Sonntag, September 25, 2022

Die Klima-Transformation beginnt im Kopf

Die Klimakrise ist bereits da – entschiedenes Handeln ist notwendig. Dieses Wissen sollte mittlerweile bekannt sein. Doch warum tun wir uns mit dem konsequenten Umsetzen so schwer? Kommen Sie mit auf die Suche nach den persönlichen Triggern für erfolgreiche Verhaltensänderung, denn es lohnt sich.

Das böse Wort: Veränderung

Auch wenn wir heutzutage ständig im Internet unterwegs sind, so sind wir evolutionär nicht wesentlich weitergekommen. Plakativ ausgedrückt, sind wir die digital unterstützte Version der Neandertaler. Das ist nicht als Scherz gemeint. Unsere Verhaltensweisen haben leider mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt gehalten.

Da im größten Teil unserer Menschengeschichte Energie knapp war, sind wir auf Energiesparen getrimmt und bevorzugen Routinen. Erst durch Gefahr oder große Not wurden wir erfinderisch und probierten Neues aus. Dieses evolutionäre Programm ist heute noch in uns angelegt. Etwa 10 bis 20 % der Bevölkerung tun sich mit Neuem leichter, der Rest versucht gerne Bekanntes beizubehalten und Veränderungen zu vermeiden.

Pseudohandlungen

Diese Prägung führt zu kuriosen Ergebnissen. Aus der Verhaltenspsychologie weiß man, dass etwa 10-20 % der Menschen eine Bedrohung intrinsisch motiviert in eine direkte Handlung umsetzen können. In Bezug auf die Klimakrise wären das z.B. ein geändertes Reiseverhalten, der Verzicht auf Fleisch oder Secondhand statt Fast Fashion.

Der Rest von uns tendiert leider zu Pseudohandlungen, also Handlungen die mit der ursprünglichen Bedrohung nichts zu tun haben. Darunter fällt Greenwashing oder auch die Herabwürdigung von Menschen, die ernsthaft versuchen etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Wie kann man also Menschen zur Veränderung motivieren?

Leider ist die Antwort nicht so einfach, denn immer spielen die bisherigen Erfahrungen, Kenntnisse und Haltungen jeder einzelnen Person eine Rolle. An die Verantwortung der Menschen für die Kinder, Enkelkinder oder den eigenen Lebensraum zu appellieren, kann manchmal wirken. Auch das Gefühl „Gutes" zu tun oder bei einem Zukunftsprojekt mitzumachen können Anreize sein.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass sozialer Druck ein Veränderungsfaktor ist, der gerne unterschätzt wird. Etwa waren bei Stromverbrauchsmessungen in Mehrparteienhäusern nicht die Einsparung von Strom und damit Kosteneffekte ausschlaggebend für die Verhaltensänderung, sondern der direkte Vergleich mit den Nachbarn. Hatten die Nachbarn einen niedrigeren Verbrauch, so war der Ehrgeiz geweckt und die Suche nach Einsparungsmöglichkeiten begann. Findige Unternehmen starten daher sogenannte „Challenges". Dabei wird versucht über den Spieltrieb und sozialen Druck Mitarbeitende zu klimabewusstem Verhalten zu bewegen. Das reicht dann vom Senken des Kopierpapier- oder Stromverbrauchs bis hin zu gefahrenen Fahrradkilometern bei der Mitarbeitermobilität. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Wettbewerbsfähigkeit sichern und Vorreiter*in sein

Bei Unternehmensentscheider*innen stellen noch immer Einsparungspotentiale – damit auch monetäre Effekte – den wichtigsten Grund für die Neuausrichtung dar. In unserer beruflichen Praxis bei der Veränderung von Prozessen und Wertschöpfungslandschaften in Unternehmen sehen wir, dass noch viel ungenutztes Potential vorhanden ist. Dieses reicht von der Verschwendung im Prozess bei Arbeitsweise, Material und Energie, über die Transportlogistik und Supply Chain bis hin zur Möglichkeit Energie selbst zu erzeugen und klug zu nutzen. Hier ist noch so viel möglich, vor allem wenn es um mittel- und langfristige Möglichkeiten geht. Dieses Wissen und die Potentiale zu heben, sind ein wesentlicher Hebel für Unternehmen, die auch zukünftig wettbewerbsfähig bleiben wollen.

