Wednesday, May 06, 2026

Mehrwert für Manager

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Wie in Büro- und Wohngebäuden die gestiegenen Energiepreise beim Heizen und Kühlen gemeistert werden können. Der Report(+)-Themenschwerpunkt zeigt praktische Lösungen für Betreiber, Planer und Entscheider: von förderfähigen Technologien über intelligente Systeme bis zu Best Practices, die Kosten senken können.

Thomas Mader ist Geschäftsführer von Stiebel Eltron.


Die stark gestiegenen Energiepreise der vergangenen Jahre haben Unternehmen ebenso wie Immobilienbetreiber unter Druck gesetzt. Heizen und Kühlen, lange Zeit als relativ stabile Kostenfaktoren betrachtet, sind zu strategischen Stellschrauben geworden. Entsprechend hoch ist die Dynamik bei Investitionen in effizientere Technologien, die nicht nur kurzfristig Kosten senken, sondern auch langfristig Versorgungssicherheit und Planbarkeit schaffen. Im Zentrum stehen dabei Lösungen, die fossile Energieträger ersetzen, Energieflüsse intelligent steuern und mehrere Funktionen in einem System bündeln.

Ein zentraler Ansatz ist die Elektrifizierung der Wärmeversorgung. Moderne Wärmepumpensysteme übernehmen dabei gleich mehrere Aufgaben. Sie ermöglichen Heizen, Kühlen und Warmwasserbereitung in einem integrierten System und nutzen Umweltenergie aus Luft, Erde oder Wasser. »Unternehmen können ihre Heiz- und Kühlkosten deutlich senken, wenn sie auf moderne Wärmepumpensysteme setzen«, betont Thomas Mader, Geschäftsführer von Stiebel Eltron. In Kombination mit intelligenter Regelung und Photovoltaik lassen sich die Energiekosten je nach Gebäude signifikant reduzieren. Gleichzeitig gewinnen Unternehmen an Unabhängigkeit von volatilen Energiepreisen.

Auch die wirtschaftliche Perspektive spricht für diesen Ansatz. »Die Investition in eine moderne Wärmepumpe rechnet sich in vielen Unternehmen bereits nach fünf bis acht Jahren«, so Mader. Er verweist darauf, dass beim Ersatz älterer Öl- oder Gasheizungen die laufenden Heiz- und Kühlkosten oft um mehrere tausend Euro pro Jahr sinken. Förderungen und ein geringerer Wartungsaufwand tragen zusätzlich dazu bei, die Amortisationszeit zu verkürzen.

Aus Anbietersicht liegt der Schlüssel im systemischen Denken. »Der wichtigste Erfolgsfaktor ist, Heiz- und Kühlsysteme ganzheitlich zu planen«, erklärt Mader. Entscheidend seien eine genaue Analyse des Energiebedarfs, die richtige Dimensionierung der Anlage und die frühe Einbindung von Fachplanern und Installateuren. Besonders wirtschaftlich werden Projekte, wenn Wärmepumpe, Kühlung, Photovoltaik und Speicher intelligent kombiniert werden. Neben den Kostenvorteilen steigt damit auch die Resilienz gegenüber zukünftigen Energiepreisschwankungen.

Nicht nur die Pumpe
Neben Wärmepumpen gewinnen auch alternative erneuerbare Heizsysteme an Bedeutung. Stefan Ortner, Geschäftsführer von ÖkoFEN, verweist auf die Vorteile moderner Pelletlösungen für größere Anwendungen: »Produkte wie unsere Condens XL und der Pellematic Maxi stehen für maximale Pellets-Effizienz, flexible Leistungsanpassung und verlässliche Versorgung.« Unternehmen profitieren dabei nicht nur von stabilen Betriebskosten, sondern auch von der Nutzung regionaler, erneuerbarer Rohstoffe. »Sie nutzen regionale, erneuerbare Rohstoffe, senken CO₂-Emissionen und machen unabhängig von fossilen Energien«, betont Ortner. Gerade in einem Umfeld steigender Preise und geopolitischer Unsicherheiten sei dieser Aspekt wirtschaftlich zentral.

