Monday, February 23, 2026

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Kupfer ist der rote Faden der modernen Wirtschaft. Es steckt in Stromnetzen und Windrädern, in Elektroautos, Rechenzentren, Fabriken und Waffen. Aber wir steuern auf eine Kupfer-Krise zu.

Bild: iStock

 
Der unscheinbare Rohstoff droht zur größten Engstelle des 21. Jahrhunderts zu werden. Zumindest wenn man einem Mann glaubt, der sein Leben damit verbracht hat, Metalle aus dem Boden zu holen: Robert Friedland. Der kanadisch-amerikanische Minenmilliardär, Gründer von Ivanhoe Mines, warnt seit Monaten mit wachsender Dringlichkeit vor einer globalen Kupferknappheit. Seine zugespitzte Formel hat sich inzwischen viral verbreitet: Um ein moderates weltweites Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent zu halten, müsse die Menschheit in den kommenden 18 Jahren so viel Kupfer abbauen wie in den vergangenen 10.000 Jahren zusammen.

Dramatisch, aber nicht aus der Luft gegriffen
Auf den ersten Blick klingt das nach Alarmismus. Doch hinter der Zuspitzung steckt eine nüchterne Rechnung. Historisch wurden insgesamt rund 700 bis 1.000 Millionen Tonnen Kupfer gefördert – der Großteil davon erst seit der Industrialisierung. Heute liegt die weltweite Minenproduktion bei etwa 22 bis 23 Millionen Tonnen pro Jahr. Der Bedarf an raffiniertem Kupfer ist mit rund 25 bis 27 Millionen Tonnen bereits höher, die Lücke wird durch Recycling geschlossen.

Und der Hunger wächst. Massive Investitionen in Elektrifizierung, erneuerbare Energien und Netzausbau treiben den Bedarf nach oben. Elektroautos benötigen ein Vielfaches an Kupfer im Vergleich zu Verbrennern, Wind- und Solaranlagen sind ohne Kupfer undenkbar. Hinzu kommen energiehungrige KI-Rechenzentren, deren Verkabelung allein jährlich Hunderttausende Tonnen verschlingt.

Internationale Organisationen wie die International Energy Agency oder Analysten von S&P Global rechnen in ambitionierten Szenarien damit, dass sich die Kupfernachfrage bis 2035 oder 2040 nahezu verdoppeln könnte. Selbst ohne »grünen Turbo« bleibt der Trend klar: Wachstum heißt Kupfer.

Das Angebotsproblem
Die Angebotsseite wirkt dagegen erstaunlich unbeweglich. Neue Minen benötigen 15 bis 20 Jahre von der Entdeckung bis zur Produktion. Die Erzgehalte sinken, große Neufunde sind rar, Genehmigungsverfahren werden komplexer. Viele Projekte rechnen sich erst bei deutlich höheren Preisen.

Friedlands Schlussfolgerung ist entsprechend radikal: Kupferpreise von 15.000 Dollar pro Tonne oder mehr seien notwendig, um ausreichend neue Projekte anzustoßen. Zwar hat der Markt zuletzt kräftig angezogen – mit Preisen jenseits von 10.000 Dollar –, doch aus Sicht der Branche ist das noch kein Investitionssignal, sondern lediglich ein Vorgeschmack.

Ein Engpass mit geopolitischer Sprengkraft
Eine strukturelle Kupferknappheit wäre mehr als ein Rohstoffproblem. Sie würde die Energiewende verteuern, digitale Infrastruktur bremsen und neue geopolitische Abhängigkeiten schaffen. Länder mit großen Lagerstätten könnten an Einfluss gewinnen, während importabhängige Volkswirtschaften verwundbarer werden.

Die These von den »10.000 Jahren in 18 Jahren« ist bewusst überzeichnet. Sie ignoriert Recycling und Effizienzgewinne. Aber sie erfüllt ihren Zweck: Sie macht klar, dass die Welt vor einer historischen Beschleunigung steht – und dass Kupfer dabei zum Flaschenhals werden könnte.

Ob die Politik, die Industrie und die Finanzmärkte rechtzeitig reagieren, ist offen. Sicher ist nur: Ohne Kupfer kein Wachstum. Und ohne Wachstum keine ruhige Weltwirtschaft.n

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