Monday, June 01, 2026

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Unternehmen müssen jetzt erkennen, dass digitaler Schutz wichtiger ist denn je – davon ist Andreas Plamberger, Head of Information Management Solutions bei Canon Austria, überzeugt.

Andreas Plamberger leitet den Bereich Information Management Solutions bei Canon in Österreich.

Canon assoziiert man klassisch mit Druckern und Kameras. Warum ist das Thema Cybersicherheit mittlerweile in Ihren Fokus gerückt?

Andreas Plamberger: Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir mit unserer Hardware und den Softwarelösungen bei unseren Kunden voll im Fokus von Cybersecurity-Maßnahmen stehen. Schlecht gemanagte Hardware stellt einen Einfallsvektor für Angriffe dar. Hier bewegt sich gerade auf der regulatorischen Ebene durch Vorgaben wie DORA oder NIS2 viel. Unser Ziel ist es daher, Sicherheit nicht als isoliertes Produkt, sondern als integralen Bestandteil unserer Prozesse zu verstehen.

Welche Rolle spielt Software in dem Ökosystem an Geräten in Büros?

Canon spielt heute die gesamte Klaviatur von analog zu digital und wieder zurück, wobei wir in meinem Bereich Dokumentenprozesse digitalisieren und automatisieren. Wir agieren mit unseren Lösungen nie im luftleeren Raum, sondern hängen immer an der Infrastruktur unserer Kunden – sei es direkt am Standort beim Kunden oder über Cloudservices wie Microsoft Azure. Das bedeutet aber auch, dass wir gewissen Gefahren ausgesetzt sind, etwa wenn schadhafte Dokumente entgegengenommen werden oder Web-Portale für Bewerber und Studierende als Angriffsvektoren dienen. Deshalb ist eine hochgradige Absicherung dieser Schnittstellen heute essenziell.

Wie unterstützt Canon, Systeme gegen diese Bedrohungen abzusichern?

Wir bieten zwar keine dezidierten Sicherheitslösungen im klassischen Sinne an, aber wir sorgen in unseren Projekten dafür, dass die Systeme so aufgesetzt werden, dass sie den Governance-Vorgaben und Regularien unserer Kunden entsprechen. Besonders interessant ist hier unsere neueste Generation von Multifunktionsgeräten, die über integrierte KI-Lösungen verfügt, welche das IT-Umfeld bereits während der Installation scannen, mögliche Gefahren identifizieren und dem Techniker direkt vorschlagen, wie das Gerät optimal zu konfigurieren ist. Dieser proaktive Ansatz hilft vor allem den Fachabteilungen und Geschäftsführungen, strategische Sicherheitshürden zu nehmen, ohne dass sie selbst tiefstes technisches Detailwissen benötigen.

Welche strategischen Empfehlungen geben Sie im Bereich Gerätemanagement?

Man muss Drucker als das sehen, was sie sind: vollwertige Endpunkte in jedem Netzwerk, die ein konsequentes Patchmanagement benötigen, genau wie Server-Hardware auch. Risiken, die durch vernachlässigte Patches entstehen, sind deutlich höher als die Gefahr, dass ein frühzeitiger Patch einen Prozess stört. In Zeiten, in denen sich alles immer schneller dreht, sollten wir eher zu früh als zu spät dran sein. Darüber hinaus sind Themen wie die Authentifizierung direkt am Gerät, etwa durch „Print Anywhere“-Funktionen, nicht nur eine Frage der Security, sondern auch der Privacy, damit sensible Dokumente nicht offen für jeden zugänglich im Ausgabefach liegen bleiben.

Viele Betriebe fürchten den bürokratischen Aufwand durch NIS2.

Aus Sicht vieler CISOs fordert NIS2 eigentlich nur, was wir als Hausübungen bezeichnen würden – Dinge wie Multifaktor-Authentifizierung oder eben ein sauberes Patchmanagement, die man ohnehin schon immer hätte machen sollen. Neu ist allerdings die Reichweite: Während früher nur wenige hundert Unternehmen betroffen waren, fallen mit dem NISG 2026 nun wesentlich mehr Sektoren und auch Großunternehmen wie Canon selbst unter diese strengeren Prüf- und Lieferantenpflichten. Es geht darum, Transparenz zu schaffen und sicherzustellen, dass die gesamte Kette inklusive Cloud-Services robust aufgestellt ist.

Wo sieht Canon seine künftigen Wachstumschancen?

Während der klassische Office-Druckmarkt stagniert oder sich in einem Verdrängungswettbewerb befindet, sehen wir im Produktionsdruck, etwa in der Verpackungsindustrie oder beim On-Demand-Buchdruck für einen großen Onlinehändler, nach wie vor spannende Wachstumsfelder. Unser Bereich Information-Management Solutions ist zwar mit etwa zehn Prozent des österreichischen Umsatzes noch kleiner, wächst aber seit Jahren kontinuierlich zweistellig. Eine Strategie von Canon ist die Diversifizierung in hochtechnologische Branchen: Wir sind heute einer der Top-drei-Player bei Lithographiesystemen für die Halbleiterproduktion weltweit, stark in der bildgebenden Medizintechnik sowie der Satellitentechnik vertreten. Canon ist heute wesentlich mehr als nur ein Hersteller von Druckerhardware – wir sind ein breit aufgestellter Technologiekonzern.

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