Die Wirtschaftlichkeit solcher Systeme zeigt sich auch in konkreten Zahlen. Ortner nennt ein Beispiel: »Für eine 100-kW-Anlage kann man bei einem Umstieg auf eine gleichwertige Pellets-Anlage mit etwa 40.000 bis 60.000 Euro Invest nach Abzug der möglichen Förderungen rechnen. Die Einsparung liegt dann aktuell bei 27.000 pro Jahr.« Daraus ergibt sich eine vergleichsweise kurze Amortisationszeit von zwei bis vier Jahren, abhängig von Förderstruktur und Ausgangssituation.

Parallel dazu entwickelt sich auch die Wärmepumpentechnologie weiter. Neue Systeme bieten höhere Leistungen und eignen sich zunehmend für Sanierungen von Bestandsgebäuden mit höherem Energiebedarf. »Unsere intelligenten Wärmepumpen sparen im Vergleich zu anderen Produkten noch einmal zwischen 10 und 25 Prozent an Stromkosten, CO₂-Emissionen und Stromzukäufen aus dem Netz«, so Ortner. Damit wird deutlich, dass Effizienzsteigerungen nicht nur durch den Systemwechsel selbst, sondern auch durch technologische Innovation innerhalb der Systeme erreicht werden können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Integration von Steuerungs- und Regelungstechnik. Intelligente Systeme ermöglichen es Unternehmen, ihre Energieflüsse aktiv zu steuern und zu optimieren. Ortner hebt hervor, dass die Programmierung solcher Systeme individuell angepasst werden kann: »Sie kann das Wärme- und Strommanagement besonders kostensparend oder besonders ökologisch administrieren.« Damit entsteht ein zusätzlicher Hebel, um betriebliche Prioritäten flexibel umzusetzen.

Auch bei Austria Email wird der systemische Ansatz betont. Wärmepumpenlösungen für Betriebsimmobilien und Bürogebäude setzen auf die Nutzung von Umweltenergie und kombinieren Effizienz mit vielseitiger Einsetzbarkeit. »Die Systeme nutzen Umweltenergie aus Luft, Erde oder Abluft und senken damit Heiz- und Warmwasserkosten deutlich, zudem ermöglichen sie eine energieeffiziente Raumkühlung«, heißt es seitens des Teams der Austria Email AG. Neben der Reduktion laufender Kosten spielt auch die langfristige Stabilität eine entscheidende Rolle.

Die wirtschaftlichen Vorteile sind klar quantifizierbar. »Die Investition in eine Austria Email-Wärmepumpe amortisiert sich je nach Gebäudegröße und Energieträger meist innerhalb von fünf bis acht Jahren«, heißt es seitens des Teams der Austria Email AG. Einsparungen von bis zu 50 Prozent bei den Heizkosten sowie Förderungen verkürzen den Return on Investment zusätzlich. Gleichzeitig lassen sich steigende CO₂-Steuern und Netzkosten vermeiden, was die Kalkulationssicherheit weiter erhöht.

Darüber hinaus bieten Wärmepumpen einen funktionalen Mehrwert. Sie vereinen mehrere Anwendungen in einem Gerät und ermöglichen neben Heizung und Warmwasser auch Kühlung. In Kombination mit Photovoltaik kann der Eigenverbrauch optimiert werden, was die Betriebskosten weiter senkt und die Unabhängigkeit erhöht. »Mit einer klimafreundlichen Wärmepumpe lassen sich auch Mehrkosten durch steigende CO₂-Steuern auf fossile Energieträger sowie steigende Netzkosten zu 100 Prozent vermeiden«, heißt es seitens des Teams der Austria Email AG.

Planung als Schlüssel
Für eine erfolgreiche Umsetzung solcher Projekte ist eine sorgfältige Planung entscheidend. Dazu gehören die Abstimmung auf Gebäude und Nutzung, die frühzeitige Prüfung von Fördermöglichkeiten sowie die Einbindung qualifizierter Partner. Regelmäßige Wartung und Optimierung stellen sicher, dass die Systeme dauerhaft effizient arbeiten. Dieser ganzheitliche Ansatz zieht sich durch alle betrachteten Lösungen und zeigt, dass technologische Innovation allein nicht ausreicht, wenn sie nicht in ein durchdachtes Gesamtkonzept eingebettet ist.

