Montag, Oktober 19, 2026

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Von zerstörten Büchern bis zum LinkedIn-KI-Button: LLM-Anbieter, aber auch soziale Medien suchen Strategien gegen überschwappenden KI-Slop. Welche Konsequenzen hat KI-Müdigkeit für User, Institutionen und Firmen, und ist KI-generierter Content ausschließlich Slop?

KI-generiertes Bild zu Müll aus KI

Vor zehn Jahren begann sich in Online-Foren die Dead-Internet-Theorie auszubreiten. Diese lange als Verschwörungstheorie belächelte These besagt, dass im weltweiten Web irgendwann keine Menschen mehr unterwegs sein werden, dass alle Inhalte und Interaktionen ausschließlich von Maschinen und Bots kommen würden. 2026 scheint diese Theorie zumindest teilweise wahr geworden zu sein. SEO-Firmen gehen davon aus, dass die KI seit Anfang letzten Jahres rund die Hälfte der Inhalte im Internet zumindest mitverfasst. Schnell produzierte, generische Inhalte haben inzwischen einen Namen – KI-Slop, vom englischen Wort für Matsch oder Pampe. Die Flut mit LLMs generierter Inhalte hat nicht nur Auswirkungen auf die KI-Firmen selbst, die palettenweise antiquarische Bücher scannen und schreddern und sich so auf fragwürdige Art und Weise Prä-KI-Texten aneignen, da sie die Modelle nicht an mit LLMs verfassten Texten trainieren wollen.

Auch Social Media-Plattformen merken, dass die Nutzerinnen und Nutzer zunehmend KI-müde werden, und versuchen, dem entgegenzusteuern. So rollt LinkedIn seit Juli stufenweise einen KI-Melde-Button aus (»seems like AI-slop), um maschinenverfasste Inhalte bei Bedarf zu melden und so dem »Slop« auf der Plattform den Kampf anzusagen. Laut LinkedIn fließen die Meldungen in die eigenen Klassifizierer ein, um Empfehlungen zu verbessern.

Mit Pampe den Algorithmus füttern

Was aber ist KI-Slop eigentlich? Daniela Pühringer, Expertin für KI- und Medienkompetenz aus Oberösterreich, definiert Slop als Content, der sehr billig und repetitiv produziert wird und quasi keinen Mehrwert bietet. »Solche Inhalte spielen in den meisten Fällen dem Algorithmus zu, oder werden vom Algorithmus skaliert. Man will einfach Content produzieren, den der Algorithmus sich wünscht und der dann hoffentlich gut ausgespielt wird«.

Auch IT-Konsulent Gerhard G. Stockinger sieht die Algorithmen als Teil des Problems: »Je mehr Content man hat, desto mehr Engagement und Views hat man. Wenn man nicht wirklich häufig postet, bekommt man viel w niger Views. Die Qualität des Inhalts ist für den Algorithmus nicht wichtig.« Für Stockinger sind KI-Slop Inhalte, die überflüssig sind und keinen wirklichen Nutzen haben – quasi wie Junk-Mails. »Dadurch, dass man schnell in den Genuss kommt, dieses Tool zu nutzen, kann man ganz billig ganz viel Text erzeugen und irgendwer soll das dann auch lesen. Ich selbst ertappe mich dabei, dass ich Social Media-Texte oder längere Artikel gar nicht mehr selber lese, sondern von generativer KI lesen lasse – weil es mir die Zeit nicht mehr wert ist, das selbst zu lesen.« Stockinger sieht die KI-Slop-Welle lange noch nicht abflachen. »Im Moment kopiert man die Inhalte von Chat-GPT, Mistral oder anderen Modellen noch selbst auf die Plattformen. Die nächste Welle wird so sein, dass die generative KI das einfach selbst macht und so alles flutet.«

Die versteckten Kosten von KI-Slop

Daniela Pühringer ist sicher, dass das Posten von KI-Inhalten oft ohne ein Bewusstsein für die Konsequenzen geschieht. Vielen Usern sind mögliche negative Reaktionen auf ihre von KI erstellten Texte oder Bilder gar nicht bewusst. Gerade Firmen und Institutionen gehen davon aus, durch den Einsatz von LLMs Zeit und Geld zu sparen und so effizienter zu arbeiten. Trotzdem sollte man sich überlegen, ob man sich von ChatGTP und Co Texte, Bilder oder Videos erstellen lässt, sagt Pühringer. »Gerade bei Institutionen, die eigentlich eine Vertrauensbasis brauchen, irritiert es, wenn sie billigen KI-Inhalte ausspielen. Das trifft vor allem auf Behörden und Politik zu, aber auch auf Unternehmen, die Produkte produzieren, die auf einer Vertrauensbasis gekauft werden. Damit zerstört man in meinen Augen mehr, als dass es kurzfristig bringt.«

