Friday, April 17, 2026

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Bau | Immobilien

In Wien Hernals betreibt Strauss, Spezialist für Berufskleidung und Arbeitssicherheit, im neuen Bauhaus Fachcentrum auf 700 m² nicht nur den ersten Workwearstore im Rahmen einer Retail-Partnerschaft, sondern auch den ersten Workwearstore außerhalb Deutschlands. Der Bau & Immobilien Report traf CEO Steffen Strauss kurz vor der offiziellen Eröffnung zu einem ausführlichen Gespräch über aktuelle Strategien und künftige Innovationen. Er erklärt, wie Österreich zum Vorbild anderer Märkte werden soll und welche Rolle der Nachwuchs spielt.

Steffen Strauss ist CEO des Workwear-Spezialisten Strauss.

Bild: »Es ist das erste Mal, dass wir auf so einer großen Fläche dauerhaft präsent sind«, sagt Steffen Strauss über den neuen Workwearstore im Hernalser Bauhaus.


Wie laufen die Geschäfte für Strauss in Österreich?

Steffen Strauss: Österreich war unser erster Auslandsmarkt. Wir sind 1996 eingestiegen und sind mit der Geschäftsentwicklung zum dreißigjährigen Jubiläum sehr zufrieden. Natürlich sind auch wir nicht von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage losgelöst und verspüren auch einen gewissen Druck, aber dank unseres Pop-up-Stores in der Metastadt in Wien verzeichnen wir gegenüber dem Vorjahr sogar ein Wachstum.

In welcher Größenordnung?

Strauss: Wir konnten beim Umsatz um rund 5 % zulegen und sind jetzt bei etwa 130 Millionen Euro. Damit sind wir sehr zufrieden.

Wo liegt Österreich im internationalen Vergleich?

Strauss: Österreich ist nach Deutschland unser zweitgrößter Markt. Gleichzeitig sehen wir in Osteuropa – etwa in Polen oder Tschechien – aktuell zweistellige Wachstumsraten. Das zeigt uns: Der Vogel ist in ganz Europa beliebt und unsere Internationalisierungsstrategie funktioniert.

Ist der neue Store in Wien auch als Bekenntnis zum österreichischen Markt zu sehen, als Statement?

Strauss: Absolut. So wie wir vor 30 Jahren den Schritt aus Deutschland raus bewusst nach Österreich gesetzt haben, haben wir auch jetzt wieder ganz bewusst Österreich für diese besondere Kooperation mit Bauhaus gewählt. Es ist das erste Mal, dass wir auf so einer großen Fläche außerhalb Deutschlands dauerhaft präsent sind.

Soll das österreichische Beispiel international Schule machen?

Strauss: Wenn es erfolgreich ist, wovon wir ausgehen, werden weitere Märkte folgen.

Was muss am Ende des Jahres zu Buche stehen, damit Sie von einem Erfolg sprechen?

Strauss: Wir haben keine konkrete Zahl im Kopf. Entscheidend ist, wie die Kunden auf die neue Flächenpräsenz reagieren und ob das Konzept im Bauhaus Umfeld funktioniert. Daran werden wir den Erfolg messen. Wir wissen, dass uns die österreichischen Kunden mögen und wir hier eine gewisse Fanbase haben. Deshalb freuen wir uns, all diese Menschen jetzt dauerhaft begrüßen zu dürfen, nicht nur in Form eines Pop-up-Stores oder bei einer Messe.

Apropos Fanbase. Mein zehnjähriger Neffe ist ein riesengroßer Strauss-Fan, auch viele seiner Schulkollegen. Wie erklären Sie sich diese Begeisterung bei den Jüngsten, die ja hoffentlich noch wenig Bedarf an Workwear haben?

Strauss: Wir haben da mehrere Erklärungsansätze. Zum einen haben auch die Kleidungsstücke für die Kinder alle Features und die Qualität, die man von uns kennt. Cooler Look, tolle Funktionen. Damit gehen die immateriellen Werte einher, dass sich auch die Jüngsten wie echte Handwerker fühlen, als echte Macher, so wie die erwachsenen Vorbilder. Das freut natürlich auch die Eltern, wenn der Nachwuchs so sein will wie sie.

