Sonntag, Oktober 18, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Seit 2025 gilt die Construction Products Regulation (CPR) der EU. Für Bauunternehmen bedeutet das wachsenden Druck, die Beschaffung von Baumaterialien lückenlos datenbasiert und nachverfolgbar zu organisieren. Ein Wiener Start-up hat dafür eine Lösung entwickelt und mit Rhomberg Ventures und Würth starke Partner an der Hand.

Digitale Baustoffbeschaffung ohne komplexe Schnittstellen

Bild: Die beiden Gründer von Constrct Christoph Oswald und  Michael Ramel (© Dina Grojer)

Die Beschaffung von Bauprodukten läuft häufig noch analog ab. Bestellungen werden telefonisch oder per Mail aufgegeben und werden später abgelegt, fotografiert oder manuell ins System übertragen. Was auf der Baustelle beginnt, muss im Büro nachträglich dokumentiert und abgeglichen werden. Die fragmentierten Abläufe führen zu Intransparenz und messbaren Effizienzverlusten.
Mit dem Digitalen Produktpass der EU verschärfen sich diese Anforderungen: Ab voraussichtlich 2028 müssen technische Leistungsdaten, Umwelt- und Emissionskennzahlen, Materialzusammensetzungen sowie Konformitätsangaben strukturiert und maschinenlesbar verfügbar sein. Dafür hat das Wiener Startup constrct eine Plattform entwickelt, die den Beschafffungsprozess durchgängig digital abbildet – von der Bestellanforderung bis zur Lieferung – und dabei bewusst auf eine Schnittstellenintegration verzichtet.

Digitale Infrastruktur ohne aufwändige ERP-Integration
Die Software von constrct liefert den Infrastrukturbaustein, um diese Prozesse zu digitalisieren und die relevanten Daten und Kennzahlen automatisiert zu erfassen. Die Plattform verknüpft Bestellanforderung, Lieferung und digitalen Lieferschein mit strukturierten Produktinformationen und bildet die gesamte Lieferkette in einem eigenständigen System ab.
Im Unterschied zu vielen bestehenden Lösungen, die einzelne Prozessschritte abdecken und tiefgreifende ERP-Integrationen erfordern, kommt constrct grundsätzlich ohne komplexe Schnittstellenprojekte aus. Lediglich beim Einsatz digitaler Lieferscheine ist eine strukturierte Datenübergabe über Schnittstellen erforderlich. Ist eine solche Anbindung technisch nicht umsetzbar, erfolgt der Austausch über standardisierte Mail Templates. Bestellungen werden per Mail an den Lieferanten übermittelt, digitale Lieferscheine können nach Unterzeichnung automatisiert an den Übernehmer weitergeleitet werden. Die Daten bleiben strukturiert weiterverarbeitbar. Bestehende Systeme müssen hierfür nicht grundlegend umgebaut werden.
So entsteht im laufenden Beschaffungsprozess eine durchgängige Datenspur: Bestellungen, Lieferungen und Produktinformationen werden unmittelbar miteinander verknüpft. Gleichzeitig werden produkt- und lieferbezogene Nachhaltigkeitskennzahlen automatisiert und projektbezogen dokumentiert. Diese strukturierte Datengrundlage ist vor dem Hintergrund der neuen EU-Verordnung regulatorisch relevant und gewinnt bei größeren Bauvorhaben sowie im Kontext ESG-orientierter Finanzierungen zusätzlich an wirtschaftlicher Bedeutung.

Starke Partner
Mit Rhomberg Ventures, dem Investmentvehikel von Hubert Rhomberg, ist ein erfahrener Branchenkenner als Minderheitsgesellschafter an constrct beteiligt. Mit Würth läuft ein Pilotprojekt auf Lieferantenseite: Echtzeitlagerbestände und aktuelle Preise fließen direkt in den Bestellprozess ein. Verfügbarkeiten sind sofort sichtbar und Preisänderungen werden automatisch berücksichtigt.

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