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Rückenwind für europäische Lösungen
Die beiden Technologieunternehmen LANCOM Systems und Rohde & Schwarz Cybersecurity wurden zu „Rohde & Schwarz Networks and Cybersecurity“ verschmolzen. Der ehemalige Lancom-Co-Geschäftsführer Robert Mallinson wird weiterhin zusammen mit Constantin von Reden (CEO) das integrierte Unternehmen mit insgesamt knapp 550 Mitarbeiter*innen leiten.
Bild: Constantin von Reden und Robert Mallinson setzen ihre Tätigkeit als Geschäftsführer Rohde & Schwarz Networks and Cybersecurity fort.
LANCOM Systems wurden mit Rohde & Schwarz Cybersecurity im Juli zusammengeschlossen. Warum gerade jetzt?
Robert Mallinson: Die Digitalisierung ist das Rückgrat von Industrie und Gesellschaft, doch die Anforderungen an Sicherheit und Souveränität steigen massiv. Rohde & Schwarz hatte bereits seit 2018 100 Prozent der Anteile an Lancom. Vor zehn Jahren war das Thema Digitalisierung aber noch auf einem anderen Stand und unser Portfolio sah anders aus. Mit dem Zusammenschluss bündeln wir jetzt zum richtigen Zeitpunkt unsere Kräfte, um ein ganzheitliches Angebot „engineered in Germany“ zu liefern.
Verschwindet der Name Lancom komplett vom Markt?
Das war natürlich eine wichtige Frage für uns. Lancom besteht seit fast 25 Jahren und ist eine starke Marke in der DACH-Region. Aber wir mussten uns eingestehen: Wenn wir international wachsen wollen – etwa in Frankreich –, kommen wir mit dem Brand allein oft nicht weiter. Rohde & Schwarz hingegen ist ein weltweit gesetzter Brand mit über 70 Standorten. Dieser Name hilft uns massiv bei der Internationalisierung – angefangen bei Westeuropa inklusive Österreich und der Schweiz. Lancom selbst bleibt als Produktmarke erhalten.
Inwieweit ergänzen sich die Portfolios der beiden bisherigen Schwestergesellschaften technologisch? Wo liegt der konkrete Mehrwert für den Kunden?
Wir führen das klassische Netzwerkgeschäft von Lancom – also Routing, Firewalls, Switching, WLAN Access Points und die Management Cloud – mit der Hochsicherheitstechnologie von Rohde & Schwarz Cybersecurity zusammen. Dort haben wir Themen wie Layer-2- und Layer-3-Verschlüsselung, Post-Quantum-Encryption und den sicheren Arbeitsplatz. In Deutschland gibt es dafür den Begriff VS-NfD (Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch). Wenn aber auch in Österreich ein Unternehmen etwa an einer Ausschreibung für das Bundesheer teilnimmt, müssen Daten verschlüsselt übertragen und gespeichert werden können. Wir liefern hierzu für Lösungen von Partnern wie Dell oder HP den „Trusted Disk“ und sichere VPN-Clients. Durch die Verschmelzung können wir Kunden nun ganzheitlich adressieren: Wir ermöglichen die hochverfügbare Vernetzung zwischen Standorten und liefern die Verschlüsselung gleich mit.
Sie haben das Unternehmen intern in vier neue Geschäftsbereiche strukturiert. Wie sieht diese Matrix-Organisation aus?
Wir haben die Bereiche Corporate, Public, Defense und KRITIS Network Solutions definiert. Bei „Corporate“ geht es zum Beispiel um Retail, KMU und Campusnetzwerke. „Public“ adressiert Behörden, Kommunen und Schulen. Besonders spannend ist „Defense“, wo wir eng mit der Mutter zusammenarbeiten. Früher wurden auf Schiffen oder U-Booten oft Netzwerklösungen von Marktbegleitern verbaut; heute schicken wir unsere Produkte in die Rohde & Schwarz-Werke, wo sie veredelt werden und im Anschluss den Anforderungen für diese Bereiche erfüllen. Der vierte Bereich KRITIS fokussiert sich auf OT-Security und Gebäudevernetzung bzw. Überwachung. Wir setzen jetzt auf „Development Steering Boards“, um Use Cases sauber in Technik zu übersetzen, statt nur einzelne Features zu entwickeln.
Digitale Souveränität wird oft als Schlagwort verwendet. Angesichts der geopolitischen Lage: Ist das für Sie mehr als nur Marketing?
Absolut. Das Vertrauen in viele außereuropäische Anbieter ist geschädigt. Ein aktuelles Beispiel ist der eingeschränkte Zugang zu Anthropic-Modellen durch die USA. Wir möchten verhindern, dass gerade bei der kritischen Infrastruktur Risiken entstehen. Wir bauen unsere eigene Software und hosten unsere Cloud bei hiesigen Partnern. Wir brauchen in Europa globale Innovationen, aber wir dürfen nicht abhängig sein.
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