Sonntag, Oktober 18, 2026

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Bau | Immobilien

Der österreichische Dämmstoffmarkt befindet sich in einem harten Preiskampf. Während bei der Absatzmenge der Sinkflug der letzten Jahre gestoppt wurde, gingen die Umsätze weiter zurück. Es kann sogar noch schlimmer kommen. Das Aus der Sanierungsförderung hat unmittelbar zu Auftragsstornierungen geführt. Trotzdem blickt die Branche überraschend positiv in die Zukunft. Man scheint Kummer gewöhnt zu sein …

Licht und Schatten
Bild: iStock

Die goldenen Zeiten der heimischen Dämmstoffbranche sind schon ein paar Jahre her. 2019 wurden laut GDI 2050 Gebäudehülle+Dämmstoff Industrie über alle Dämmstoffarten hinweg 6,2 Millionen Kubikmeter verkauft. Noch ein wenig mehr waren es 2021 mit 6,3 Millionen Kubikmetern. Seither ist es stetig bergab gegangen. 2022 war das Minus mit 5,5 Prozent noch überschaubar, 2023 mit 13,7 Prozent und 2024 mit einem Minus von 14,5 Prozent schon ziemlich schmerzhaft.

2025 wurde laut dem aktuellen Branchenradar »Dämmstoffe in Österreich 2026« der mengenmäßige Absturz mit einem Minus von 0,4 % gestoppt. Allerdings ist das nur eine Seite der Medaille, die Umsätze sprechen eine andere, deutlichere Sprache. Sie sind noch einmal um fast 5 % auf 311,5 Millionen Euro gesunken. Und zwar über alle Dämmstoffarten hinweg (siehe Tabellen).

Während es etwa bei EPS und Glaswolle mengenmäßig sogar ein leichtes Plus gab, sind die Umsätze überall rückläufig. »2025 war der Preiswettbewerb sehr herausfordernd«, formuliert es Studienautor Andreas Kreutzer ungewohnt diplomatisch. Deutlicher werden Branchenvertreter wie Christian Höberl, Geschäftsführer Röfix: »Der Markt hat sich nach Jahren steigender Energie- und Rohstoffkosten klar zu einem Käufermarkt entwickelt.«

Ein Rückgang an Projekten trifft auf ein Überangebot an Dienstleistungen und Produktion, entsprechend stark steigt der Preisdruck. Ob es zu einer weiteren Zuspitzung kommt, ist aktuell schwer abschätzbar. Während die Anbieter von Wärmedämmverbundsystemen wie Sto oder die Synthesa Gruppe durchaus mit einer Verschärfung rechnen, sehen Dämmstoffhersteller wie Austrotherm oder Steinbacher die Grenzen des Möglichen erreicht und erwarten keine weitere Zuspitzung.

Unnötig wie ein Kropf
Als wäre diese Gemengelage nicht herausfordernd genug, packte das Umweltministerium Anfang Februar mit dem für alle überraschenden Aus des Sanierungsbonus noch ein paar zusätzliche Steine aus, um sie der Branche feinsäuberlich in den Weg zu legen. Das zu einem Zeitpunkt, an dem sich die thermische Sanierungsrate (Sanierung der Gebäudehülle) ohnehin schon im Sinkflug befindet. Lag sie Anfang der 2010er-Jahre noch bei 1,8 %, ist sie laut der aktuellen Studie »Monitoring-System zu Sanierungsmaßnahmen in Österreich 2025« vom Institut für Bauen und Wohnen und dem Umweltbundesamt stetig auf aktuell 0,9 % gesunken (siehe auch aktuellen Beileger). Recht deutlich als »Schwachsinn« bezeichnete Baumit-Geschäftsführer Georg Bursik den Schritt des Ministeriums, weiters als »kurzsichtig und fahrlässig«. »Was wir heute nicht investieren, zahlen wir morgen doppelt, mit hohen Energiekosten und drohenden Klimastrafzahlungen.«

Fakt ist: Das Aus des Sanierungsbonus wirkt regelrecht »marktverzerrend«. Projekte werden verschoben oder in kleinerem Ausmaß realisiert. Clemens Hecht, Sprecher der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme, weiß von umgehenden Stornierungen bei seinen Mitgliedsunternehmen nach der Bekanntgabe des Förderstopps. Das wurde dem Bau & Immobilien Report auch seitens der Unternehmen bestätigt.

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Kein Pessimismus
Trotz allem bleibt die Branche für 2026 erstaunlich gelassen bis optimistisch. Man scheint sich an Kummer gewöhnt zu haben. Sto-Geschäftsführer Erwin Truskaller geht von »einer stärkeren Nachfrage und einem entsprechend gutem Jahr« aus. Der Wegfall der Sanierungsförderungen ist in dieser Einschätzung schon eingepreist, schwieriger einzuschätzen seien die Auswirkungen auf Lieferketten und Inflation durch politische Konflikte, Zollthemen oder Kriege. »Da wird vieles schnell unvorhersehbar«, so Truskaller.

Steinbacher-Geschäftsführer Roland Hebbel geht davon aus, dass 2026 aufgrund der positiven Entwicklungen der Baugenehmigungen besser laufen sollte als 2024 und 2025. »Das Vorkrisenniveau werden wir aber nicht vor 2027 oder 2028 erreichen.« Auch bei Austrotherm geht man von einer Erholung des Marktes aus, »sofern die Inflation aufgrund geopolitischer Ereignisse nicht wieder ansteigt und die Zinsen stabil bleiben«.

Einen anspruchsvollen, aber stabilen Markt erwarten auch Röfix-Geschäftsführer Höberl und Guido Kuphal, Geschäftsführer der Synthesa Gruppe. Vorsichtig optimistisch blickt man auch bei Baumit in die Zukunft. Ein Mosaiksteinchen für Erfolg soll dabei der neue Markenauftritt sein, der die partnerschaftliche Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellt.



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