsam mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette Lösungen zu entwickeln – etwa im engen Austausch mit der Metallindustrie oder bei der Weiterentwicklung unserer Produkte.
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