Thursday, January 08, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Ein Besuch in Südtirol zeigt, wie ein Familienunternehmen den modernen Holzbau prägt – mit handwerklicher Bodenhaftung, technischer Präzision und Kreativität.

Bild: Mit 18 Standorten in vier Ländern erwirtschaftet Rubner einen Umsatz von 417 Millionen Euro. Die Zentrale des Familienunternehmens liegt in Kiens im malerischen Pustertal.

Holz spielt in Südtirol seit jeher eine wichtige Rolle. Die waldreiche Gegend ist eine der Werkstätten der europäischen Holzbaukunst. Zwischen Bruneck und Brixen, im Pustertal, trifft man mit Rubner auf einen der wichtigsten Player. Wer die Zentrale in Kiens besucht, spürt sofort, dass hier kein Holz-Hype gepflegt wird, sondern Holzbau gelebt wird, und zwar seit mehreren Generationen. »Unkompliziert und zuverlässig«, nennt Matthias Rubner, Expert Brand Manager bei Rubner, das Motto sowohl für das Unternehmen als auch den Holzbau generell.

Heute ist Rubner ein Unternehmen mit 18 Standorten in Italien, Österreich, Deutschland und Frankreich. Etwa 417 Millionen Euro Umsatz werden mit 1.500 Mitarbeiter*innen konsolidiert erwirtschaftet, die Bereiche reichen vom Sägewerk über Ingenieurholzbau bis zu Fenstern, Türen, Massivholzplatten und Holzhäusern. Die Stärke liegt in der Wertschöpfungstiefe. »Vom Baumstamm bis zur fertigen Konstruktion bleibt alles im Haus«, so Rubner.

Holz mit Maß und Mitte
Holz ist laut Rubner ein großartiger Baustoff – aber kein dogmatischer. »Wir wollen nicht missionieren. Beton hat seine Berechtigung, Ziegel ebenso. Wichtig ist, dass man das Material dort einsetzt, wo es sinnvoll ist.« Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Unternehmen. Statt plakativem »Green Building« geht es um Materialehrlichkeit – um Qualität, Dokumentation und Nachweisbarkeit.

Rubner sieht sich als Premiumanbieter. Die Projekte sind komplex, die Prozesse industriell, aber das Denken bleibt handwerklich. In der Werkhalle herrscht Ordnung, kein Lärm, keine Hektik. Präzision entsteht durch Erfahrung – und durch Technik, die man selbst entwickelt. Denn Rubner hat etwas, was kaum ein anderes Holzbauunternehmen besitzt: eine eigene Maschinenbauabteilung im Unternehmen Nordpan, das Teil der Rubner Gruppe ist. Dort werden die Anlagen selbst geplant und gebaut. »Das schafft Unabhängigkeit – und eine Innovationskultur, die auf inkrementellen Fortschritt setzt, statt auf große Sprünge«, so Rubner.

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Bild: »Wir müssen so bauen, dass die nächste Generation mit unseren Gebäuden arbeiten kann – nicht sie entsorgen muss«, sagt Matthias Rubner.

Forschung ohne Showeffekt
Rubner kooperiert mit Universitäten in Bozen, Innsbruck, Rosenheim und Paris. Forschungsthemen reichen von Holz-Beton-Verbund bis zur Kreislaufwirtschaft. Doch im Gegensatz zu vielen Start-ups zielt Rubner nicht auf spektakuläre Prototypen, sondern auf praxisnahe Verbesserungen. Das zeigt sich in Projekten wie dem Hamburger Hochhaus »Roots«, aktuell Deutschlands höchstem Holzgebäude. Rubner war dort Technologielieferant für Sonderlösungen und nutzt die Erfahrungen aus solchen Projekten als »Forschung im Maßstab 1:1«. Belastungsdaten, Feuchteverhalten, Montageprozesse – alles wird ausgewertet und fließt in neue Projekte ein. »Wir wollen nichts erfinden, das niemand braucht. Wir verbessern, was schon gut ist.« Der Satz fasst die Philosophie des Unternehmens zusammen: Innovation als Folge von Praxis, nicht von Selbst­inszenierung.

Planung, Präzision und Verantwortung
Holzbau verlangt Planungstiefe. Was früher der Zimmermann auf der Baustelle entschied, wird heute millimetergenau im Modell berechnet. Rubner arbeitet mit vollständiger digitaler Prozesskette – vom 3D-Modell über CNC-Fertigung bis zur Montage. Fehlervermeidung beginnt im Entwurf. Holzbauexpertise gehört früh in die Planung. Wenn Tragwerkslogik, Brandschutz und Logistik von Beginn an integriert werden, entstehen Gebäude, die ökologisch, wirtschaftlich und langlebig sind. Viele Probleme im Holzbau entstehen nicht durch das Material, sondern durch mangelnde Koordination.

Brandschutz und Baukultur
Kaum ein Thema wird so emotional diskutiert wie Brandschutz. Rubner bleibt sachlich: Holz brennt nicht schneller, sondern kontrollierter. Es verkohlt, verliert aber seine Tragfähigkeit planbar. Die Herausforderung liege weniger im Material als in veralteten Normen und unvollständigen Nachweisen. Gleichzeitig beobachtet er, dass sich die Baukultur im Holzbau verändert: Von der romantischen Nische zur industriellen Präzisionsarbeit. In Italien dominiert noch das Handwerk, in Österreich technische Reife, in Deutschland Regulierung. Rubner navigiert dazwischen – mit lokalem Handwerk und internationaler Forschung.

Nachhaltigkeit ohne Pathos
Nachhaltigkeit bedeutet bei Rubner nicht nur CO₂-Reduktion, sondern Ressourceneffizienz und Kreislaufdenken. Die Produktion ist so ausgelegt, dass Verschnitt minimiert und Transportvolumen reduziert werden. Künftig soll jedes Bauteil digital dokumentiert und rückverfolgbar sein – als Grundlage für künftige Sanierungen oder Wiederverwendung. Der Blick geht über das einzelne Projekt hinaus: »Wir müssen so bauen, dass die nächste Generation mit unseren Gebäuden arbeiten kann – nicht sie entsorgen muss.« Trotz aller Technik bleibt der Mensch im Mittelpunkt. Viele Innovationen entstehen auf der Baustelle oder in der Fertigung – dort, wo Mitarbeiter*innen Probleme zuerst sehen. Rubner fördert diesen »Bottom-up«-Ansatz: Vorschläge werden gesammelt, getestet und umgesetzt. Innovation, so sagt er, »funktioniert nur, wenn sie aus der Praxis kommt«.

Fazit: Holzbau als Kultur
Rubner zeigt, dass Fortschritt im Bauwesen nicht laut sein muss. Innovation entsteht hier aus Kontinuität, Präzision und Bescheidenheit. Das Unternehmen kombiniert Forschung, Handwerk und Industrie zu einer Haltung, die so schlicht klingt wie überzeugend wirkt: »Unkompliziert und zuverlässig.« Der Holzbau, sagt Rubner, stehe an einem Wendepunkt – zwischen Trend und Tradition. »Wenn er aus Haltung statt aus Mode betrieben wird, kann er zum Leitmodell einer neuen Baukultur werden: wirtschaftlich, langlebig, klimatauglich.«

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Bild: Die eigene Maschinenbauabteilung sieht Matthias Rubner als wesentliches Differenzierungsmerkmal. »So können wir Ideen direkt umsetzen, ohne auf Hersteller warten zu müssen.«

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