Ist das eine gezielte Marketingstrategie, den Nachwuchs zu adressieren?

Strauss: Als wir vor rund 15 Jahren das erste Produkt für Kinder auf den Markt gebracht haben, eine Latzhose, hat uns der Erfolg selbst überrascht. Wir haben in kürzester Zeit 10.000 Stück verkauft. Da war es nur logisch, die Kinderkollektion Schritt für Schritt zu erweitern.

Wie stark spüren Sie die aktuellen konjunkturellen Dellen?

Strauss: Die spüren wir natürlich auch – genauso wie der Maler- oder Handwerksbetrieb. Wir blicken aber nach vorne und stellen den Strauss auf Zukunft. Mit unserer starken Marke, neuen innovativen Produkten und einem engagierten Team sind wir sehr gut aufgestellt.

Halten die Unternehmen aktuell länger an der Arbeitskleidung fest, bevor es zu Ersatzinvestitionen kommt?

Strauss: Möglich – aber unsere Workwear ist von Natur aus langlebig. Zudem haben wir speziell zum Start der Kooperation mit Bauhaus mit der »e.s. line core« eine neue Kollektion aufgelegt. »Core« steht für das Wesentliche: funktionale Qualität, auf das Wesentliche reduziert und zu einem attraktiven Preis zugänglich.

Auf welche Innovationen dürfen sich die Kunden jetzt und in Zukunft freuen?

Strauss: Wir machen Workwear sexy. Aktuell haben wir viele neue Produkte im Angebot, etwa Sneaker mit Stahlkappe. Die sehen aus wie Sportschuhe, erfüllen aber alle Sicherheitsanforderungen. Bei der Kleidung setzen wir zudem auf neue, bequeme Materialien für die Baustelle. Auch im Bereich Arbeitssicherheit wird sich mit einer neuen High-Visibility-Kollektion einiges tun.

Was treibt Sie aktuell als CEO von Strauss am stärksten an?

Strauss: Mein Hauptthema sind die Menschen und wie wir es schaffen, weiterhin diesen persönlichen, familiären Charakter des Unternehmens aufrechtzuerhalten. Und das trotz eines großen Teams von über 1.800 Kollegen.

Sie sind 1999 mit Ihrem Bruder in das Familienunternehmen eingetreten. Was war in dieser Zeit Ihre beste Entscheidung?

Strauss: Eine der wichtigsten Entscheidungen war, unsere Unternehmenskultur ganz bewusst zu stärken. Uns war immer wichtig, den familiären Charakter des Unternehmens zu erhalten und weiterzuentwickeln – und ihn auch für Mitarbeiter, Partner und Kunden spürbar zu machen. Ein großer Meilenstein war auch die Entscheidung, nicht mehr nur Händler sein zu wollen, sondern ein echter Markenanbieter mit eigenen Produkten.

Was würden Sie anders machen?

Strauss: Es gab natürlich Produkte, die nicht so gut gelaufen sind. Das ist bei einem Sortiment von 46.000 Positionen aber auch unvermeidlich. Nicht alles, was im Modebereich funktioniert, wird auch von unseren Kunden angenommen. Manches ist auch zur falschen Zeit auf den Markt gekommen. Den Hoodie, den Sie hinter mir sehen, hatten wir schon in der Vergangenheit in ganz ähnlicher Weise im Sortiment. Damals war er ein Ladenhüter, heute verkauft er sich hervorragend.

Wenn Sie 1999 nicht ins Familienunternehmen eingetreten wären: Welche andere Tätigkeit oder Branche hätte Sie gereizt?

Strauss: Ich wäre wahrscheinlich Reiseverkehrskaufmann geworden. Es wäre auf jeden Fall etwas Kaufmännisches gewesen und etwas, das mit Menschen zu tun hat. Wenn man mich definieren müsste, dann am liebsten als »menschenorientierter Kaufmann«.

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Mit dem 700 m² großen Workwear­store im Bauhaus Wien-Hernals richtet sich Strauss verstärkt an eine urbane, heimwerkeraffine Zielgruppe.

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