Der Trend ist eindeutig. Unternehmen setzen zunehmend auf integrierte, erneuerbare und digital steuerbare Systeme, um den Herausforderungen steigender Energiepreise zu begegnen. Die Kombination aus Effizienz, Förderfähigkeit und langfristiger Planungssicherheit macht diese Lösungen zu einem zentralen Baustein moderner Gebäudetechnik. Zwischen Preisschock und Effizienz entsteht damit ein neues Verständnis von Energieversorgung, das Kostenkontrolle, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit miteinander verbindet.

 

Praxistipp: Fast überall Einsparpotenziale
Von Büro- und Wohngebäuden über Krankenhäuser und Hotels bis zum Data Center fördern »Energy Checks« enormes Einsparpotenzial zu Tage, wie viele Beispiele zeigen. So etwa bei einem Büro- und Wohngebäude, bei dem allein der Austausch von vier veralteten Primärkreispumpen der Kühlanlage jährlich über 26.000 Euro einspart. Ähnlich beim Primärkreislauf der Kälteanlage eines Fitnesscenters. Zwei intelligent geregelte Blockpumpen statt drei veralteter Pumpen im Dauerbetrieb reduzieren hier die Betriebskosten um fast 7.000 Euro im Jahr. Bei einem Krankenhaus offenbarte der Check Einsparmöglichkeiten bei allen 12 aufgenommenen mittelgroßen Umwälzpumpen. Eine Investition von rund 47.000 Euro erschließt hier jährliche Einsparungen von 25.000 Euro. Die berechnete Amortisationszeit von weniger als zwei Jahren ist typisch, in den meisten Fällen liegt sie bei unter drei Jahren. Grundfos beispielsweise bietet kostenlos einen Energy Check an, bei dem geschulte Mitarbeiter die relevanten Daten erheben, in der Regel vor Ort. Der Betreiber muss lediglich einige Angaben zum Betrieb beisteuern.

 

Praxischeck: Ist mein Haus bereit für die Wärmepumpe?

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Selbst ältere Häuser lassen sich mit überschaubaren Optimierungen wärmepumpenfit machen. Der Gebäudecheck gibt Hausbesitzern eine erste Einschätzung und zeigt auf, welche Bereiche man sich vor einer Installation noch einmal genauer anschauen sollte, wie Martin Kloboucnik, Co-CEO von WOLF Klima- und Heiztechnik, unterstreicht.

1. Vorlauftemperatur
Überprüfen Sie, ob das Haus bereits mit niedriger Vorlauftemperatur warm wird – genau so, wie es eine Wärmepumpe benötigt. Die maximale Vorlauftemperatur an der Heizungssteuerung auf 55 Grad einstellen. Die Heizung normal weiterlaufen lassen – idealerweise an einem kalten Tag. Mindestens zwei Tage testen: Werden alle Wohnräume warm? Bleibt die Temperatur angenehm? Gibt es Räume, die spürbar zu kühl bleiben?

2. Dämmung
Prüfen Sie, ob Dach, oberste Geschossdecke und Kellerdecke gedämmt sind. Wie fühlen sich die Außenwände im Winter an: eher kalt oder spürbar warm? Prüfen Sie, ob die Fenster dicht sind und im besten Falle dreifach verglast. Ein Gebäude mit einem Heizwärmebedarf von unter 100–120 kWh/m²a ist in der Regel wärmepumpentauglich.

3. Heizsystem
Schauen, ob alle Räume gleichmäßig warm werden. Prüfen Sie die Größe der Heizkörper – größere Heizkörper werden empfohlen. Werden sie bei niedriger Temperatur warm genug?

4. Platz und Lärmschutz
Prüfen, ob im Garten oder an der Hauswand Platz für eine Wärmepumpe vorhanden ist – die benötigte Grundfläche entspricht in etwa einer Euro-Palette. Alternativ: Gibt es einen geräumigen Technikraum oder Keller, in dem eine Wärmepumpe aufgestellt werden kann? Wichtig ist, dass ein ausreichender Mindestabstand zu Nachbargrenzen eingehalten wird, um die aktuell geltenden Schallschutzanforderungen zu erfüllen.

5. Stromanschluss
Ist der Sicherungskasten modern und nicht älter als 20 Jahre? Gibt es einen Starkstromanschluss im Keller oder Heizraum? Sind im Verteilerkasten noch freie Plätze für neue Sicherungen? Ist die Elektrik bereits älter oder der Verteilerkasten voll, sollte der Anschluss vor dem Umstieg überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

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