Auch bei Unternehmen kommt verstärkt sozialer Druck zu tragen. Kund*innen werden kritischer und Stakeholder stellen vermehrt Fragen. Besonders seitens der Kapitalgeber*innen werden Klimaschutz und Nachhaltigkeit vom „Nice to have" zum „Must have" (Stichwort: ESG). Veränderte regulative Vorgaben, wie die ab dem Geschäftsjahr 2023 geltende CSRD-Richtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive) der EU, werden für Unternehmen Veränderungen bringen. Zudem kommt auch noch der Arbeitskräftemangel. Mitarbeitende achten zunehmend auf die zukunftsfähige Ausrichtung von Unternehmen.

Die Kompetenzen in Sachen Klimaschutz, Energiesysteme, Ressourcenverbrauch oder Emissionsausstoß sind noch immer recht speziell. Besonders für KMUs ist es schwierig neben dem Tagesgeschäft noch solche Themen zu erarbeiten und dann auch konkret umzusetzen. Andererseits erschließen sich dadurch neue Geschäftsmöglichkeiten für Produkte und Dienstleistungen. Das sichert die eigene Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit und kann damit auch ein Grund für die Klima-Transformation sein .

Die Klima-Transformation kann noch wesentlich mehr

Gerne wird bei den notwendigen Änderungen rund um die Klimakrise vergessen, welche lokalen Chancen dadurch entstehen. Laut österreichischer Energieagentur wurden im Jahr 2020 7,4 Mrd. Euro für den Import von Kohle, Öl und Gas ausgegeben. Durch den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien, passender Speicherkonzepte und einem Umbau des Mobilitätssystems stärken wir den eigenen Standort und halten dieses Geld im Land. Local for local gilt in Energiefragen mehr denn je. Über die erhöhte Krisenresilienz und Unabhängigkeit von korrupten Staaten brauchen wir in Zeiten des Ukraine-Krieges nicht wirklich diskutieren.

Zudem entstehen durch den Fokus auf Energieproduktion und intelligente Energienutzung Know-How und gut bezahlte Jobs mit Zukunftsfokus – nicht nur für Männer. Als ich Ende der 2000er-Jahre nach Deutschland in den Bereich erneuerbare Energien ging, war dort ein großer Boom und entsprechender Bedarf an motivierten Mitarbeitenden aller Disziplinen. Diverse Teams mit Frauen in Führungspositionen – auch in den technischen Abteilungen – waren dort eine Selbstverständlichkeit und sind es auch heute noch.

Transparenz und gute Geschichten erzählen

Nun haben wir lauter Gründe kennengelernt, die für eine Veränderung sprechen. Der einzige Grund dagegen ist unsere eigene Bequemlichkeit und entsprechende Pseudoausreden. Mit dem passenden Storytelling kann es gelingen, die Überzeugungsarbeit zu leisten.

Der Hang zu Geschichten ist ein weiteres Überbleibsel aus unserer evolutionären Prägung. Im Schein des Feuers hörten wir von Menschen aus unserer Gruppe Neues. Auch heute können wir über Erzählungen anderer neue Gedankenansätze entwickeln. Der persönliche Konnex hilft das Gehörte auf den eigenen Einflussbereich zu übertragen.

Wir konnten vor kurzem unseren Kund*innen mitteilen, dass wir über 50 % unseres Energiebedarfs für Strom, Wärme und Mobilität in unserem kleinen Betrieb selbst über eine PV-Anlage herstellen und daher die Preise nicht erhöhen. Die Resonanz auf diese Mitteilung war sehr gut und brachte zwei Kunden dazu, über Photovoltaik an den eigenen Standorten nachzudenken.

Die Zukunftskompetenz: Veränderung denken können

Um die Klimawende im Kopf zu vollziehen, sollten wir uns immer die Vorteile klar machen. Menschen, die sich in die Welt von morgen hineinversetzen und diese kreativ mit anderen gemeinsam entwickeln können, sind mehr und mehr gefragt. Das Spektrum der Veränderung ist breit, denn alle Unternehmen werden sich diesem Wandel stellen müssen und alle Unternehmensbereiche sind davon betroffen. Das ist allerdings nicht schlimm, denn wir investieren damit in unsere lebenswerte Zukunft.

Linktipp
Wie können Unternehmen die Klima-Transformation standortbezogen vorantreiben? Buchinger|Kuduz hat dazu ein Klima-Reifegrad-Assessment entwickelt: https://www.buchingerkuduz.com/leistungen/klima-reifegrad-assessment/

Bild: iStock

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