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Bau & Lean - gemeinsam mehr
BIM kann den Projektablauf deutlich verbessern. Doch als singuläre Methode bleibt viel Potenzial ungenutzt. In Kombination mit Lean Management werden die jeweiligen Stärken potenziert.
Seit spätestens 2025 erlebt die Baubranche einen tiefgreifenden Wandel. Die jahrzehntelang dominierenden weißen Papierpläne verschwinden zunehmend von den Baustellen. In Deutschland haben zahlreiche Bundesländer sowie der Bund ihre Prozesse inzwischen vollständig digitalisiert – und auch große private Investoren sowie Immobilienbesitzer setzen längst auf die Vorteile von Building Information Modeling (BIM).
Für Handwerker und andere Auftragnehmer bedeutet dieser Wandel eine Chance. Denn viele Betriebe kennen das seit Jahren bestehende Problem nur zu gut: Ein Bauzeitenplan existiert zwar, doch die Realität sieht häufig anders aus. Es kommt zu Verzögerungen, Gewerke hätten längst beginnen müssen, die Vorgewerke sind aber nicht rechtzeitig fertig geworden. Es wird stillschweigend davon ausgegangen, dass der Auftragnehmer die verlorene Zeit am Ende einfach wieder aufholt – selbstverständlich und oft mit dem bekannten Nachdruck: »Wir kennen uns doch schon lange, und Sie möchten doch auch künftig Aufträge von uns erhalten.« Diese Erwartung ist heute oft nicht mehr zu erfüllen – und sie muss es auch nicht.
Echtes Teamwork
BIM kann den gesamten Bauablauf deutlich verbessern. Die engere Verzahnung der Planung reduziert laut einer Studie der TU Deggendorf rund 42 % der ansonsten notwendigen Arbeitsschritte. Das allein schafft spürbare Entlastung. Trotzdem scheitert es auf Baustellen häufig am tatsächlichen Miteinander. Zwar wird gern und viel von »Team« gesprochen, doch gelebte Zusammenarbeit findet man selten.
Genau hier setzt die Lean-Methode an – ein Ansatz, den die beiden führenden deutschen Experten Bülent Yildiz und Prof. Dr. Claus Nesensohn maßgeblich prägen. Beide sind Gründer und Vorstände der Refine AG in Stuttgart und lehren parallel an Hochschulen. Ihr Ziel: echtes Teamwork am Bau schaffen – so, wie es sich viele Handwerksbetriebe seit Jahren wünschen.
Die Schritte im Detail
Der Lean-Prozess startet damit, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen: nicht nur Planer und Bauleiter, sondern auch jene, die das eigentliche Handwerk ausführen – der Maurer mit der Kelle, der Elektroinstallateur mit der Zange. Sie geben realistische Zeiten für ihre Tätigkeiten an, aus denen gemeinsam ein tatsächlicher Bauzeitenplan entsteht.
Im zweiten Schritt sorgen Yildiz und Nesensohn konsequent dafür, dass sich alle an ihre Zusagen halten. Kommt es im Bauverlauf zu Verzögerungen, gilt nur eine einzige Regel: Jeder löst das Problem, das er selbst verursacht hat – und holt seine Zeit wieder auf. Es gibt kein Verschieben zu Lasten nachfolgender Gewerke. Stattdessen müssen sich die Verantwortlichen vor den anderen erklären und eigenständig Lösungen entwickeln. Das führt mitunter zu überraschenden Vorschlägen, sorgt aber vor allem für ein Umdenken bei allen Beteiligten. Und plötzlich funktioniert die Zusammenarbeit wieder – transparent, verbindlich und fair.
Über den Autor
Peter Kaiser ist Geschäftsführer der KAISER-AMM TGA-Planung 4.0 in Forchheim.
www.tga40.de
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