Auch Social Media-Plattformen selbst merken erste Konsequenzen der Slop-Flut. Nutzerinnen und Nutzer verbringen weniger Zeit auf LinkedIn oder Instagram, überfliegen Inhalte nur noch, oder melden sich ganz ab. »Die Nutzerzahlen und Verweildauer sind die höchste Währung, die Plattformen haben«, sagt Daniela Pühringer. »Wenn wir KI-müde sind oder uns nicht den 17. Slop-Text durchlesen wollen, dann schadet es der Plattform.« LinkedIn stünde für persönlichen Austausch, Mehrwert und Wissen. »Wenn man sich nur noch in performativen KI-Texten bewegt, dann fällt das weg, wofür das LinkedIn irgendwann einmal gestanden ist. Dem will die Plattform jetzt entgegensteuern.«

Ist aber ein KI-Melde-Button aber die richtige Maßnahme? Oder dient er in Wirklichkeit, die KI besser zu trainieren, damit LLM-verfasste Texte in Zukunft nicht so offensichtlich sind? »Ich vermute, dass der KI-Slop-Button eher mit dieser Absicht implementiert wurde«, sagt Gerhard G. Stockinger. »Man will einmal schauen, wie die Kunden damit umgehen und was denn damit machen.« Auch in Daniela Pühringers Augen führte LinkedIn solche Maßnahmen nicht nur zum Vorteil der User ein. »Je mehr Daten sie zur Verfügung haben, desto besser wieder. Jeder Button ist wieder Datensatz.«

Weg vom Web?

Manche Internet-Experten sehen im Kampf gegen KI-Slop eine Chance auf ein besseres, menschgemachtes Internet. Gelingt es nicht, konnte die These des Toten Internets wahr werden: Wenn im Webs quasi nur noch Bots und LLMS unterwegs sind, ziehen die User sich zunehmenden ins analoge Leben zurück »Es gibt erste Trends, dass die Kommunikation sich aus dem Online-Bereich wegverlagert«, sagt Daniela Pühringer. »Wenn man sich die Marketing-Trends anschaut, dann geht es immer stärker in geschlossene und vielleicht auch bekannte Communities. Facebook funktioniert immer noch, weil es Interessensgruppen dort gibt, wo die Userinnen und User sich mehr aufhalten als irgendwo anders.«

Ist aber der beste Weg gegen Slop-Müdigkeit ein radikaler KI-Verzicht? Pühringer und Stockinger sich einig, dass man ChatGPT und Claude nicht gänzlich abschwören muss. Nicht alle von LLMs verfassten Inhalte seien ausschließlich Slop. »Ich sehe auf LinkedIn oft mit NotebookLM erstellte Grafiken, denen man ansieht, dass sich jemand beim Prompten etwas überlegt hat,« sagt Daniela Pühringer. »Solche Grafiken können helfen, die Inhalte besser zu verstehen.« Wichtig sei dennoch, die Inhalte auf Fehler zu überprüfen, und nicht darauf zu vertrauen, dass die KI alles weiß.

Bezahlmodelle können mehr

Wie aber kann man Claude, ChatGPT und Co so nutzen, dass kein Slop rauskommt? »Viel Kontext und viel eigene Informationen«, rät Gerhard G. Stockinger. Er rät auch, die KI mit seinen eigenen Gedanken und Erfahrungen zu prompten, und so einen Text zu produzieren, den andere hilfreich finden. »Wichtig ist auch, nicht aus Kostengründen auf Gratismodelle zurückzugreifen. Wenn ich etwas Kostenloses benutze, dann bekomme ich wenig Qualität. Mit den kostenpflichtigen Accounts, eigenen Informationen und mit einer Idee, wohin die Reise gehen soll, können gute Texte entstehen.«

Für Daniela Pühringer leben wir in einem Live-Experiment. »Wir sind mittendrin in der Entwicklung, wir sind Teil dieser Entwicklung mit unseren Inhalten, mit dem, was wir jetzt mit der KI tun. Einige der großen LLM, vor allem OpenAI, haben das auch sehr öffentlich gesagt. Sie testen nicht nur intern, sie testen an uns. OpenAI nennt das selbst »iterative deployment«. Man gibt etwas hinaus und schaut, wie es angenommen und eingesetzt wird.

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Bild: Stirbt das Internet? SEO-Anbieter glauben, dass die KI seit 2025 die Hälfte der Inhalte (mit)verfasste.

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