Monday, March 09, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Ohne Standortsicherung keine Zukunft

Die Industrieemissionsrichtlinie (IED) treibt einigen Unternehmen der Stein- und keramischen Industrie Sorgenfalten auf die Stirn. Die bisher gültigen Grenzwert-Bandbreiten sind Geschichte, es zählt nur noch der niedrigste Schwellenwert. Das schadet dem Standort und der Wettbewerbsfähigkeit. Ein Kommentar von Dr. Andreas Pfeiler, Geschäftsführer Fachverband Steine-Keramik

Die Industrieemissionsrichtlinie ist das wichtigste Instrument, das EU-weit zur Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung durch industrielle Tätigkeiten eingesetzt werden kann. Sie sieht Vorschriften zur Reduktion von Emissionen in Luft, Wasser und Boden und zur Abfallvermeidung vor, indem auf Basis der besten verfügbaren Techniken Grenzwerte für freigesetzte Schadstoffe vorgeschrieben werden, die im ordentlichen Betrieb der Anlage eingehalten werden müssen. So weit so gut. Diese Grenz­werte gelten in der gesamten Europäischen Union, werden aber national sehr unterschiedlich umgesetzt und die Bestimmungen mehr oder weniger streng vollzogen. Zusätzlich werden sie in regelmäßigen Abständen überarbeitet und an die technologischen Entwicklungen angepasst. Meist wird verschärft, wie die aktuelle bereits im Sommer 2024 in Kraft getretene IED zeigt. Das zwingt die Unternehmen dazu, ihre Anlagen anzupassen, aufzurüsten, umzubauen, teuer zu investieren oder im schlimmsten Fall zu schließen oder abzuwandern.

Keine Bandbreite mehr
Nun zum konkreten Knackpunkt der neuen IED: Die bisherige Richtlinie legte Grenzwert-Bandbreiten für verschiedene Emissionen fest. Die Unternehmen mussten sich im Genehmigungsverfahren innerhalb dieser Bandbreite bewegen. Mit Umsetzung der neuen IED muss nun aber der niedrigste Schwellenwert als Ausgangspunkt herangezogen werden. Durch Beweisführung seitens der Unternehmer, kann ausgehend von diesem niedrigsten Wert auch ein höherer Grenzwert genehmigt werden. Die Beweislast liegt jedoch beim Unternehmer. Das Prozedere ist wohl verständlich, berücksichtigt allerdings weder die Verfügbarkeit der Technologien, die jene niedrigen Grenzwerte einhalten können, noch die wirtschaftlichen Möglichkeiten innerhalb der Branche oder Unternehmerschaft. Mit anderen Worten: Die Bandbreite ist futsch, der niedrigste Schwellenwert die Ultima Ratio.

Mehrfach wurde seitens des Fachverbands bei den Diskussionen zur Umsetzung auf nationaler Ebene darauf hingewiesen, dass vor allem die klein- und mittelständischen Unternehmer Probleme haben werden, die Investitionen zur Erreichung der niedrigsten Grenzwerte zu bewerkstelligen. Doppelt bitter für jene, die sich innerhalb der möglichen Bandbreite oder gar nur knapp über dem niedrigsten Grenzwert befinden.

Kein blinder Gehorsam

Keine Frage: die Umsetzung einer europäischen Richtlinie ist verpflichtend. Beim »wie« ist allerdings jener legale Spielraum auszuschöpfen, der den Möglichkeiten der heimischen Wirtschaft gerecht wird. In blindem Gehorsam und um jeden Preis europäisches Regelwerk umzusetzen, damit den Erfordernissen genüge getan wurde, schadet auf Sicht gesehen dem Standort und der Wettbewerbsfähigkeit. Es braucht daher viel mehr Mut manche Vorgaben kritisch zu hinterfragen und im Lichte der Möglichkeiten der heimischen Wirtschaft auszulegen. Andernfalls tragen wir gemeinsam weiter dazu bei, dass sich die Abwanderung von Unternehmen in Nicht-EU-Länder verstärkt. Wer dies für eine Floskel eines Lamentos hält, dem sei ein Blick in den Draghi-Report empfohlen: ohne Standortsicherung, keine Zukunft!

Bild: iStock

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Innovative Bauwirtschaft: Wie neue Materialien die...
Sozialpartnerschaft zeigt ihre Stärke in schwierig...

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Vertiv
06 March 2026
Firmen | News
Die nächste Evolutionsstufe der digitalen Infrastruktur zeichnet sich deutlich ab: KI im Gigawatt-Maßstab erfordert neue Architekturansätze, integrierte Systemkonzepte und deutlich verkürzte Bereitstellungszeiten. Statt klassischer Rechenzentrumsmode...
Vertiv
04 March 2026
Firmen | News
Steigende Leistungsdichten und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen rücken nicht nur den Betrieb, sondern bereits die Bauphase von Rechenzentren in den Fokus der CO₂-Bilanz. Insbesondere das sogenannte graue CO₂ aus Materialien und Konstruktion gew...
Vertiv
02 March 2026
Firmen | News
Mit steigenden Leistungsdichten durch KI- und HPC-Anwendungen stoßen klassische Luftkühlkonzepte zunehmend an ihre Grenzen. Flüssigkeitskühlung gewinnt daher an Bedeutung – insbesondere in Kombination mit präzise geregelten Coolant Distribution Units...
Vertiv
27 February 2026
Firmen | News
Die zunehmende Komplexität moderner IT-Umgebungen erhöht das Risiko von Ausfällen – insbesondere in KI-getriebenen Infrastrukturen. Serial Consoles ermöglichen sicheren Remote-Zugriff auch bei Netzwerkstörungen und bilden damit eine zentrale Grundlag...

Neue Blog Beiträge

02 March 2026
Markt und Marketing
Der deutsche Gründer und reichweitenstarke Content Creator Christian Wolf, bekannt als Kopf hinter Upscale Invest und mit über einer Million Followern einer der einflussreichsten Unternehmer-Influencer im deutschsprachigen Raum, bündelt derzeit Fälle...
25 February 2026
Intelligente Netze
Neue Welt des Arbeitens
Cyberversicherungen decken technische Vorfälle ab, oft aber nicht moderne Betrugsformen. Welche neuen Strategien und Maßnahmen braucht es zur Risikoabsicherung? Ein Kommentar von Kerstin Keltner, Aon Austria. Die Cyberversicherung wird in der Außenwi...
23 February 2026
Europa
Politik
Die österreichische Industriestrategie 2035 will Wettbewerbsfähigkeit sichern, Innovation fördern und die Resilienz stärken. Diese Ziele sind richtig. Doch sie beruhen auf einem Denk­rahmen, der aus einer Welt stammt, die es so nicht mehr gibt. Wir o...