Samstag, Oktober 10, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Ohne Standortsicherung keine Zukunft

Die Industrieemissionsrichtlinie (IED) treibt einigen Unternehmen der Stein- und keramischen Industrie Sorgenfalten auf die Stirn. Die bisher gültigen Grenzwert-Bandbreiten sind Geschichte, es zählt nur noch der niedrigste Schwellenwert. Das schadet dem Standort und der Wettbewerbsfähigkeit. Ein Kommentar von Dr. Andreas Pfeiler, Geschäftsführer Fachverband Steine-Keramik

Die Industrieemissionsrichtlinie ist das wichtigste Instrument, das EU-weit zur Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung durch industrielle Tätigkeiten eingesetzt werden kann. Sie sieht Vorschriften zur Reduktion von Emissionen in Luft, Wasser und Boden und zur Abfallvermeidung vor, indem auf Basis der besten verfügbaren Techniken Grenzwerte für freigesetzte Schadstoffe vorgeschrieben werden, die im ordentlichen Betrieb der Anlage eingehalten werden müssen. So weit so gut. Diese Grenz­werte gelten in der gesamten Europäischen Union, werden aber national sehr unterschiedlich umgesetzt und die Bestimmungen mehr oder weniger streng vollzogen. Zusätzlich werden sie in regelmäßigen Abständen überarbeitet und an die technologischen Entwicklungen angepasst. Meist wird verschärft, wie die aktuelle bereits im Sommer 2024 in Kraft getretene IED zeigt. Das zwingt die Unternehmen dazu, ihre Anlagen anzupassen, aufzurüsten, umzubauen, teuer zu investieren oder im schlimmsten Fall zu schließen oder abzuwandern.

Keine Bandbreite mehr
Nun zum konkreten Knackpunkt der neuen IED: Die bisherige Richtlinie legte Grenzwert-Bandbreiten für verschiedene Emissionen fest. Die Unternehmen mussten sich im Genehmigungsverfahren innerhalb dieser Bandbreite bewegen. Mit Umsetzung der neuen IED muss nun aber der niedrigste Schwellenwert als Ausgangspunkt herangezogen werden. Durch Beweisführung seitens der Unternehmer, kann ausgehend von diesem niedrigsten Wert auch ein höherer Grenzwert genehmigt werden. Die Beweislast liegt jedoch beim Unternehmer. Das Prozedere ist wohl verständlich, berücksichtigt allerdings weder die Verfügbarkeit der Technologien, die jene niedrigen Grenzwerte einhalten können, noch die wirtschaftlichen Möglichkeiten innerhalb der Branche oder Unternehmerschaft. Mit anderen Worten: Die Bandbreite ist futsch, der niedrigste Schwellenwert die Ultima Ratio.

Mehrfach wurde seitens des Fachverbands bei den Diskussionen zur Umsetzung auf nationaler Ebene darauf hingewiesen, dass vor allem die klein- und mittelständischen Unternehmer Probleme haben werden, die Investitionen zur Erreichung der niedrigsten Grenzwerte zu bewerkstelligen. Doppelt bitter für jene, die sich innerhalb der möglichen Bandbreite oder gar nur knapp über dem niedrigsten Grenzwert befinden.

Kein blinder Gehorsam

Keine Frage: die Umsetzung einer europäischen Richtlinie ist verpflichtend. Beim »wie« ist allerdings jener legale Spielraum auszuschöpfen, der den Möglichkeiten der heimischen Wirtschaft gerecht wird. In blindem Gehorsam und um jeden Preis europäisches Regelwerk umzusetzen, damit den Erfordernissen genüge getan wurde, schadet auf Sicht gesehen dem Standort und der Wettbewerbsfähigkeit. Es braucht daher viel mehr Mut manche Vorgaben kritisch zu hinterfragen und im Lichte der Möglichkeiten der heimischen Wirtschaft auszulegen. Andernfalls tragen wir gemeinsam weiter dazu bei, dass sich die Abwanderung von Unternehmen in Nicht-EU-Länder verstärkt. Wer dies für eine Floskel eines Lamentos hält, dem sei ein Blick in den Draghi-Report empfohlen: ohne Standortsicherung, keine Zukunft!

