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Fragen an die Politik: Konjunktur und Wettbewerbsfähigkeit
In der Rubrik »Fragen an die Politik« haben Vertreter*innen der Bau- und Immobilienwirtschaft die Möglichkeit, konkrete Fragen an Spitzenpolitiker*innen zu richten. In der aktuellen Ausgabe kommen die Fragen von Stefan Kuhn, Geschäftsführer der Kuhn Holding, und Gunther Sames, Geschäftsführer Ardex. Gerichtet wurden sie an Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Sepp Schellhorn, Staatssekretär für Deregulierung.
Thema Konjunktur

Gunther Sames, Geschäftsführer Ardex: »Welche konkreten Schritte setzt die Politik tatsächlich, um stabile und planbare Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft zu schaffen, gleichzeitig Wohnbauförderung sowie Baugenehmigungen deutlich zu beleben und somit Wohnraum leistbar zu machen?«

Wolfgang Hattmannsdorfer, Wirtschaftsminister: »Die Bauwirtschaft ist ein zentraler Motor unseres Standorts – sie sichert Hunderttausende Arbeitsplätze, stärkt die regionale Wertschöpfung und schafft die Grundlage für leistbares Wohnen. Im Regierungsprogramm haben wir uns ausdrücklich zur Stärkung der Baukonjunktur in Neubau und Sanierung bekannt. Ein wesentlicher Schritt ist die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung. Damit stellen wir sicher, dass Mittel, die für den Wohnbau vorgesehen sind, auch tatsächlich im Wohnbau ankommen.
Bereits 2024 haben wir im Rahmen des Wohnbaupakets eine zusätzliche Milliarde Euro als Zweckzuschuss zur Verfügung gestellt. Diese Mittel werden auch 2026 weiter ausgeschüttet. Gleichzeitig erwarten wir von den Bundesländern die notwendigen gesetzlichen Anpassungen, damit diese Gelder rasch und vollständig in neue, leistbare Wohnungen investiert werden. Hier braucht es einen gemeinsamen Kraftakt und klare Prioritätensetzung. Ein weiterer Stabilitätsanker ist die gemeinnützige Wohnungswirtschaft, die in meinen Zuständigkeitsbereich fällt. Trotz hoher Bau- und Grundstückskosten sichern die gemeinnützigen Bauvereinigungen die Versorgung mit leistbarem Wohnraum. Ihr Anteil an der Neuproduktion im Geschosswohnbau lag 2024 bei rund 53 Prozent, das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Das zeigt: Gemeinnütziger Wohnbau wirkt preisdämpfend und stabilisiert den Gesamtmarkt.
Unser Ziel ist ein verlässlicher Rahmen für Investitionen, beschleunigte Verfahren und eine starke Partnerschaft zwischen Bund, Ländern und Branche. Wer leistbaren Wohnraum will, braucht klare Spielregeln, gesicherte Finanzierung und mehr Tempo in der Umsetzung, und genau daran arbeiten wir.«
Thema Wettbewerbsfähigkeit

Stefan Kuhn, Geschäftsführer Kuhn Holding: »Europa und damit auch Österreich laufen Gefahr, international weiter ins Hintertreffen zu geraten. Die Pflichten, die den Unternehmen aufgebürdet werden, stellen für die Betriebe enorme Hürden dar. Es droht eine Deindustrialisierung. Dazu bin ich der festen Überzeugung, dass es eine Änderung im Mindset braucht, dass Arbeit wichtig ist und sich lohnen muss. Welche konkreten Schritte planen Sie, um die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen zu verbessern?«

Sepp Schellhorn, Staatssekretär für Deregulierung: »Die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen steht angesichts internationaler Standortkonkurrenz, hoher Energie- und Lohnkosten sowie einer über Jahre gewachsenen Regelungsdichte unter Druck. Bürokratie ist dabei kein Nebenthema, sondern ein zentraler Standortfaktor – für Industrie, Bauwirtschaft und den gesamten Mittelstand.
Um Österreich wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, braucht es mehr als Einzelmaßnahmen. Es braucht einen klaren Mentalitätswechsel: weg von der reflexhaften Überregulierung, hin zu einem Staat, der unternehmerisches Schaffen ermöglicht statt behindert. Genau dazu bekennt sich diese Bundesregierung – mit struktureller Entbürokratisierung und spürbar schnelleren Verfahren, ohne Sicherheits- oder Umweltstandards abzusenken.
Ein zentraler Baustein dafür ist unsere Industriestrategie. Sie stärkt Wettbewerbsfähigkeit nicht primär über Förderzusagen, sondern über verlässliche Rahmenbedingungen: weniger Berichts- und Meldepflichten, schnellere Genehmigungen und mehr Planungssicherheit für Investitionen. Parallel treiben wir auf europäischer Ebene die Vereinfachungsagenda aktiv voran – nicht mit dem Ziel »weniger Europa«, sondern mit dem Anspruch auf besseres europäisches Handeln.
Gleichzeitig braucht es rasch wirksame Entlastungen im betrieblichen Alltag. Genau hier setzt unser erstes großes Entbürokratisierungspaket an. Wir haben dort angesetzt, wo Unternehmen besonders leiden: bei überbordenden Dokumentations-, Melde- und Berichtspflichten, die keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen, aber Zeit, Geld und Personal binden. Moderne Geschäftsmodelle dürfen nicht an veralteten Gesetzen scheitern – digitale Prozesse, internationale Unterlagen oder englischsprachige Dokumente müssen selbstverständlich möglich sein. Diese Hürden haben wir gezielt abgebaut.
Besonders deutlich zeigt sich der Reformbedarf im Bau- und Industriebereich. Langsame und komplexe Verfahren verteuern Projekte, bremsen Investitionen und verschärfen die Wohnungsnot. Wir beschleunigen daher Genehmigungsverfahren, reformieren die Umweltverträglichkeitsprüfung mit klaren Fristen, besserer Koordination und stärkerer Digitalisierung – ohne Schutzstandards zu senken.
Internationale Beispiele wie der sogenannte Gebäudetyp E in Deutschland zeigen dabei sehr anschaulich: Viele Standards – etwa bei Ausführung, Komfort oder technischer Überabsicherung – treiben Kosten und Dauer, ohne Sicherheit zu erhöhen. Es geht nicht um weniger Schutz, sondern um weniger Goldrand. Wer schneller und leistbarer bauen will, braucht Mut zur Priorisierung – genau diesen Mut bringen wir jetzt auch in Österreich auf.
Ergänzend heben wir Buchführungsgrenzen an, um der Inflation Rechnung zu tragen, und vereinfachen die Vorgaben in der Buchhaltung – ein Bereich, der über Jahre unnötig komplex geworden ist und Betriebe bindet, statt ihnen Luft zu verschaffen.
Unser Ziel ist klar: ein handlungsfähiger Staat, der Investitionen ermöglicht, industrielle Wertschöpfung stärkt und Arbeit wieder attraktiver macht. Bürokratie darf kein Bremsklotz für Leistung, Innovation und Wachstum sein – weder für die Industrie noch für die Menschen in diesem Land.«
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