Bild: iStock

×
Stay Informed

When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.

Innovative Bauwirtschaft: Wie neue Materialien die...
Sozialpartnerschaft zeigt ihre Stärke in schwierig...

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.report.at/

Firmen | News

Firmen | News
07 Oktober 2026
Firmen | News
Wirtschaftliche Volatilität und ein anhaltend hohes Zinsniveau zwingen die österreichische Unternehmenslandschaft im vierten Quartal 2026 zur konsequenten Konsolidierung ihrer Ressourcen. Führungskräfte stehen vor der Aufgabe, gewachsene Strukturen k...
Vertiv
06 Oktober 2026
Firmen | News
Das 2,3-MW-Modell erweitert das Flüssigkeitskühlungsportfolio von Vertiv für Edge-, Colocation- und Hyperscale-KI-Anwendungen. Dank dieser Zertifizierung können Hersteller von KI-Fabriken Kühlprodukte zielgenauer anhand der geltenden NVIDIA DSX-Anfor...
Firmen | News
04 Oktober 2026
Firmen | News
Ein Geschäftskonto ist für österreichische Kleinunternehmer ein zentrales Instrument, um die Unternehmensfinanzen übersichtlich zu halten. Mit geschäftskonto kleinunternehmer gelingt die klare Trennung privater und geschäftlicher Geldflüsse und schaf...
AWS (Amazon Web Services)
29 September 2026
Firmen | News
Amazon Web Services (AWS) ist als erster Cloud-Anbieter für die Verarbeitung von sogenannten "NATO-Restricted-"Informationen (NR) durch alle NATO-Mitgliedstaaten zugelassen. David Appel, Acting Vice President of Worldwide Public Sector bei AWS, verkü...

Populär

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2027!

Der Wirtschaftspreis eAward zeichnet Digitalisierungsprojekte aus dem Raum...

Best of ... Connectivity

Vernetzung und Kommunikation auf Wasserstraßen, im Außendienst, im Vertrieb, im...
Elektrischer Mercedes-Benz eActros 600 mit Holcim-Silosattelauflieger an einer Ladestation in Mannersdorf, daneben drei Mitarbeiter.

Strom für die schweren Aufgaben

Holcim Österreich und Daimler Truck Austria zeigten im Zementwerk Mannersdorf, welche...
Bürogebäude von Primetals Technologies

Primetals: Brownfield-Conversion auf SAP S/4HANA

Atos hat gemeinsam mit Primetals Technologies ein weiteres internationales...
Visualisierung des Projekts PIER05 an der Seestädter Waterfront mit mehreren Gebäuden direkt am Wasser.

Viermal ÖGNI-Gold für PIER05

Für PIER05 in der Seestadt Wien liegen nun ÖGNI-Gold-Vorzertifikate für alle...
Ein Wolf im Wald zwischen Bäumen

Tierlieb

Manchmal geht das mit dem Naturschutz auch nach hinten los – Zeit, die Krone...

Neue Blog Beiträge

06 Oktober 2026
Europa
Politik
An der Zapfsäule beginnt Geopolitik. Nicht im Konferenzsaal, nicht in Brüssel, sondern dort, wo Pendler, Spediteure und Bauunternehmer merken, dass ohne Diesel alles steht. Ein perfekter Sturm hat sich zusammengebraut. Energieangriffe zwischen Russla...
02 Oktober 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
 80 Jahre Sozialpartnerschaft sind 80 Jahre Gespräche, Verhandlungen und gemeinsame Lösungen. Nicht immer war man einer Meinung. Aber in den letzten Jahrzehnten ist man miteinander am Verhandlungstisch geblieben. Genau das hat die Bau-Sozialpart...
02 Oktober 2026
Architektur, Bauen & Wohnen
Das Institut für Österreichs Wirtschaft (iföw) hat eine Studie veröffentlicht, die mit ziemlicher Sicherheit in- und außerhalb der Bauwirtschaft für ordentlich Furore sorgen wird. Erstmals wurde die Branche mithilfe der von Eurostat empfohlenen Metho...

Leben & StilView all

Office & TalkView all

Produkte & ProjekteView all